Oliven müssen nach der Ernte schonend behandelt werden, um gutes Öl zu gewinnen. Foto: dpa

Bei dem beliebten Produkt gibt es große Unterschiede in der Qualität – aber immer weniger Schadstoffe. Teure Marken halten nicht immer, was sie versprechen.

Stuttgart - Dass sich die Prüfer der Stiftung Warentest beim Verkosten eines Olivenöls an ein Picknick im Sommer erinnert fühlen und heftig ins Schwärmen geraten, ist keineswegs alltäglich: „Es duftet etwa intensiv nach grünen Blättern, Blüten, frischem Gras und leicht nach Thymian. Es schmeckt fruchtig, bitter, scharf – und das besonders ausgewogen.“ Castillo de Canena heißt das Spitzenprodukt im jüngsten Olivenöl-Geschmackstest – und es hat seinen Preis: 36 Euro pro Liter sind für das Öl aus Picual-Oliven eines spanischen Familienunternehmens zu berappen. Dafür gab es die geschmackliche Bestnote 1,3. Auch das italienische Öl von Farchioni und das spanische Bioöl Soler Romer schafften mit der Note 1,5 noch ein „sehr gut“ bei der sensorischen Prüfung.

Gesamtsieger wurden diese „geschmacklichen Highlights“, so die Warentester, indes nicht: Sie patzten bei der Deklaration. Damit schaffte es „Cucina Natives Olivenöl extra“ von Aldi Süd auf Platz eins – und das für preiswerte zehn Euro pro Liter. Allerdings gab es das mit der Geschmacksnote 2,1 und der Gesamtnote 2,3 eingestufte Öl bei Aldi nur für kurze Zeit im vergangenen Sommer als Aktionsware. Das „normale“ Aldi-Süd-Öl Cantinelle Natives Olivenöl extra brachte es immerhin noch auf die Gesamtnote 2,9. Mit einem Literpreis von 5,35 Euro ist es genauso preiswert wie die ähnlich „befriedigende“ Konkurrenz von Edeka Gut und Günstig oder Lidl.

Teuer muss nicht gut sein

Am anderen Ende der Bewertungsskala zeigte sich wieder einmal, dass teuer nicht gut sein muss – und dass ein vermeintlich besonderes Öl ungenießbar schmecken kann. Neun Produkte mit Literpreisen bis zu 26 Euro kamen über „ausreichend“ nicht hinaus. Zwei waren „mangelhaft“: das Zehn-Euro-Bioöl von Rewe und das 18,90 Euro teure griechische Gaea-Öl. Alt, stichig, ranzig, nach Oliven mit Frostschäden schmeckend – so lauteten die wenig schmeichelhaften Bewertungen. Beide Öle hätten wegen des sensorisch fehlerhaften Geschmacks nicht in der höchsten Güteklasse „nativ extra“ verkauft werden dürfen, sondern nur als „nativ“, so die Prüfer.

Im Vergleich zu den letzten beiden Tests gibt es jedoch deutliche Verbesserungen: 2017 war kein einziges Öl „gut“, 2016 gerade mal eines – jetzt sind es immerhin vier Produkte. Und es gibt weit weniger „mangelhafte“ Ware. Das ist umso erfreulicher, als die Ernte 2016/07 problematisch war. Schlechtes Wetter, die Olivenfliege und ein pflanzenschädliches Bakterium führten zu Ernteausfällen und minderwertigen Ölen.

Keine Zweifel an der Herkunft

„Olivenöl gilt als das meistgefälschte Lebensmittel in Europa“, schreiben die Warentester im aktuellen „Test“-Februarheft. Deshalb hätten sie auch im Labor „sehr gründlich“ geprüft. Das erfreuliche Ergebnis: Es wurden keine Verfälschungen nachgewiesen. Auch für Schummeleien bei den Herkunftsangaben gibt es keine Hinweise. Nicht gemischte Öle wurden mit Kernresonanz- und Nahinfrarotspektroskopie untersucht – mit dem Ergebnis: „Alle Angaben sind plausibel, es gibt keine Zweifel an der Herkunft.“ Dazugelernt haben zumindest die Discounter bei der Kennzeichnung: Ihre Produkte verbesserten sich. Es sei also keine große Hürde, entsprechend den Vorgaben zu kennzeichnen, so Warentest.

Bleibt das leidige Thema Schadstoffe. Doch auch hier gibt es erfreuliche Nachrichten: Kein Produkt schneidet wegen Schadstoffen „mangelhaft“ ab. Weichmacher und nennenswerte Belastungen mit Pflanzenschutzmitteln, Lösemitteln und PAK (polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe) wurden ebenfalls nicht festgestellt. Allein die gesättigten Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (Mosh) waren bei sechs Ölen ein so großes Problem, dass sie in diesem Prüfpunkt nur „ausreichend“ waren. Und mehr als ein Drittel der Öle enthielt Moah, also aromatische Mineralöl-Kohlenwasserstoffe – allerdings nicht in problematisch hohen Konzentrationen. Insgesamt waren neun der 27 getesteten Öle bei den Schadstoffen „gut“, das teure Farchioni sogar nahezu schadstofffrei.

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