Mit Geräten wie der Schleifgiraffe made in Steinheim will sich Flex weiter auf dem Markt behaupten. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Der Steinheimer Werkzeughersteller ist seit 100 Jahren eine feste Größe und erhält jetzt das TOP 100-Siegel aus der Hand von Ranga Yogeshwar.

Steinheim - M it dem Winkelschleifer schrieb die Firma Flex Geschichte. Flexen steht als Verb seit 1996 sogar im Duden. Eben jenes Steinheimer Unternehmen feiert in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen. Viel hat sich seit der Gründung von Flex noch unter dem Namen Ackermann & Schmitt im Jahr 1922 in Cannstatt verändert, aber im Kern ist sich die Firma treu geblieben: Schwäbischer Tüftlergeist regiert – Flex setzt auf schnelle Lösungen durch kommunikative und technisch starke Projektteams. Flache Hierarchien wirken motivierend.

In Deutschland zählt Flex zu den wichtigen Playern unter den Werkzeugherstellern für Profis. Der Firmenchef Christian Neuner ist stolz darauf, dass die Umsätze zum ersten Mal in der Geschichte über die 100-Millionen-Euro-Marke kletterten. Obendrein errang die Ideenschmiede an der Murr zum ersten Mal das TOP-100-Siegel. Die Qualitätsmarke erhalten nur besonders innovative mittelständische Firmen. Den Preis überreicht der aus dem Fernsehen bekannte Wissenschaftsjournalist und Buchautor Ranga Yogeshwar den Steinheimern am 24.  Juni.

Wiener Professor hat auch Flex auf seine Innovationskraft untersucht

Im Grunde gehe es in der TOP 100-Analyse um die Frage, ob die Innovationen eines Unternehmens nur ein Zufallsprodukt sind oder aber systematisch geplant werden und damit in Zukunft wiederholbar sind, teilt Flex mit. Deshalb habe der Wiener Innovationsforscher Professor Nikolaus Franke im Auftrag des Medienunternehmens compamedia die Firmen in fünf Kategorien durchleuchtet. Im Blickpunkt standen das Management, das Betriebsklima sowie die internen Abläufe, aber auch die Außenorientierung und der Erfolg der jeweiligen Innovationen.

In Zeiten des Fachkräftemangels hält der Flex-Geschäftsführer Christian Neuner an Unis intensiv Ausschau nach Nachwuchs. „Durch die frühen und engen Kooperationen mit den Hochschulen konnten wir eine Reihe an tollen, neuen Mitarbeitern gewinnen.“ Unter den etwa 250 Arbeitskräften am Standort in Steinheim haben relativ viele jüngere Kräfte in den vergangenen fünf Jahren den Weg ins Unternehmen gefunden. Ihre Schnelligkeit, Eigenverantwortung und Flexibilität ist gefragt, denn die Zeiten, in denen Flex hauptsächlich vom Ruhm seines Winkelschleifers zehrte, sind längst vorbei.

Lesen Sie aus unserem Angebot: „Flex investiert in seinen Standort“

In den Projektteams könnten abteilungsübergreifend Ideen für Produkte rasch sichtbar werden, erklärt Neuner. „Das wirkt motivierend.“ Ein Beispiel sei der Bauluftreiniger, für den Flex während der Coronakrise im Jahr 2020 innerhalb weniger Monaten ein Sondergerät auf den Markt brachte. Der Luftreiniger komme normalerweise etwa bei der Renovierung von Bädern oder anderen Räumen zum Einsatz. „Das Sondermodell konnte sicher und einfach zu Senkung der Virenlast an Baustellen, Schulen und Warteräumen eingesetzt werden.“ Das Gerät schütze auch vor Stäuben.

Die schwäbischen Tüftler wollen weiter das Ohr eng am Kunden haben

Ein breit gestreutes Portfolio ermöglichte Flex bisher den Erfolg. Aber wohin geht der Trend? Eine wichtige Rolle spielt laut Neuner unter anderem der Gesundheitsschutz: Geräte dürften nicht zu stark vibrieren, lärmen oder Staub produzieren. Es sei wichtig, das Ohr am Kunden zu haben: „Unsere Kollegen sprechen mit den Handwerkern, prüfen die Richtlinien, machen Praxistests im Feld mit den Anwendern und dem Handel.“ Ein gutes Beispiel ist die Akkuversion der Giraffe, ein Langhalsschleifer für den Trockenbauer. Flex entwickelte die Akkuvariante im Jahr 2020 – ein Jahr später nahm der Markt das Gerät, so Neuner, positiv auf. Insbesondere der kabelunabhängige Betrieb werde in Zukunft noch stärker gefragt sein. Trotzdem müssten Kunden auch Wechselhürden überwinden: etwa Leistungslimits, Preise und spezielle Anforderungen in der Anwendung.

Lieferengpässe hat das Unternehmen bisher relativ gut weggesteckt

In den globalen Turbulenzen mit weltweiten Lieferengpässen könne sich Flex vergleichsweise gut behaupten, berichtet der Geschäftsführer. „Auch wir sind nicht auf der Insel der Glückseligen.“ Gleichwohl konnten die Mitarbeiter laut Neuner durch eine schnelle Reaktion, umsichtige Planung und eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit die Versorgung sichern. Der Trend zum Homing während der Pandemie habe die Nachfrage nach Werkzeug in der Baubranche erhöht. „Wir sehen weiterhin Wachstum in der Baubranche in Deutschland und Europa, wobei eine Steigerung der Zinsen und das Wegfallen von Prämien durchaus Dämpfer erzeugen können.“

Flex-Chef: Das Wachstumspotenzial ist im Ausland höher

Der Geschäftsführer rechnet damit, dass Flex insbesondere im Ausland stärkere Wachstumsraten erreichen kann. „In vielen europäischen Märkten beginnt die Bauindustrie nun auch wieder zu wachsen, allerdings können wir dort zudem beim geringeren Marktanteil etwa im Vergleich zu Deutschland aufholen.“ Dort müsse Flex noch mehr Markenbekanntheit aufbauen.

Auf dem Weltmarkt hat sich das Steinheimer Traditionsunternehmen seit der Übernahme durch den chinesischen Mutterkonzern Chervon im Jahr 2013 mit dem zusätzlichen Zugang zu Vertriebsschwestern in den USA, Australien und China sowie Fertigungen in China und Vietnam deutlich internationaler aufgestellt.

Die Firma Flex feiert ihr 100-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür am Freitag, 22. Juli, von 11 bis 16 Uhr auf dem Firmengelände. Alle Bürger sind eingeladen.