Zimmermann, Besenwirt und Kabel-Attentäter Hermann „Mendl“ Medinger Foto: Honzera

Hermann „Mendl“ Medinger aus Kernen-Stetten war einer der vier Saboteure, die 1933 mit einem Kabelhieb Hitler in Stuttgart das Wort abgeschnitten haben. Die Fahndung verlief damals zunächst erfolglos.

In Stuttgart wurde vor einigen Tagen mit einem Rundgang an den 90. Jahrestag des Kabelattentats beim Hitlerbesuch in Stuttgart Mitte Februar 1933 erinnert. Den Widerständlern, die damals Hitler beim Auftritt in Stuttgart buchstäblich den Saft abdrehten, möge man doch ein Denkmal setzen, lautete eine Forderung.

Am Naturfreundehaus steht die „Mendl-Platane“

Im Remstal steht längst ein Denkmal, das an den Anteil erinnert, den der Stettener Zimmermann, Wengerter und Besenwirt Hermann Medinger an dem Geschehen in Stuttgart hatte. Dort steht am Parkplatz des Naturfreundehauses Strümpfelbach die Mendl-Platane samt Gedenkstein und Plakette für Hermann „Mendl“ Medinger. Stein samt Plakette seien just dieser Tage erneuert worden, berichtet Wolf Dieter Forster.

Bei den Naturfreunden existierten zudem Tonkassetten vom 1. Mai 1977 und vom 15. Februar 1993, dem 60-Jahr-Jubiläum des Kabelattentats. Damals habe Alfred Däuble zunächst inkognito mit im Publikum gesessen, sich gegen Ende aber geoutet.

Alfred Däuble aus Münster war ein weiterer der vier Saboteure, denen es vor 90 Jahren gelungen ist, zu verhindern, dass Hitlers Rede im Radio übertragen wurde. Das Kabel befand sich auf vier Metern Höhe an einer Hofeinfahrt der Werderstraße, wie Däuble berichtete. Während zwei aus der Gruppe die Wächter ablenkten, sei er auf die Schultern seines Freundes Hermann Medinger gestiegen, mit einem Beil in der Hand. „Und dann habe ich drei Schläge gebraucht.“

Vergleichsweise milde Strafen

Die Fahndung nach den jungen Antifaschisten Wilhelm Bräuninger, Alfred Däuble, Hermann Medinger und Eduard Weinzierl verlief zunächst erfolglos. Erst durch Denunziation erfuhr die Kriminalpolizei, wer hinter dem Kabelangriff steckte. Die vier wurden ein Jahr später verhaftet und kamen mit überraschend milden Strafen zwischen 21 Monaten und zwei Jahren davon. Der Staatsanwalt hatte Bestrafung wegen Hochverrats gefordert, das Gericht argumentierte, dass die KPD zur Tatzeit noch nicht verboten war.