Die meisten Herrenberger zahlen ihre Parkgebühren bar. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auf weit mehr als das Doppelte könnte das Bewohnerparken in Herrenberg steigen. Der Finanzausschuss stellte dafür jetzt die Weichen.

Die Stadt Herrenberg will das Bewohnerparken ausweiten, dieses Signal sandte der Finanzausschuss in Richtung des Gemeinderates aus, der am kommenden Dienstag beraten wird. Die Expertise dazu brachte Bertram Pfisterer von der Stuttgarter Ingenieur Gesellschaft Verkehr ein. Drei Gebiete auf der Herrenberger Markung wurden untersucht: Das Gebiet Wengertweg/Wilhelmstraße zu Füßen des Schlossbergs, sowie der Bereich um die Berliner Straße im Südwesten und die Schwarzwaldstraße im Nordwesten der Stadt.

 

Mehr als 80 Prozent belegt

Ganz ingenieurmäßig hatte die Ingenieur- Firma das Parkverhalten beobachtet. Um ein Bewohnerparken zu ermöglichen, sollten etwa 80 Prozent der Parkplätze ständig von Fremden belegt sein. Zwischen Wengertweg und der Wilhelmstraße waren das etwa 90 Prozent, bei Berliner Straße und der Schwarzwaldstraße nur etwa 50 Prozent. Doch auch hier könnte rechtlich ein Bewohnerparken eingeführt werden, führte Bertram Pfisterer aus: In der Berliner Straße wegen der Konkurrenz zum Schulzentrum und in der Schwarzwaldstraße wegen des steigenden Parkdrucks, den die Ingenieure dort erwarten.

Vielleicht kommt auch die gute alte Parkscheibe in Herrenberg zum Zug. Foto: Jacqueline Fritsch

Zur Zeit bezahlen die Herrenberger 144 Euro für ihren Stellplatz und liegen damit im Mittelfeld in Baden-Württemberg. Die Ingenieur Gesellschaft empfahl, diese Gebühren kräftig zu erhöhen. In einer ersten Stufe auf 180 Euro pro Jahr, in der zweiten Stufe auf 220 Euro, in der dritten auf 250 Euro, in der vierten Stufe auf 300 Euro pro Jahr, schließlich solle das Bewohnerparken auf 365 Euro im Jahr klettern. Ein Euro am Tag für das Parken sei hier nicht zu viel verlangt, sagte Bertram Pfisterer.

Breite Mehrheit dafür

Im Ausschuss zeichnete sich eine breite Mehrheit für die neuen Parkzonen ab. Diskutiert wurde auch die Parkdauer für Fremdparker. Sollte sie zwei Stunden stehen bleiben dürfen? Oder drei? Das regte Gabriele Hüttenberger (CDU) an. Auch ging es um die Parkautomaten, die in einem eher mittelprächtigen Kosten-Nutzen-Verhältnis stünden, wie es der erste Bürgermeister Stefan Metzing vorsichtig ausdrückte. Dabei sei das Teure nicht die Anschaffung von 7000 bis 8000 Euro und auch nicht die Wartung, wie man meinen könnte, sondern der ständige Wechsel der Geldkassetten, der von einer Spezialfirma mit je zwei Mann erfolgen müsse, wegen des Vier-Augen-Prinzips zur Vermeidung von Veruntreuung.

Erstaunlich war, dass noch immer mehr als 80 Prozent der Bürger Bargeld in die Automaten steckten, nur etwa zehn Prozent benutzten die EC-Karte und nur etwa fünf Prozent die Park-App. Infolgedessen kam die Idee auf, nicht mehr jeden Parkautomaten mit einem Münzfach auszustatten, sondern im Wechsel Geräte aufzustellen, die ausschließlich bargeldlos funktionierten. Auch die Idee, die gute alte Parkscheibe einzuführen, wurde diskutiert. Beklagt wurde von den Gemeinderäten auch, dass in den genannten Gebieten nicht nur Personenwagen die Parkplätze besetzten, sondern auch Wohnmobile oder Anhänger. Letztere seien oft vollgemüllt, während die Wohnmobile die Straßen unnötig verengten.