Wissenschaftsministerin Theresia Bauer bei ihrem Besuch 2017 in Paternoster (Südafrika), hier mit dem Stuttgarter Christian Neuber (vorne rechts) neben dem Modell für das geplante Gästehaus. Foto: Stiftung, C. Neuber

Christian Neuber verkaufte 50 Kinderzeitschriftentitel. Vor zwei Jahren versilberte er seinen Anteil an dem Verlag und ist seitdem als Stifter in Südafrika aktiv. Er bringt damit auch deutsche Studierende nach vorn.

Stuttgart - Entwicklungshilfe setzt für Christian Neuber bei Kindern an. Der ehemalige Verleger investierte eine Million Euro in seine Stiftung und fördert nun die Bildung in einem 2000-Seelen-Dorf in Südafrika.

Herr Neuber, warum engagieren Sie sich für Kinder?
Christian Neuber: Weil ich jenen etwas davon zurückgeben will, die maßgeblich zum Erfolg meines Verlags beigetragen haben.
Und warum in Südafrika?
Ein Freund rief mich eines Tages an und bat um Hilfe. Er ist Geschäftsführer eines Fischereibetriebs in Paternoster, nordöstlich von Kapstadt. Früher haben die Leute dort vom Lobster-Fang gelebt, doch weil sie das Meer überfischt haben, ist nun ihre Existenzgrundlage und die ihrer Kinder zerstört. In dem Dorf mit 2000 Einwohnern besuchte nur etwa die Hälfte die Schule, und 75 Prozent der 14-jährigen verließen sie als Analphabeten.
Was haben Sie gemacht?
Wir haben 2016 zunächst Volunteers in die Schule geschickt, später auch zur Betreuung. Die Kinder sind sich am Nachmittag selbst überlassen, denn sie stammen zu einem großen Teil aus Familien, die sich nicht um sie kümmern. Viele Männer haben sich in den Alkohol geflüchtet, die Frauen und Kinder sind auf sich gestellt.
Die Freiwilligen sind Studentinnen und Studenten. Braucht es diesen Sachverstand an so einer kleinen Schule?
Wenn drei Viertel der Schüler im Unterricht überfordert sind, entsteht eine sehr große Unruhe. Um Disziplin in eine Klasse zu bekommen, braucht man Methoden. Die Volunteers stammen seit Beginn des Projekts von der Pädagogischen Hochschule Weingarten, inzwischen kooperieren wir mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und die südafrikanische Universität Stellenbosch schickt in diesem Jahr zum ersten Mal Studierende zu uns. Mehr als 20 sind es insgesamt in diesem Jahr.
Was haben die Studierenden davon?
Sie reisen auf unsere Kosten dort hin und können wissenschaftliche Studien machen, die von den Hochschulen für den Bachelor anerkannt werden, oder sie bekommen den Praxiseinsatz angerechnet. Außerdem können sie ihre Erfahrungen an unseren multikulturellen Schulen ganz gut gebrauchen. Es ist übrigens toll zu sehen, dass Studentinnen als junge Mädchen hingegangen sind und als gestandene Frauen zurückkamen.
Welche Fortschritte machen die Kinder?
Beim Reading-Comprehension-Test, dem Leseverständnistest nach dem ersten Jahr, in dem wir dort aktiv waren, gab es nur marginale Fortschritte, aber das war nicht anders zu erwarten. Es gibt viel aufzuholen, für Schüler und Lehrer. Wir kümmern uns vor allem um die Jüngsten, deshalb wird sich das Ergebnis im Lauf der Zeit verbessern.
Sind die heute 14-Jährigen also verloren?
Unser Stiftungsbeirat hat vorige Woche getagt. Man war sich einig, dass wir uns auch um diese Kinder kümmern sollten.
Mit welchem Konzept?
Der Staat bezahlt fünf Lehrer, gebraucht werden aber sieben. Nun haben wir erwirkt, dass ein Hotelier einen weiteren Lehrer bezahlt. Und wir wollen junge Leute aus dem Dorf auf Tätigkeiten im Tourismus vorbereiten.
Ihre Stiftung wirft also trotz Niedrigzinsphase genug ab für weitere Expansionen?
Ich habe eine Million Euro Gründungskapital eingebracht, momentan liegt unsere Rentabilität bei 8,5 Prozent. Doch ohne Spenden in Höhe von 200 000 Euro jährlich können wir nicht weitermachen. Nach Paternoster fließen jährlich 300 000 Euro, und wir bauen gerade ein Gästehaus für die Studierenden.
Wissenschaftsministerin Theresia Bauer ist auf Sie aufmerksam geworden und hat Paternoster im Oktober besucht. War der Besuch wichtig für Ihre Stiftung?
Über Frau Bauer und ihre Delegation von 21 Hochschulrektoren kam die Verbindung zur PH Heidelberg zustande, und so haben wir auch Kontakt zum KIT Karlsruhe, der Forschuntsuniversität für Technologie, bekommen. Die Karlsuher könnten helfen, die Wasserversorgung zu verbessern, zum Beispiel durch eine Meerwasserentsalzungsanlage.
Reisen Sie nächste Woche deshalb nach Paternoster?
Ich reise bis zu fünf Mal pro Jahr als Privatmann nach Südafrika. Wegen der Liebe zu dem Land und weil ich dort Freunde habe. Aber ja, für weitere Projekte brauchen wir auch weitere Spenden. In Südafrika leben sehr reiche Leute, Unternehmer zum Beispiel. An die müssen wir uns wenden.
Sind Sie optimistisch, was das Schicksal der Kinder in Paternoster angeht?
Wir trauen uns zu, dass wir was bewirken in dieser kleinen Nussschale.

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