Bei der Deutschen Bank wird es deutliche Veränderungen geben. Foto: dpa

Dei Deutsche Bank stellt sich neu auf. Auch in der Chefetage will sich das Institut erneuern. Investmentbankchef Garth Ritchie tritt zurück. Christian Sewing wird dessen Aufgaben übernehmen.

Frankfurt - Gerüchte und Spekulationen gab es in den vergangenen Wochen viele. Nun könnte der größte Personalabbau in der Geschichte der Bank bevorstehen. Denn am Wochenende soll der Aufsichtsrat der Deutschen Bank ein Konzept verabschieden, mit dem Vorstandschef Christian Sewing das größte deutsche Kreditinstitut nach mehreren vergeblichen Anläufen endlich wieder in die Spur bringen will. Dabei, so zeichnete sich am Freitag ab, werden nicht nur bis zu 20 000 der gut 90 000 Stellen gestrichen, auch im Vorstand sollen wohl Köpfe rollen.

Millionenschwere Sonderzahlungen stoßen auf Unverständnis

Schon auf der Hauptversammlung im Mai hatte Sewing angekündigt, dass es „harte Schnitte“ geben werde. Die härtesten Schnitte wird es wohl im Investmentbanking geben. Am Freitag teilte die Bank mit, dass Investmentbankchef Garth Ritchie Ende Juli zurücktritt. Sewing werde die Verantwortung für Ritchies Bereich Unternehmens- und Investmentbank übernehmen. Er werde die Bank aber noch bis Ende November 2019 beraten. Auf der Hauptversammlung im Mai hatte Ritchie zusammen mit Regulierungsvorständin Sylvie Matherat das schlechteste Ergebnis eingefahren. Nur gut 61 Prozent der Aktionäre stimmten für seine Entlastung. Investoren störten sich vor allem an seiner hohen Vergütung und einer millionenschweren Sonderzahlung.

Sewing hatte auch mehrfach angedeutet, dass er die Handelsaktivitäten in Asien und den USA zurückfahren will. Im Investmentbanking arbeiten weltweit bis jetzt knapp 40 000 Menschen, die meisten davon im Ausland. Für das US-Geschäft – oder zumindest für Teile davon – sucht die Bank angeblich nach Käufern. Sollten sich Interessenten finden, stünden die betroffenen Mitarbeiter der Deutschen Bank also nicht auf der Straße, sie würden nur den Arbeitgeber wechseln. Neue Zahlen aus diesem Segment zeigen, dass der Abstand des Frankfurter Instituts zur Spitze immer größer wird. Im ersten Halbjahr 2019 etwa nahm die Deutsche Bank im Geschäft mit der Aktien- und Anleiheplatzierung sowie in der Fusionsberatung 20 Prozent weniger Geld ein als im Vorjahreszeitraum.

Geschäft mit Firmenkunden intensivieren

Ausbauen will Sewing dagegen das Geschäft mit Firmenkunden – oder zumindest die Zuordnung klarer regeln. „Corporate Bank“ könnte der Bereich möglicherweise heißen. Vom großen internationalen Anspruch wäre dann aber nicht mehr die Rede. Weitgehend unverändert wird wohl das Privatkundengeschäft bleiben, wo die Integration der Postbank gerade Fortschritte macht. Vor diesem Hintergrund überrascht am meisten das Gerücht, dass der dafür zuständige Vorstand Frank Strauß auch seinen Hut nehmen soll. In anonymen Beobachterkreisen wird das mit Spannungen zwischen Strauß und Sewing begründet.

Bleibt die Personalie Sylvie Matherat, die nach dem Willen Sewings ebenfalls den Vorstand verlassen soll. Sie ist bislang für Regulierung zuständig und damit nicht zuletzt auch für die Aufklärung der Fehler, die bei der Bank in der Vergangenheit passiert sind. Ihre Zukunft ist ebenso unklar wie die von Finanzchef James von Moltke – manche Beobachter sehen ihn auf der Abschussliste, manche nicht.

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