Wegen der parkenden Autos wird es oft eng in der Langen Straße. Foto: Sascha Sauer

Der Gemeinderat Kernen möchte sechs Parkplätze in der Langen Straße streichen, um den Verkehrsfluss zu verbessern. In der schmalen Ortsdurchfahrt kommt es durch parkende Autos immer wieder zu Staus.

Stetten - Stetten schreckt ab. Der Teilort Kernen hat seine Ortsdurchfahrt durch parkende Autos teilweise verrammelt. Stop-and-Go-Verkehr herrscht zu verkehrsreichen Tageszeiten in der auf Teilstrecken schmalen Ortsdurchfahrt. Nur schrittchenweise von Ausweichstelle zu Ausweichstelle kommen die Autos in Richtung Ortsmitte voran, weil wegen des erlaubten Parkens am Straßenrand in der Langen Straße nur eine Fahrbahn für zwei Richtungen übrig bleibt. Und durch das unbequeme Nadelöhr soll sich in zwei Jahren noch ein Expressbus zwängen. Es droht, dass der in Stetten zum Schneckenbus wird.

 

Sechs Parkplätze werden verboten

Offenbar ist jetzt auch einer staugeplagten Gemeinderatsmehrheit der Geduldsfaden gerissen. Nach kontroverser Diskussion in der jüngsten Sitzung haben sich die Bürgervertreter bei acht Gegenstimmen durchgerungen, sechs der 16 öffentlichen Parkplätze am Straßenrand wieder zu verbieten. Sie liegen vor den Gebäuden 53, 33, 21 und 19, wobei die Hausnummer 33 bisher gleich von drei voraussichtlich wegfallenden Stellplätzen flankiert war. Anhand von Vorschlägen aus dem Gemeinderat will die Gemeindeverwaltung die Lage der wegfallenden Parkstreifen, nicht aber deren Zahl nochmals prüfen.

Der Schritt verwundert diejenigen Autofahrer nicht, die sich schon mal wie vorgeschrieben mit Tempo 30 in Richtung Esslingen bewegt und erlebt haben, wie urplötzlich der Gegenverkehr glaubt, eine Lücke erspäht zu haben, vor dem eigenen Auto auftaucht und wenige Zentimeter vor der eigenen Stoßstange gerade noch rechtzeitig wieder eine Ausweichfläche in eigener Fahrtrichtung findet. Es zeigt sich: Besonders gut einsehbar ist die leicht gebogene Straße für die in der freien Fahrt gehemmten Autofahrer nicht. Als geduldig zeigen sich viele Menschen am Steuer auch nicht.

Zu wenig Abstand zwischen den Parkflächen

Jetzt geht es also weitere sechs Schritte zurück in Richtung zum früher barrierefreien Autofahren in dieser regional bedeutsamen Landesstraße, nachdem die Gemeindeverwaltung gemäß eigenen Angaben schon am Ende der Arbeiten an der Wasserleitung im Jahr 2013 zwei Parkplätze kassiert hat. Bei den Beamten ist erneut die Erkenntnis gereift, dass „an einigen Stellen der Abstand zwischen den einzelnen Parkflächen zu eng ist, um ein problemloses Einscheren zu ermöglichen“, wie Ordnungsamtsleiterin Marianne Rapp in einer Vorlage an den Gemeinderat formuliert. Die Verkehrsbehörde beim Landratsamt und die Polizei hatten empfohlen, einen Mittelweg zu gehen, der die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.

Allerdings kämpfen sich widerstrebende Interessen um die Lange Straße. Schon der Verlust von zwei Stellplätzen hat bei Anwohnern und Ladenbesitzern zu Verärgerung geführt, berichtet Marianne Rapp. Letztere benötigen Stellflächen für Kunden möglichst direkt vor der Ladentüre. Denn bekanntlich geht die Spezies Autofahrer üblicherweise nicht gerne Strecken zu Fuß, es sei denn, der Steuermann geht im Sommerurlaub wandern. „Zeitdruck“ werden viele für den Wunsch nach kurzen Wegen vom Auto zur Ladentheke angeben.

Tempo 30 wird als Problem dargestellt

Von der Gruppe der Anwohner erwartet die Gemeindeverwaltung nun, dass sie ihr Heilix Blechle notgedrungen in einer Nebenstraße abstellt, wo wiederum dortige Anwohner weiter verdrängt werden. „Parkdruck“ nennt sich dieses Malheur im prägnanten Verwaltungsdeutsch. Er ist nur schwer zu entspannen. Anwohner und Ladenbesitzer, die unter „Parkdruck“ leiden, finden im Gemeinderat durchaus Verständnis. Der CDU-Gemeinderat Volker Borck erklärt, dass er um jeden Parkplatz im Ort kämpfe. Dass es in Stetten an einem ordentlichen Verkehrsfluss fehlt, erklärte er nicht durch die geparkten Hindernisse, sondern durch die geringe Fahrgeschwindigkeit in Folge der Beschränkung auf Tempo 30: „So segensreich dies sein soll – die Kehrseite ist, dass der Ort voll ist.“ Die waghalsige Mathematik dahinter rechnet er folgendermaßen vor: „Bei Tempo 50 braucht man drei Minuten durch Stetten. Bei Tempo 30 fünf Minuten. Es fahren also fast doppelt so viele Autos im Ort.“ Zum Vorkämpfer für die Parkplätze am Ort erklärte sich ausdrücklich auch Martin Weiß (UFW).

Borcks Fraktionschef Andreas Wersch zieht übrigens ganz andere Schlüsse über den Druck, dem die Autofahrer ausgesetzt sind. Die Parkplätze zwingen die Autofahrer laut seiner Analyse, während des Ausscherens auf die Gegenfahrbahn zum Druck aufs Gaspedal Richtung Tempo 50, um die nächste Ausweichstelle rechtzeitig zu erreichen. Daher müsse die Geschwindigkeit in der Ortsdurchfahrt mehr und konsequent überwacht werden. Bürgermeister Stefan Altenberger entgegnet, dass meist angepasste Geschwindigkeiten zwischen 30 und 40 Kilometer pro Stunde gemessen worden seien. Fraktionskollege Benjamin Treiber sieht im Verzicht auf sechs Parkplätze einen guten Kompromiss, den er sich so ähnlich auch für die Schafstraße in Rommelshausen vorstellen könnte.