In Entwicklung und Verwaltung des Werks Feuerbach will Bosch Stellen abbauen. Foto: imago images/Arnulf Hettrich/Arnulf Hettrich via www.imago-images.de

1500 Arbeitsplätze will Bosch an den Standorten Feuerbach und Schwieberdingen streichen. Das hat auch mit politischen Weichenstellungen zu tun.

Der Stuttgarter Autozulieferer will 1500 Arbeitsplätze in Feuerbach und Schwieberdingen streichen. Trotz des gravierenden Mangels an technisch ausgebildeten Fachkräften soll der Entwicklungsbereich zu den Schwerpunkten des Stellenabbaus gehören.

 

Das riesige Werk in Feuerbach ist derzeit stark vom Diesel abhängig, auch wenn Konzernchef Stefan Hartung dort die Arbeit an der Brennstoffzelle ansiedeln will, die vor allem unter anderem für den Nutzfahrzeugbereich als wichtige Zukunftstechnologie gilt. Doch diese Technologie bleibt ebenso wie die batterieelektrische Technologie bisher weit hinter den Erwartungen zurück.

Euro 7 ist kein Jobmotor

Der Abbau hat aber auch mit politischen Weichenstellungen zu tun: Durch das absehbare Ende des Verbrennungsmotors in der EU im Jahr 2035 läuft die Weiterentwicklung dieser Technologie nur noch auf Sparflamme. Bosch hatte bis vor kurzem noch auf einen Schub durch die Verschärfung der EU-Abgasnorm Euro 7 gehofft, die dem Unternehmen neue Entwicklungsaufträge seitens der Autohersteller hätte einbringen können. Da diese Verschärfung auf EU-Ebene aber auf den letzten Metern noch abgebogen wurde, kann Bosch hier weitgehend auf bestehende Technologien zurückgreifen.

Somit sinkt der Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren im Bereich der Verbrennungstechnologie deutlich, während zugleich der Hochlauf neuer Technologien stockt. Überdies sucht Bosch für die Elektrifizierung der Antriebe, aber auch für die Digitalisierung der Fahrzeuge und der Produktion vor allem Ingenieurinnen und Ingenieure mit ausgeprägter Softwarekompetenz, die sich offenbar nicht in ausreichender Zahl aus den heutigen Verbrenner-Beschäftigten rekrutieren lassen.

„Derzeit stehen wir im engen Austausch mit den Arbeitnehmervertretern und bitten um Verständnis, dass wir den Gesprächen nicht vorgreifen können“, erklärte Bosch unserer Zeitung. Die Betriebsräte würden „vor Entscheidungen strukturiert einbezogen und können Handlungsalternativen einbringen“. Der Übergang zur Elektromobilität erfordere hohe Vorleistungen und gehe mit einem sinkenden Beschäftigungsbedarf einher. Eine schwache Weltwirtschaft, die anhaltende Inflation, entstanden unter anderem durch gestiegene Kosten bei Energie und Rohstoffen, sowie negative Wechselkurseffekte verschärften die Situation. „Wir haben mit deutlich größeren Herausforderungen zu kämpfen, als noch zu Jahresbeginn erwartet.“

Jobsicherung verhindert keinen Abbau

Der geplante Stellenabbau wird auch durch die vereinbarte Jobsicherung für 80 000 Beschäftigte an den deutschen Standorten der Kfz-Sparte Mobility Solutions nicht verhindert werden können. Zwar sind dadurch bis Ende 2027 Kündigungen ausgeschlossen – das bedeutet aber nicht, dass ein Stellenabbau nicht möglich ist. Bosch habe eine Vereinbarung abgeschlossen, die bis 2027 betriebliche Kündigungen ausschließt und somit „nicht eine bestimmte Anzahl von Arbeitsplätzen in Unternehmen festschreibt, sondern den Einzelnen vor einer Entlassung aus betrieblichen Gründen schützt“, sagte Bosch-Personalgeschäftsführer, Stefan Grosch im Oktober unserer Zeitung. Man werde „alles dafür tun, um erforderliche Personalanpassungen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“. Überdies gebe es mit Elektromobilität, Brennstoffzelle und anderen Wasserstoffthemen sowie datenbasierten Dienstleistungen neue Beschäftigungsfelder. Diese reichen bisher aber offensichtlich nicht aus, um den Personalabbau zu verhindern.

Bosch erklärte zum aktuellen Stellenabbau, man stehe „selbstverständlich zum Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen“. Das gebe den Beschäftigten „Planbarkeit und die Sicherheit, dass mögliche Anpassungen so sozialverträglich umgesetzt werden“. Zum Abbau von Stellen in Feuerbach und Schwieberdingen wolle man auf die „interne Vermittlung von Mitarbeitern in andere Bereiche, auf das Angebot von Qualifizierungsprogrammen für Wachstumsbereiche, aber auch Vorruhestandsregelungen oder freiwillige Aufhebungsvereinbarungen setzen“.