Stellen Netzwerke und Glück helfen

Von Peter Ilg 

Wer kennt jemanden, der auf die Stelle passt? Oft sind es persönliche Kontakte, die zu einem neuen Job verhelfen. Foto: EB-Stock
Wer kennt jemanden, der auf die Stelle passt? Oft sind es persönliche Kontakte, die zu einem neuen Job verhelfen. Foto: EB-Stock

Nur einen Teil ihrer offenen Stellen schreiben Unternehmen öffentlich aus. Viele Jobs werden durch persönliche Kontakte vergeben.

Stuttgart- Fast jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland ist bereit, in diesem Jahr den Job zu wechseln. Das ist das Ergebnis einer im Dezember 2012 durchgeführten Studie des Markt- und Meinungsforschungsunternehmens Forsa im Auftrag des sozialen Netzwerks Xing. Nach der Befragung sind 28 Prozent offen für einen Arbeitgeberwechsel, sieben Prozent planen ihn konkret. Das sind immerhin drei Millionen Arbeitskräfte, die aktiv auf Jobsuche sind. Was die neue Arbeitsstelle angeht, warnt Karriereexperte Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader jedoch vor einer übereilten Kündigung. Besser sei: 'In Ruhe analysieren, was einen wirklich stört und an welchen Stellschrauben eventuell gedreht werden kann.' Manchmal hilft ein offenes Gespräch mit dem Vorgesetzten, um Probleme zu lösen. Manchmal aber auch nicht.

In anderen Fällen wollen Mitarbeiter durch den Wechsel aufsteigen. Für diesen Fall hebt Hesse wieder mahnend die Hand. 'Karriere zu machen, heißt nicht unbedingt, immer höher, schneller und weiter zu kommen. Karriere bemisst sich auch in der Zufriedenheit, die man bei der Ausübung seines Jobs empfindet.' Der Berater nennt vier Hauptquellen der Freude oder eben auch des Leids im Berufsleben: den Vorgesetzten, Kollegen und Kunden, die Aufgabe, Bezahlung und Arbeitskonditionen. Diese vier Komponenten gilt es zu betrachten, wenn man sich die Frage stellt: wechseln oder bleiben? Entscheidet man sich für den Wechsel, steht man vor der nächsten Frage: Wo finde ich die passende Stelle? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB in Nürnberg hat Ende 2011 Firmen danach gefragt, wo sie neue Mitarbeiter suchen und wie die Erfolgsquoten der Maßnahmen sind. Allen voran stehen die eigenen Mitarbeiter als Quelle sowie persönliche Kontakte zu potenziellen Mitarbeitern. Jede zweite Firma nutzt diese Möglichkeit - und ist in jedem zweiten Fall erfolgreich.

Die meisten offenen Stellen werden über persönliche Kontakte besetzt

Daraus könnte man nun ableiten, dass nur jede zweite Stelle ausgeschrieben wird. Was nicht stimmt, weil die Befragten für die Studie mehrere Möglichkeiten ankreuzen konnten. Und weil sie das auch taten, kann man daraus schließen, dass sie mehrere Quellen parallel bei ihrer Suche nutzen: Stellenanzeigen in Zeitungen, Zeitschriften, Internet-Stellenbörsen, die eigene Homepage, soziale Netzwerke, Job-Messen, interne Stellenausschreibungen, die Dienste der Arbeitsagentur und Initiativbewerbungen. Die Liste der Suchwege von Firmen ist lang, und deshalb gibt es auch zahlreiche Quellen bei der Jobsuche von wechselwilligen Arbeitnehmern. Könnte man meinen. Karriereberaterin Svenja Hofert aber schätzt, dass zwei Drittel aller Stellen nicht ausgeschrieben werden. 'Die meisten offenen Stellen werden über persönliche Kontakte und Initiativbewerbungen besetzt.' Eine andere Studie des IAB stützt ihre Vermutung. Etwa ein Viertel aller im Jahr 2010 neu besetzten Stellen wurden über persönliche Kontakte vergeben. 'Große und kleine Firmen verhalten sich in ihrem Suchverhalten grundsätzlich anders', so die Karriereberaterin. Je größer die Firma, umso höher die Quote der ausgeschriebenen Jobs. Weil Stellen zu besetzen teuer ist, zapfen kleine Firmen und Mittelständler zuerst vorhandene und kostenlose Quellen an - etwa Mitarbeiter - und stellen die Offerte auf ihre Homepage.

Für Groß wie Klein gilt: die Gefahr, den Falschen ausgesucht zu haben, ist bei Ausschreibungen größer, als wenn der neue Mitarbeiter im eigenen Umfeld rekrutiert wird. Nun stellt man sich zwangsläufig die Frage, welche Stellen denn überhaupt ausgeschrieben werden? 'Es sind diejenigen, die schwer zu besetzen sind', sagt Hofert. Das sind beispielsweise Jobs für ausgewiesene Experten in einem Fachgebiet. In anderen Fällen sind sie pure Imagewerbung fürs Unternehmen oder auf Drängen der Personalabteilung entstanden, obwohl der Vorgesetzte bereits einen Kandidaten in petto hat. 'In diesem Fall braucht sich kein Bewerber Hoffnung machen, weil sich am Ende immer der Vorgesetzte gegenüber dem Personaler durchsetzt', weiß Hofert. Und wie erfährt man von der Vielzahl an Jobs, die unter der Hand vergeben werden?

'Persönliche Kontakte sind der Schlüssel, um von Stellen zu erfahren, die nicht öffentlich angepriesen werden', so Hofert. Zum Beispiel auf Branchen-Stammtischen, in Foren oder sozialen Netzwerken, in denen jemand verkündet: ich bin verfügbar. 'Man muss unter die Leute, um davon zu erfahren', sagt Hofert. Je mehr man in Kontakt und im Internet sichtbar sei, desto höher seien die Chancen, angesprochen und empfohlen zu werden. Man muss aber nicht unbedingt von den nicht ausgeschriebenen Stellen erfahren. 'Oft hilft schon Glück allein, um zur rechten Zeit mit einer Initiativbewerbung am rechten Ort zu sein', sagt Hofert. Die Erfolgsquote ist bei erfahrenen Leuten deutlich höher als bei Berufseinsteigern, weil sie Berufserfahrung, Erfolge, Projekte vorweisen können. Absolventen erhöhen ihre Chancen, vom Unternehmen angesprochen zu werden, wenn sich beide kennen, beispielsweise durch Praktika.

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