Stellenabbau bei General Electric GE-Standort Mannheim steht vor dem Aus

Von Ulrich Schreyer 

Die neuesten Streichpläne sind nicht die ersten bei GE in Deutschland.  Am Standort Mannheim könnten bald die Lichter ausgehen. Foto: dpa
Die neuesten Streichpläne sind nicht die ersten bei GE in Deutschland. Am Standort Mannheim könnten bald die Lichter ausgehen. Foto: dpa

Der US-Konzern General Electric will in Deutschland 1600 Stellen abbauen. In Mannheim wird die Mehrzahl der derzeit 700 Arbeitsplätze gestrichen. Die Gewerkschaft spricht vom Ende des Standorts. In Stuttgart fallen 100 Stellen weg.

Stuttgart - Der US-Konzern General Electric (GE) will sich von 1600 Mitarbeitern in Deutschland trennen. Nach Angaben des Unternehmens sind von diesem massiven Einschnitt neben den Standorten Mönchengladbach, Bexbach und Kassel auch die beiden baden-württembergischen GE-Standorte Mannheim und Stuttgart betroffen. Ein Sprecher von General Electric sagte, ein genauer Zeitraum für den Abbau der Arbeitsplätze könne noch nicht genannt werden. Dieser hänge auch von den Verhandlungen mit den Vertretern der Beschäftigten ab. Wahrscheinlich würden die Maßnahmen aber innerhalb von zwei Jahren abgeschlossen.

Der Standort Mannheim stehe nach den Plänen des Konzerns vor dem Aus, sagte der Geschäftsführer der Mannheimer IG Metall, Klaus Stein. Dort seien noch rund 700 Beschäftigte in den Bereichen Wartung und Reparatur von Kraftwerken sowie im Bereich Ingenieurdienstleistungen (Engineering) tätig. Die Zahl der Mitarbeiter solle zunächst bis auf 100 Beschäftigte reduziert werden. Diese sollen später aber an einen anderen Konzernstandort, der noch nicht bekannt ist, umziehen. Für Mannheim seien die jetzt vorgelegten Pläne des Konzerns „ein erneuter Kahlschlag“, meinte Stein. Bereits in einem ersten Schritt waren dort 700 Arbeitsplätze bei der Produktion von Ausrüstungen für Gas- und Kohlekraftwerke gestrichen worden. Die Herstellung dieser Komponenten läuft nach den Angaben von Stein Ende des Jahres aus.

Komplett geschlossen werden Berlin mit 600 und Mönchengladbach mit 350 Mitarbeitern

In Stuttgart, einem reinen Engineering-Standort, soll die Zahl der Beschäftigten nach den Plänen des Unternehmens um 100 auf 120 Mitarbeiter reduziert werden. Dort werden Anlagen zur Verbrennung von Kohle in Kraftwerken entwickelt. Komplett geschlossen werden Berlin mit 600 Beschäftigten und Mönchengladbach mit 350 Mitarbeitern. An diesen beiden Standorten werden Komponenten für die Stromübertragung produziert. Vor dem Aus steht auch die Herstellung von Schaufeln für Kraftwerksturbinen im saarländischen Bexbach mit 250 Beschäftigten.

Nach den Worten von Stein sind die Wartung und Reparatur von Kraftwerken, aber auch die Aktivitäten im Engineering hochprofitable Bereiche. Die Sparte Energy, zu der diese gehören, habe weltweit in den ersten drei Quartalen umgerechnet 2,1 Milliarden Euro zum Konzernergebnis beigetragen.

Bei Reparatur und Wartung von Kraftwerken drängen neue Konkurrenten auf den Markt

Ein Sprecher von General Electric Deutschland sagte, mit dem Abbau der Arbeitsplätze reagiere das Unternehmen auf das immer schwieriger werdende Kraftwerksgeschäft. Die Zunahme erneuerbarer Energien, aber auch die bessere Energieeffizienz führe dazu, dass kaum noch neue Gas- oder Kohlekraftwerke gebaut würden. Davon sei auch der Bereich Engineering betroffen, da dort neue Kraftwerke geplant werden. Bei Reparatur und Wartung von Kraftwerken drängten zudem neue Konkurrenten auf den Markt. Diese bauten zwar selbst keine Kraftwerke, seien aber in der Lage, den Service dafür zu übernehmen. Henryk Wulf, der Vorsitzende der Geschäftsführung von General Electric Power Deutschland, erklärte, der Abbau der Arbeitsplätze solle „so sozial verträglich wie möglich“ gestaltet werden.

In ganz Europa will der Konzern offenbar 4500 Arbeitsplätze abbauen

Die IG Metall will vor Verhandlungen über einen Interessenausgleich zunächst mit verschiedenen Aktionen gegen die geplanten Streichungen vorgehen. Am Montag finden nach den Worten von Stein an verschiedenen Standorten Betriebsversammlungen statt. „Noch dieses Jahr wollen wir auch alle zusammen vor der Zentrale von General Electric Deutschland in Frankfurt protestieren“, so der Gewerkschaftsgeschäftsführer. „Die Stellenstreichungen sind eine Kapitulation des Konzerns vor komplexen Themen“, sagte Stein.

In ganz Europa will der Konzern offenbar 4500 Arbeitsplätze abbauen. Diese Zahl, „die aus Frankreich kommt“, wollte der Sprecher von GE Deutschland nicht kommentieren. Nach den Angaben der Mannheimer IG Metall sollen in Frankreich sogar neue Arbeitsplätze geschaffen werden. General Electric hatte die deutschen Standorte für Kraftwerksausrüstungen 2015 vom französischen Alstom-Konzern gekauft. Auf Druck der Pariser Re­gierung war damals vereinbart worden, dass in Frankreich keine Stellen gestrichen werden.

General Electric erzielte 2016 mit 300 000 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet 170 Milliarden Euro und will nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg im Kraftwerksbereich weltweit 12 000 Arbeitsplätze abbauen.

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