Eine Gratislimo zur Erfrischung: Stand des Getränkehändlers Morlok Foto: Christoph Kutzer

Das Stuttgarter Lehenviertel glänzte bei der 17. Auflage der „Sterne des Südens“ mit Information, kulinarischen Angeboten und besonderen Aktionen.

S-Süd - Mit roten Luftballons und einer reichhaltigen, vor dem Laden arrangierten Auslage lädt die Schuhmacherei König zur fachkundigen Beratung in Sachen Fußbekleidung ein. Vor dem Lehen steht derweil eine Gruppe Flaneure und amüsiert sich über die soeben entstandenen Schnappschüsse aus der Fotobox, die das Gasthaus am Samstag neben Maultaschen und Schnitzel im Angebot hat. Ob Gebäck beim Logopäden oder Glücksrad beim Tierfutterspezialisten – die 17. Auflage der Sterne des Südens lockt Besucher des Lehenviertels mit vielen Extras zum Bummeln.

Gewinnspiel angeboten

„Wir hatten hier vorhin einen regelrechten Ansturm von Kindern mit Schultüten, Eltern und Großeltern“, berichtet Stefanie Rack von der Musikschule-Süd in der Pelargusstraße. „Offenbar dachten sich viele, die heute die Einschulung gefeiert haben, sie könnten auch gleich mal schauen, welches Instrument sich anbieten würde.“ Zwar gebe es genügend Interessierte, die sich telefonisch um Schnupperstunden kümmerten, erklärt Rack. Die Sterne des Südens brächten aber auch jene ins Haus, die einen unverbindlicheren, offeneren Rahmen bevorzugten. Diesmal gibt es einen zusätzlichen Grund, an jeder der Sterne-Stationen über die Schwelle zu treten: Wer sich auf dem Plan zum Lehen-Event bei allen Teilnehmern einen Stempel besorgt, kann an einem Gewinnspiel teilnehmen. Seufzend folgen zwei Mütter der Kinderschar, die freudig auf den Ausschank vor dem Getränkehändler Morlok zusteuert. Hier wartet neben dem Sterne-Siegel auch noch ein Schluck Gratislimo.

„Die Veranstaltung hat viele Facetten“, sagt der Mitinitiator Jochen Siegel, der sich mit seinem Büro für Kommunikations- und Grafikdesign in der Liststraße niedergelassen hat. „Der Verkauf ist nur ein Aspekt. Vor allem bieten die Sterne des Südens Gelegenheit, das Viertel kennenzulernen – auch für Anwohner, die sich heute einmal abseits ihrer gewohnten Routen bewegen.“ Zudem bezeugt der Tag der offenen Türen das gute Miteinander der fast ausschließlich inhabergeführten Geschäfte und Lokale. Die Augenoptikermeisterin Corinna Becht hat ihren Laden an der Hauptstätter Straße, präsentiert ihre Brillenmodelle am Samstag aber vor dem Textilmekka Cosima Chiton in der Liststraße. Sie kenne die Inhaberin Britta Mohrmann und so habe sich die Idee ergeben, die Augengläser hier mitten im Geschehen auszustellen, statt an der Peripherie des Quartiers, so Becht, die nicht offiziell an den Sternstunden teilnimmt. „Grundsätzlich könnte ich mir das für nächstes Jahr durchaus vorstellen“, überlegt sie. „Vielleicht finden sich ja noch weitere Interessenten aus meiner Ecke? Das Café Kleinigkeit wäre zum Beispiel ein Kandidat.“

Siegel zeigt sich offen für die Beteiligung weiterer Akteure. Die Idee, mit Bühnen und großem Unterhaltungsprogramm aufzuwarten, verwirft er hingegen. „Wenn wir hier ein zweites Heusteigfest veranstalten, dann kommen die Leute nur noch um ein Bier zu trinken und wegen der Musik. Sie sollen aber stöbern und Neues entdecken.“

Dörfliches Ambiente

Wer sich über den Hof an der Liststraße zu Tilmann Bohnes Werkstatt für Gedrechseltes und Holzarbeiten begibt, kann sich allerdings auch an einer musikalische Darbietung erfreuen. Eine Gruppe Kinder hat es sich in einer Fensternische bequem gemacht und intoniert zu Rasseln und Getrommel „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“. Für einen Moment wähnt man sich statt in der Großstadt in dörflichem Ambiente. „Das Lehenviertel ist etwas ganz Besonderes“, schwärmt ein Herr, der schräg gegenüber am Grill der Metzgerei Wallisch ansteht. „Ich würde fast sagen, es ist das schönste in Stuttgart. Und das nicht nur heute.“

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