Frank Hahn, der Anwalt des Inhabers des Hotels TraubeTonbach in Baiersbronn, beantwortet im Pforzheimer Arbeitsgericht nach der Verhandlung Fragen von Journalisten. Weder Heiner Finkbeiner noch Harald Wohlfahrt waren zu dem Prozess gekommen. Foto:dpa Foto:  

Sternekoch Harald Wohlfahrt hat sich mit Hotelier Heiner Finkbeiner vor dem Pforzheimer Arbeitsgericht gütlich geeinigt. Doch die einstigen Partner sind zerstritten. Die Karriere eine Stars in der Haute Cuisine nimmt ein trauriges Ende.

Pforzheim -

Es hätte eine makellose kulinarische Erfolgsgeschichte werden können – voller Rekorde, einzigartig in der Branche und mit einem guten Ende. Ein Spitzenkoch und ein Hotelier, beide aus dem Murgtal im nördlichen Schwarzwald stammend, haben sich über Jahrzehnte der Haute Cuisine verschrieben. Der eine, Harald Wohlfahrt, stand in der Küche und erkochte verlässlich Michelin-Sterne. Der andere, Heiner Finkbeiner, leitete die Geschicke des Hotels, dessen Gourmet-Restaurant Schwarzwaldstube in Baiersbronn-Tonbach zum Pilgerort für Feinschmecker aus der ganzen Welt wurde. Zwei Männer, ein Ziel und Profit für beide – das ging lange Zeit gut.

Doch vor kurzem ist ein Streit unter den Partnern ausgebrochen, der nun traurig endete: Der Koch wird wohl nie wieder mit dem Kochlöffel in der Küche des Restaurants zaubern. Die Beiden haben sich am Dienstag vor Gericht zwar gütlich geeinigt, aber Harmonie und Frieden herrschen nicht zwischen den ihnen.

„Ende gut, alles gut“, sagte Wohlfahrt dennoch nach dem Prozess am Telefon der Deutschen Presse-Agentur. „Ich bin sehr glücklich und dankbar für diese Entwicklung.“ Details zu den Abmachungen wollte er nicht mitteilen, man habe Stillschweigen vereinbart. Das Angebot des Hotels an ihn, als „Kulinarischer Direktor“ zu wirken, bestehe weiter.

Harald Wohlfahrt, Deutschlands dienstältester Drei-Sterne-Koch und seit 41 Jahren am Herd des Restaurants Schwarzwaldstube, war gegen seinen Arbeitgeber, das Hotel Traube Tonbach, vor das Pforzheimer Arbeitsgericht gezogen. Zur Verhandlung kam aber keiner der beiden Kontrahenten.

Der 61-jährige Wohlfarth hatte sich zerstritten mit Heiner Finkbeiner, dem Inhaber des Schwarzwaldhotels in Baiersbronn (Kreis Freudenstadt). Er wollte als Küchenchef weiterbeschäftigt werden und drang auf eine einstweilige Verfügung. Dabei war sein Abschied vom Herd von langer Hand geplant gewesen. Längst hatte er seinen selbst gewählten Sous-Chef Torsten Michel in Stellung gebracht, gemeinsam führten sie die Küche. Der Rückzug des Älteren sollte geschmeidig vollzogen werden – oder wie es der Hotelier Finkbeiner formulierte: ein Generationswechsel „in leisen Tönen“. Für Wohlfahrt war der Posten des „Kulinarischen Direktors“ vorgesehen, einer der sich Sonderprojekten widmet und die Mühen des Tagesgeschäfts anderen überlässt. Eine Aufgabe, die ihm Anfang Juli in einem Schreiben Finkbeiners zugewiesen worden war.

Harald Wohlfahrt sollte sich Sonderprojekten widmen

Aus dem leisen Rückzug wurde ein lauter Streit. Es knallte und krachte gehörig in der idyllischen Schwarzwaldstube. Letztlich kamen nur noch die Anwälte zu Wort. Wohlfahrt hatte Küchenverbot, er durfte jene Räume, in denen er sich zum Allzeitstar der Branche hochgekocht hatte, nicht mehr betreten. Ein Schritt, den er nur als Demütigung verstehen konnte.

Seine Anwältin Leonie Frank, Partnerin der Kanzlei Schickhardt in Ludwigsburg, spricht von „Gutsherrenart der Betreiberfamilie“ und davon, dass die Modalitäten der Übergabe im Vorfeld nicht detailliert genug geklärt worden seien. Wohlfahrt habe immer eine faire Lösung angestrebt. Schließlich gehe es um sein Lebenswerk.

Andererseits sagt der Anwalt des Hotelchefs, Frank Hahn von der Stuttgarter Kanzlei Kasper Knacke, dass es im Vorfeld des Rückzugs mindestens sieben Gespräche zur Übergabe gegeben habe. „Es war alles eingetütet“, bekräftigt Hahn am Rande des Verfahrens in Pforzheim. Wohlfahrt sollte Markenbotschafter werden und repräsentative Aufgaben übernehmen. Leider habe es nichts Schriftliches gegeben. Ein Fehler im Nachhinein. So ein Zwist sei etwas nur allzu Menschliches, aber äußerst schade, sagt Hahn. Denn Wohlfahrt und Finkbeiner hätten jahrzehntelang vertrauensvoll zusammengearbeitet.

Die gütliche Einigung haben aufgrund des Zerwürfnisses nicht die Kontrahenten ausgehandelt. Stattdessen einigten sich die Rechtsanwälte der beiden Parteien. Für Hahn ist klar: „Herr Wohlfahrt wird nicht mehr in der Traube Tonbach tätig sein.“ Das Arbeitsverhältnis sei beendet, der Küchenchef sei von sofort an freigestellt. Immerhin ist das Küchenzutrittsverbot für Wohlfahrt aufgehoben worden, wie eine Hotelsprecherin bestätigte.

Warum die Situation zwischen den einstigen Partnern eskaliert war, ist weiterhin unklar. Spekuliert wird viel. Es geht schließlich um das kulinarische Erbe eines der größten Köche aller Zeiten. Ein Erbe, das nicht genügend gewürdigt werde, heißt es. Denn Wohlfahrts neuer Posten sei alles andere als eine Beförderung gewesen, eher eine Abschiebung in die Speisekammer.

„Er ist und bleibt unser Mitarbeiter – sein Name wird für immer hochgehalten“, sagte Heiner Finkbeiner, der Patron der Traube Tonbach, vor nicht allzu langer Zeit über seinen Küchenchef. Es sind Sätze aus besseren Zeiten.

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