Sternenhimmel im März In der Monatsmitte gibt sich Merkur die Ehre

Von Hans-Ulrich Keller 

Die dunkle Wolke, die sich durch das Bild schlängelt, ist die Sternenentstehungsregion Lupus 3. Dort bilden sich aus Gas- und Staubmassen hell leuchtende, heiße Sterne. Foto: ESO
Die dunkle Wolke, die sich durch das Bild schlängelt, ist die Sternenentstehungsregion Lupus 3. Dort bilden sich aus Gas- und Staubmassen hell leuchtende, heiße Sterne. Foto: ESO

Die helle Venus kann am Westhimmel helfen, den schwer zu beobachtenden Merkur zu erspähen.

Stuttgart - Bereits in der Abenddämmerung leuchtet Venus als heller Lichtpunkt tief am Westhimmel auf. Unser innerer Nachbarplanet setzt sich allmählich als Abendstern durch. Anfang März geht Venus kurz nach 19 Uhr unter, zu Monatsende sinkt sie wenige Minuten nach halb zehn Uhr Sommerzeit unter den Horizont. Am 18. sieht man neben Venus die extrem dünne Sichel des zunehmenden Mondes.

Der stets schwierig zu beobachtende Merkur bietet um die Monatsmitte die einzig günstige Abendsichtbarkeit des gesamten Jahres. Vom 8. bis 17. ist der flinke Planet relativ leicht zu erspähen. Wer noch nie Merkur am Himmel gesehen hat, dem bietet sich jetzt die beste Chance, ihn zu beobachten. Er ist in der fortgeschrittenen Abenddämmerung knapp über dem Westhorizont auszumachen. Venus, die wesentlich heller leuchtet, kann helfen, Merkur zu erkennen. Er hält sich ein wenig nördlich von Venus auf. Gegen 18.30 Uhr wird Merkur in der Dämmerung sichtbar. Eine dreiviertel Stunde später geht er unter. Bis 17. verspäten sich die Merkuruntergänge auf kurz nach 20 Uhr. Nach dem 17. zieht sich der kleinste der acht Planeten unseres Sonnensystems schnell vom Abendhimmel zurück und wird unsichtbar. Anfang April überholt Merkur die Erde auf der Innenbahn. Er hält sich dabei mit der Sonne am Taghimmel auf.

Gewaltige Temperaturunterschiede

Nur drei Monate benötigt Merkur, um einmal um die Sonne zu laufen. Er besitzt keine Atmosphäre, die seine pockenartige, kraterbedeckte Gesteinsoberfläche schützen könnte. Im Sonnenlicht heizt sich seine Oberfläche auf über 400 Grads Celsius auf. Blei würde auf Merkur schmelzen wie bei uns Butter in der Sonne. In der 88 Tage dauernden Merkurnacht sinkt die Temperatur dann auf minus 180 Grad ab. Ein Sonnentag – von Sonnenaufgang bis zum nächsten – dauert 176 irdische Tage. Damit ist ein Merkurtag doppelt so lange wie ein Merkurjahr.

Jupiter im Sternbild Waage beherrscht als hellster Planet die zweite Nachthälfte. Anfang März geht der Riesenplanet eine halbe Stunde nach Mitternacht auf, zu Monatsende schon eine halbe Stunde vor Mitternacht. Wenn Jupiter im Südosten auftaucht, dominiert er mit seinem Glanz den Nachthimmel. Venus ist dann schon untergegangen. Saturn wird am Morgen immer besser sichtbar. Er wandert gemächlich durch das Sternbild Schütze. Kurz nach vier Uhr morgens erscheint er auf der südöstlichen Himmelsbühne. Ende März geht er schon zwei Stunden früher auf.

Mars strahlt heller als Saturn

Mars wird neben Jupiter und Saturn zu einem auffälligen Gestirn am Morgenhimmel. Der Rote Planet steigert seine Helligkeit und übertrifft damit Ende März noch Saturn. Nur noch Jupiter leuchtet heller als Mars. Am 11. wechselt Mars aus dem Schlangenträger in das Sternbild Schütze. Die Marsaufgänge verfrühen sich von drei Uhr morgens Anfang März im Laufe des Monats um eineinhalb Stunden. Mars verfolgt den langsamen Saturn und holt ihn am Ostermontag ein. Beide Gestirne stehen dann Anfang April nahe beieinander.

Der abnehmende Mond besucht die morgendliche Planetenparade: Am 7. sieht man ihn ein wenig nördlich von Jupiter stehen. Am 10. passiert er als abnehmender Halbmond Mars und einen Tag später zieht er an Saturn vorbei. Die beste Beobachtungszeit, die Planetenvisite des Mondes zu verfolgen, ist gegen fünf Uhr morgens. Während der vergangene Februar ohne Vollmond blieb, zeigt er sich im März wieder zweimal voll beleuchtet. In der Nacht vom 1. auf 2. steht der Vollmond im Sternbild Löwe. Die exakte Vollmondphase wird um 1.51 Uhr erreicht. Am 31. steht der Erdtrabant um 14.37 Uhr abermals in Vollmondposition. Am Abend sieht man den Ostervollmond im Sternbild der Jungfrau. Neumond tritt am 17. um 14.12 Uhr ein.

Der Mond bedeckt den Hauptstern des Stieres

Mit 404 680 Kilometern Distanz hält sich der Mond am 11. in Erdferne auf, während er sich am 26. abends mit 369 110 Kilometern in Erdnähe befindet. In der Nacht vom 22. auf 23. wendet der zunehmende Mond vor dem Regengestirn, bekannt als Sternhaufen der Hyaden, vorbei. Eine halbe Stunde nach Mitternacht bedeckt er den hellen, orangen Aldebaran, Hauptstern des Stieres. Der Beginn der Bedeckung ist nur vom Nordwesten Deutschlands aus beobachtbar. In Stuttgart ist der Mond dann gerade untergegangen. In Hamburg ist das Ereignis jedoch kurz vor seinem Untergang zu verfolgen. Die Aldebaranbedeckung beginnt dort um 0.29 Uhr, der Monduntergang erfolgt in Hamburg am 23. um 0.37 Uhr. Auch wenn man die Bedeckung selbst nicht zu sehen bekommt, ist es doch reizvoll, in der ersten Nachthälfte zu beobachten, wie sich der Mond an den hellen Aldebaran heranpirscht.

Noch ziehen die hellen und auffälligen Wintersternbilder die Blicke auf sich. Sie sind aber allesamt schon weit in die westliche Himmelshälfte gerückt. Im Südwesten funkelt der bläuliche Sirius im Großen Hund. Ein wenig höher stößt man auf Prokyon, den hellsten Stern im Kleinen Hund. Im Westen strebt der Stier seinem Untergang entgegen. Sein Hauptstern Aldebaran steht schon recht tief und erscheint somit rötlich statt orange. In größerer Höhe erblickt man die beiden Sternenketten der Zwillinge mit Kastor und Pollux als hellste Sterne am Beginn der Ketten. Hoch im Nordwesten strahlt die Kapella im Fuhrmann. Die Kassiopeia, das Himmels-W, ist zum Nordwesthorizont hinabgesunken, während hoch im Nordwesten, fast schon im Zenit, der Große Wagen hilft, den Polarstern zu finden.

Am 20. beginnt der astronomische Frühling

Die Sonne tritt am 12. nachmittags in das Sternbild Fische. Am 20. exakt um 17.15 Uhr überquert sie den Himmelsäquator und wechselt auf die Nordhalbkugel des Firmaments. Damit beginnt der astronomische Frühling, die Tagundnachtgleiche setzt ein. Der Frühlingspunkt, Schnittpunkt der aufsteigenden Sonnenbahn mit dem Himmelsäquator, wird auch Widderpunkt genannt. In unserer Zeit liegt er im Sternbild der Fische. Infolge der Kreiselbewegung der Erdachse wechselt er im Jahre 2610 in das Sternbild Wassermann. Dann beginnt das Zeitalter des Wassermanns. Am Sonntag, 25. März, sind die Uhren um zwei Uhr morgens um eine Stunde vorzustellen – die Sommerzeit beginnt.

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