Die Elektrowerkzeuge von Bosch Power Tools laufen derzeit schlecht. Das Unternehmen baut nun noch mehr Stellen am Stammsitz ab als ohnehin geplant war. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Die Elektrowerkzeug-Sparte von Bosch will die Kosten senken und schließt nach 2026 die Produktion am Stammsitz in Leinfelden-Echterdingen sowie in Sachsen. Wie viele Jobs verlagert werden sollen.

Ein weiterer Schlag für die Beschäftigten der Elektrowerkzeugsparte von Bosch: Nachdem die Tochterfirma Bosch Power Tools im vergangenen Jahr den Abbau von 480 Stellen in den Zentral-, Entwicklungs- und Verwaltungsbereichen am Stammsitz in Leinfelden-Echterdingen bis Ende 2026 angekündigt hatte, trifft es nun auch die Produktion.

 

„Im Zuge der Neuordnung seiner globalen Fertigungsstrukturen plant Bosch Power Tools, die Produktion an den Standorten Sebnitz und Leinfelden auslaufen zu lassen“, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Damit fallen in Leinfelden nach 2026 weitere 230 Arbeitsplätze weg, im sächsischen Sebnitz sind 280 Jobs betroffen. Für den dortigen Standort prüft Bosch Power Tools auch einen Verkauf des Betriebs, heißt es in einer Pressemitteilung.

Thomas Donato, Bereichsvorstand von Bosch Power Tools Foto: Bosch

Als Gründe für die Stilllegung der beiden Produktionsstandorte für elektrische Werkzeuge nannte die Firma unter anderem die Schwäche der Baubranche, die durch hohe Zinsen belastet sei, sowie „die allgemeine Kaufzurückhaltung vieler Konsumenten aufgrund der insgesamt angespannten wirtschaftlichen Lage“. Auch sei der Wettbewerbs- und Preisdruck in der Branche größer geworden.

Die Fertigung will Bosch nun in an andere bestehende Standorte im Produktionsverbund verlegen. Konkret genannt wird in der Pressemitteilung nur der Standort Miskolc in Ungarn. Man habe die Mitarbeitenden und die Arbeitnehmervertreter über die geplanten Maßnahmen informiert und werde in Kürze Gespräche mit dem Betriebsrat aufnehmen.

Stellenabbau soll „so sozialverträglich wie möglich“ erfolgen

„Diese Entscheidung fällt uns sehr schwer. Wir müssen sie leider dennoch treffen, um die Zukunftsfähigkeit von Bosch Power Tools nachhaltig zu sichern“, kommentierte der Bereichsvorstand Thomas Donato die Pläne. Ziel sei es, den Stellenabbau „so sozialverträglich wie möglich umzusetzen“.

Die bereits laufenden Sparprogramme hätten nicht genügt, aufgrund der rückläufigen Nachfrage sei die Auslastung der Werke insgesamt deutlich gesunken, sagte Donato. „Wir müssen deshalb dringend unsere historisch gewachsenen Fertigungsstrukturen den stark veränderten Marktstrukturen und Kundenanforderungen anpassen und diese zukünftig auf weniger Standorte mit hoher Kosteneffizienz fokussieren.“

Nach Ungarn – der niedrigen Kosten wegen

Bosch Power Tools befindet sich mit der Verlagerung von Produktion in ein osteuropäisches Land mit geringeren Lohnkosten in namhafter Gesellschaft. Vor kurzem hat auch Mercedes-Benz angekündigt, die Fertigung eines zusätzlichen Modells von Deutschland nach Kecskemet in Ungarn zu verschieben. Finanzvorstand Harald Wilhelm sprach von 70 Prozent geringeren Faktorkosten, wozu vor allem die Löhne zählen.

Bosch Power Tools stellt Elektrowerkzeuge, Gartengeräte, Elektrowerkzeug-Zubehör und Messtechnik her. Im Jahr 2024 erzielten 18 700 Mitarbeitende einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro. Nach Angaben des Unternehmens entfielen rund 90 Prozent des Umsatzes auf das Ausland.