Die Firma Putzmeister hatte angekündigt, 140 Stellen in Aichtal streichen zu wollen. Dagegen wehrte sich die Belegschaft. Nun verkündet der Betonpumpenspezialist eine Einigung.
Ein gutes halbes Jahr haben Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter bei Putzmeister miteinander gerungen: Im Sommer 2025 war bekannt geworden, dass das Aichtaler Unternehmen am Stammsitz 140 Stellen abbauen will. Doch die Belegschaft wollte die Pläne nicht einfach hinnehmen. Nun verkündet der Betonpumpenspezialist die Einigung. Wichtiger Aspekt der „umfassenden Vereinbarung“ bleibt allerdings ein Stellenabbau.
Das Ergebnis soll nach Angaben von Putzmeister „Klarheit sowie Planungssicherheit für Mitarbeitende und Unternehmen“ schaffen. Demnach besteht zwischen den beiden Parteien Einigkeit „über die Notwendigkeit der Anpassung der Kapazitäten auf die gesunkene Nachfrage“. Für die Belegschaft bedeutet das, dass einige Mitarbeitende das Unternehmen verlassen werden – am besten aus freien Stücken. Zunächst gibt es „die Option, sich freiwillig im Rahmen klar definierter Bedingungen für eine Trennung zu entscheiden, die auch Altersteilzeitlösungen beinhaltet“.
Putzmeister-Betriebsrat: Akzeptabler Kompromiss
Dazu ob sich die Zahl der Stellen, die abgebaut werden sollen, laut Vereinbarung verändert haben, machte das Unternehmen zunächst keine Angaben. Nach Auskunft des Betriebsratsvorsitzenden Jörg Löffler sind es aber weniger als ursprünglich angedacht. „Es waren sehr schwierige Verhandlungen über einen langen Zeitraum“, sagt der Arbeitnehmervertreter. Den gefundenen Kompromiss nennt er „für beide Seiten akzeptabel“. Positiv bewertet Löffler unter anderem auch, dass in der weiter bestehenden Vereinbarung zur Standortsicherung nun eine bestimmte Zahl an Personen festgeschrieben sei und das Unternehmen Investitionen zugesichert habe.
Dennoch musste auch die Belegschaft in den Verhandlungen die ein oder andere sprichwörtliche Kröte schlucken. „Grundsätzlich wollten wir gar keine betriebsbedingten Kündigungen“, sagt Löffler. Die seien nun aber nicht ganz ausgeschlossen, sollte das Freiwilligenprogramm nicht genügend Mitarbeitende überzeugen.
Unsicherheit und Sorgen in der Aichtaler Belegschaft
Die Stimmung unter den Mitarbeitenden sei von Unsicherheit geprägt. „Natürlich machen sich die Leute Gedanken und Sorgen“, erzählt der Betriebsratsvorsitzende. Er rät Kolleginnen und Kollegen, die altersteilzeitberechtigt sind, sich das Angebot erst mal anzuschauen. Zur Unterstützung komme eine Rentenberatung ins Haus.
Begründet hatte Putzmeister die Stellenstreichungspläne mit einem sich fundamental verändernden Marktumfeld, die globalen Kernmärkte entwickelten sich dauerhaft rückläufig. Deswegen überprüfe Putzmeister Strukturen und Prozesse, um sich effizient und langfristig erfolgreich aufzustellen. „So sichern wir unsere globale Wettbewerbsfähigkeit“, teilte das Unternehmen im August 2025 mit. Damals hatte die Putzmeister-Gruppe eigenen Angaben zufolge etwa 3600 Beschäftigte weltweit und rund 1100 in den deutschen Geschäftseinheiten.
Auch in der aktuellen Mitteilung betont Putzmeister, dass es nicht nur um Stellenabbau geht. Neben produktivitätssteigernden Initiativen werde das Unternehmen weiterhin investieren, um die Innovationsfähigkeit und nachhaltige Wertschöpfung vor Ort zu stärken. „Diese Maßnahmen und Investitionen unterstreichen den Anspruch, Putzmeister und den Standort Aichtal langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.“