Marktführer Nestlé hat mit den Nespresso-Kapseln das beste Testergebnis Foto: dpa

Seit 2005 hat sich der Verkauf von Kaffeekapseln in Deutschland mehr als verzwanzigfacht. Dazu tragen auch die Discounter bei, die inzwischen alle eigene Kapseln im Sortiment haben. Die Stiftung Warentest hat 14 Produkte verglichen. Trinkbar waren sie alle.

Stuttgart - Welche Kapseln hat die Stiftung Warentest ausgewählt?
Wenn die Deutschen zum Kapselkaffee greifen, dann stellen die meisten eine große Tasse unter den Automaten und wählen die Variante mit viel Wasser. „Deshalb haben wir im Test die dazu passenden Kapseln für Caffè Crema, Lungo oder Kaffee ausgewählt“, sagt Ernährungsredakteurin Ina Bockhold von der Stiftung Warentest. Verglichen wurden 14 Produkte der Hersteller mit den größten Marktanteilen und passend zu unterschiedlichen Maschinensystemen.
Wurden auch Pads getestet?
Nein, die Warentester haben 2006 in einem eigenen Test Kaffeepads untersucht, einen Vergleich der beiden Systeme gab es jetzt nicht. Bei der Entscheidung Kapsel- oder Padmaschine spielt vor allem eine Rolle, wie man seinen Kaffee trinkt: Während Padmaschinen geschmacklich eher dem Filterkaffee nahe kommen, gehen Kapselmaschinen eher Richtung Espresso, weil der Kaffee darin mit höherem Druck zubereitet wird.
Markenware oder Discounterangebote: Was hat besser abgeschnitten?
Testsieger wurde der Marktführer Nestlé mit seinem Nespresso Vivalto Lungo. „Er schmeckte etwas stärker geröstet und damit aromatischer als die anderen Kaffees im Test. Und in der richtigen Maschine von De’Longhi zubereitet, hatte er die stabilste Crema“, sagt Ina Bockhold von der Stiftung Warentest. Geschmacklich ein weiteres „Sehr gut“ ging an den Cafèt Lungo von Netto Marken-Discount. „Durch vergleichsweise hohe Werte bei den Schadstoffgehalten von Acrylamid hat es insgesamt aber nur zu einem befriedigenden Testergebnis gereicht“, sagt Bockhold. Ansonsten gab es geschmacklich aber keine großen Ausreißer – weder bei den Markenherstellern wie Lavazza und Nescafé noch bei den Discounter-Kapseln von Aldi oder Lidl. „Alle waren gut trinkbar, selbst der geschmacklich nur befriedigend bewertete Tchibo Cafissimo“, sagt Bockhold.
Passen alle günstigeren Imitate problemlos in Nespresso-Maschinen?
Im August 2012 hat ein Gericht entschieden, dass sich Nestlé zwar sein Maschinensystem patentrechtlich schützen lassen kann, nicht aber die Kapseln. Seitdem bietet fast jeder Supermarkt Nespresso-kompatible Kapseln an. Sechs solcher Nachahmerprodukte hat die Stiftung Warentest untersucht, vier wurden nahezu problemlos von den Maschinen geschluckt (Senseo, Dallmayr Capsa, Jacobs Momente, Cafèt Lungo von Netto Marken-Discount). Bei den zwei Klonen von Aldi Nord (Moreno) und Lidl (Bellarom) gab es dagegen häufiger Probleme: Die Kapsel wurde nicht richtig durchstochen, verformten sich im Gerät, der Kaffee floss nur tröpfchenweise.
Nestlé verpackt als einziger Hersteller seinen Kaffee komplett in Alu. Hat das Auswirkungen auf die Qualität?
Nestlé selbst rechtfertigt mit dieser Begründung den Einsatz von Aluminium. Der Deutsche Kaffeeverband sagt: „Aluminium gibt keinen Geschmack an den Kaffee ab und ist komplett luftdicht.“ Die Konkurrenz setzt meist auf Kunststoff oder eine Mischung aus Kunststoff und Aluminium. Einige Kapseln haben vorgestanzte Löcher, damit sie von den Maschinen leichter durchstoßen werden können. „Damit das Aroma nicht verloren geht, sind sie zusätzlich noch in Folienbeutel verpackt“, sagt Ina Bockhold. Geschmacklich sieht der Kaffeeverband dann keine großen Unterschiede mehr zu Aluminium. „Inzwischen gibt es auch Kunststoffe, die genauso geschmacksneutral sind wie Alu.“
Wie sieht es mit der Umweltbelastung durch die Kapseln aus?
Kaffeekapseln verursachen Berge von Müll. Um die fast drei Milliarden verkaufter Kaffeekapseln jährlich in Deutschland abzutransportieren, wären 500 Müllwagen notwendig, rechnet die Stiftung Warentest hoch. Die schlechteste Ökobilanz haben dabei die Kapseln, die zusätzlich durch Folienbeutel geschützt werden. So hat es zumindest Roland Hischier von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in der Schweiz berechnet. Statt auf die Verpackung sollten Kaffeekäufer seiner Meinung nach aber ohnehin auf etwas ganz anderes achten: auf einen nachhaltigen Anbau. Denn der Einsatz von Maschinen, Dünger und Pestiziden kann die Umweltbelastung um bis zu 70 Prozent erhöhen. Die Verpackung trägt dazu durchschnittlich etwa 25 Prozent bei. „Das Beste für die Umwelt ist ein Kaffee mit Nachhaltigkeitslabel“, sagt Hischier. Bei Kapselkaffee wird man da noch kaum fündig. „Nachhaltigkeit und Kapsel schließen sich bislang aus“, sagt Ina Bockhold von der Stiftung Warentest.
Warum sind die Preise für Kapselkaffee vergleichsweise hoch?
Eine Kapsel Nespresso kostet 37 Cent. Hochgerechnt auf eine 500-Gramm-Packung Kaffee wären das 37 Euro. Teuer ist vor allem der immense Verpackungsaufwand für die Einzelportionen. Hinzu kommt, dass die Anschaffungskosten für eine Kapselmaschine relativ niedrig sind, wenn man es mit denen einer Siebträgermaschine vergleicht. „Das bezahlt man dann durch die Folgekosten bei den Kapseln“, sagt Bockhold. Wer regelmäßig Kaffee trinkt, fährt deshalb mit einer Siebträgermaschine sogar günstiger: „Die Anschaffungskosten hat man bereits nach zwei Jahren über den billigeren Kaffee wieder drin.“
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