Paternoster fahren: Das können Beschäftigte im Stuttgarter Rathaus. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Mehr als 500 Stellen bei der Stadt Stuttgart könnten wegfallen. Beschäftigte haben nun Angst vor Versetzungen und Überlastung. Und was passiert mit befristeten Kollegen?

Als er las, dass in der Stuttgarter Stadtverwaltung bis Ende 2028 bis zu 500 Stellen wegfallen könnten, suchte der städtische Mitarbeiter erst einmal seinen Arbeitsvertrag heraus und las nach. Der Mann, der seinen echten Namen für sich behalten will, ist im Referat für Allgemeine Verwaltung, Kultur und Recht angestellt – also jenem Referat, dem der Erste Bürgermeister Fabian Mayer (CDU) vorsteht. Und dieser hatte kürzlich sogar verkündet, dass aufgrund der massiven Verschuldung und des Sparzwangs bei der Stadt die 500 Stellen nur der Anfang sein könnten.

 

„Ich habe dann recherchiert, unter welchen Bedingungen man betriebsbedingt gekündigt werden darf“, sagt der Mitarbeiter. Inzwischen ist zwar klar, dass keine Kündigungen ausgesprochen werden sollen. In den kommenden Jahren gehen etliche Personen aus der Babyboomer-Generation in den Ruhestand. „Das könnte das Ganze abfedern“, hofft er. Zudem hätten einige Kollegen befristete Stellen, diese seien zurzeit eher pessimistisch, was eine Verlängerung angehe. Er selbst hatte über Jahre hinweg befristete Verträge, „ich bin so froh, dass nicht damals Stellen gestrichen wurden“.

Weil es bei den großen Firmen in Stuttgart nicht mehr so gut läuft wie früher, fehlt auch der Stadt das Geld. Foto: picture alliance/dpa

Aufgrund des massiven Einbruchs der Gewerbesteuer muss die Stadt Stuttgart enorm viel Geld sparen. Etliche Förderungen für Institutionen und Privatpersonen fallen weg – aber das reicht nicht, um das Finanzloch zu stopfen. Darum soll nun eben auch bei den Beschäftigten gespart werden. Seit einigen Monaten ist klar, dass die sogenannte Stuttgart-Zulage, also das Zusatzgeld zum normalen Tarifgehalt für alle städtischen Mitarbeiter, von 150 Euro auf 70 Euro reduziert wird. Beim Jobticket wird nur noch die Hälfte bezahlt.

Grundsätzlich seien Versetzungen möglich, heißt es

Und es sollen eben auch komplette Jobs wegfallen. „Könnte es sein, dass wir versetzt werden an Stellen, wo dringend Personal gebraucht wird, etwa in die Ausländerbehörde?“, fragt sich der Mitarbeiter.

Dazu heißt es aus dem Personalreferat der Stadt, dass dies grundsätzlich möglich sei, „wenn es hierfür betriebliche Gründe gibt, zum Beispiel weil Aufgaben wegfallen oder reduziert werden“. Bei Beschäftigten seien dabei jedoch die arbeitsvertraglichen Vereinbarungen im Einzelfall zu beachten, insbesondere, dass die im Vertrag vereinbarte Entgeltgruppe und Tätigkeit zur neuen Aufgabe passten.

Der Gesamtpersonalrat darf mitbestimmen

Darüber hinaus habe die Personalvertretung (also der Gesamtpersonalrat) ein Mitbestimmungsrecht. Und der Stadt sei als Arbeitgeberin daran gelegen, dass sie den Mitarbeitenden „möglichst passgenaue, ihren Interessen und Fähigkeiten entsprechende Angebote machen, wenn sich ihre Aufgaben verändern“, richtet Stadtsprecher Sven Matis aus. Sollten dafür neue Qualifikationen nötig sein, würden „entsprechende Angebote“ gemacht.

Eine andere Mitarbeiterin der Verwaltung, sie ist tätig im Referat Jugend und Bildung, sagt: Viele Verwaltungsangestellte seien am Gemeinwohl orientiert, hätten sich diese Jobs gesucht, weil ihnen Sinn bei der Arbeit wirklich wichtig sei. Doch seit einigen Monaten merkten städtische Beschäftigte, dass für einige Projekte kein oder weniger Geld da sei – was mitunter sie selbst gegenüber den entsprechenden Personen kommunizieren müssten. „Das ist schwer zu ertragen.“

Generell hofft sie, dass durch den Sparzwang und Stellenabbau nicht die Arbeitsbelastung für die verbliebenen Beschäftigten steige. „Bei meinen Kollegen und mir ist es schon jetzt sehr viel.“ Immer wieder sorge sie sich, ob jemand im Team einen Burn-out erleide.

Das will der Gesamtpersonalrat der Stadt unbedingt verhindern. Kürzlich hat dieser von Oberbürgermeister Frank Nopper eine Vereinbarung zur Stellensicherung gefordert. „Personal kann nur dann reduziert werden, wenn auch Aufgaben wegfallen“, sagte der Gesamtpersonalratsvorsitzende Tomas Brause.

Knapp 2000 Stellen sind nicht besetzt

Ende 2024 zählte die Verwaltung 17 594 Beschäftigte. Bei den Ämtern der Stadt seien zurzeit rund 1770 Stellen unbesetzt, bei den Eigenbetrieben etwa 200 Stellen, heißt es aus dem Personalreferat. Für die unbesetzten Stellen gebe es unterschiedliche Gründe: die übliche Fluktuation, projektbezogene Stellen, teils auch der Fachkräftemangel. „Darüber hinaus ist auch die seit Herbst 2025 geltende Stellenbesetzungssperre Ursache für unbesetzte Stellen“, sagt Stadtsprecher Matis. „Nach dieser Regel dürfen frei werdende beziehungsweise freie Stellen nur dann besetzt werden, wenn bei ihnen zumindest anteilig gesetzliche Pflichtaufgaben angesiedelt sind.“

Zu den Eigenbetrieben der Stadt gehört auch die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Von dieser Sperre ausgenommen seien personalwirtschaftliche Sonderfälle sowie einzelne Besetzungsfälle, für die eine eigens hierfür eingerichtete Kommission entscheidet. Damit solle sichergestellt werden, dass die gesetzlichen Pflichtaufgaben gesichert seien, aber dennoch „ein Handlungsspielraum für mögliche Standardreduzierungen im Zuge der gesamtstädtischen Aufgabenkritik im freiwilligen Bereich verbleibt“, heißt es.