Ronald Pofalla Foto: dpa

Ronald Pofalla soll Nachfolger des Noch-Infrastrukturchefs Volker Kefer werden. Dem Politiker und Lobbyisten fehlt jedoch die Kompetenz und Erfahrung für diesen wichtigen Vorstandsposten bei der Deutschen Bahn, kommentiert Thomas Wüpper.

Berlin - Wieder einmal liefert die Deutsche Bahn AG die perfekte Vorlage für alle Satiriker. Mit Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla soll ab Januar ein Jurist und Sozialpädagoge eine der wichtigsten Technik- und Infrastruktursparten der Republik leiten, zu der 34 000 Kilometer Gleise und mehr als 5000 Bahnhöfe gehören. Diesen Aufstieg hat der CDU-Mann seiner Freundschaft mit Bahnchef Grube und einem fragwürdigen politischen Kuhhandel zu verdanken hat.

Pofalla fehlen jegliche Kenntnisse und Qualifikationen für diesen enorm wichtigen Job. Der bisherige Amtsinhaber Volker Kefer ist Ingenieur, weiß schon aus jahrzehntelanger Erfahrung beim ICE-Produzenten Siemens, wie das komplexe Rad-Schiene-System funktioniert. Pofalla dagegen mag ein ausgefuchster politischer Strippenzieher und mit allen Wassern gewaschener Lobbyist ein. Die Führungserfahrung im operativen Bahngeschäft aber besitzt dieser Mann ebenso wenig wie das nötige technische Verständnis.

Die große Politik zieht fast nach Belieben die Strippen

In einem normalen Bewerbungsverfahren würde Pofalla deshalb sofort aussortiert. Aber normal läuft beim größten Staatskonzern bekanntlich kaum etwas. Hier zieht die große Politik fast nach Belieben die Strippen, die Bahn gilt im Kanzleramt als Chefsache. Niemand weiß das besser als Pofalla, dem lange Zeit obersten Strippenzieher von Angela Merkel – bis er nach einigen peinlichen Ausrutschern seinen Posten verlor.

Bei der Bahn fand sich rasch ein schöner Posten, um den einstigen Vertrauten sicher und hoch dotiert aufzufangen. Dort scheint sein Aufstieg an die Spitze nun kaum noch aufzuhalten zu sein. Denn wie immer in der großen Politik werden Konflikte mit manchmal sehr fragwürdigen Kompromissen gelöst. Im Falle Pofallas heißt es, die SPD-Spitze habe die Zustimmung zu dessen Bahn-Karriere daran geknüpft, dass im Gegenzug die Union den Aufstieg von Außenminister Steinmeier zum Bundespräsidenten ermöglicht.

Fall Pofalla zeigt, wohin politische Vetternwirtschaft führen kann

Der Fall Pofalla zeigt einmal mehr, wohin politische Vetternwirtschaft führen kann. Den Interessen der Bahn und des Schienenverkehrs ist mit dem Aufstieg eines branchenfremden Politprofis an die Konzernspitze kaum gedient. Aber Pofalla hat nun die Chance, das Gegenteil zu beweisen. Man darf gespannt sein.

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