Nach einem tödlichem Unfall regen Leser unserer Zeitung eine Entschärfung der Kreuzung an der Landesstraße bei Steinheim an.
Steinheim - Ein Mensch ist beim tragischen Unfall am 28. Juli auf der Landesstraße 1100 bei Steinheim ums Leben gekommen. Danach mehrten sich Stimmen, die mehr Sicherheit an der Abzweigung zum Kaufland und Wellarium forderten. Rufe nach einer Ampelanlage oder einem Kreisverkehr wurden laut. Wie aber schätzen die Verantwortlichen die Situation ein? Schließlich soll der Verkehr auf der Umgehungsstraße auch zügig fließen können.
Bisher habe sich die Stadt wenig mit der Kreuzung beschäftigt – das Land sei als Träger der L 1100 zuständig, räumt der Steinheimer Bürgermeister Thomas Rosner ein. Der aktuelle Unfall sei aus Unachtsamkeit beim Linksabbiegen von der Landesstraße in die Steinbeisstraße passiert. „Eigentlich ist dort alles gut einsehbar.“ Trotzdem halte er die Kreuzung für eine Gefahrenstelle, aber aus einem anderen Grund: Wer ohne Ortskenntnisse von Marbach auf sie zufahre, sehe die Abzweigung nach rechts erst sehr spät und bremse abrupt, so Rosner. „Es wäre wünschenswert, wenn man schon mit einigem Abstand mehrfach auf die Abzweigung aufmerksam macht.“ Ob eine Ampel oder ein Kreisverkehr mehr Sicherheit brächten und ob diese an einer Umfahrungsstraße überhaupt zulässig wären, vermag Rosner nicht einzuschätzen – und plädiert für die bessere Ausschilderung.
Ein Kreisverkehr bräuchte tatsächlich ein überörtliches Okay. Denn mit der L 1100 trifft eine Kraftfahrstraße auf eine niedriger eingestufte innerörtliche Straße. Matthias Kreuzinger, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP), zitiert aus dem Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehrsplätzen. Demnach sei die „gleichberechtigte Verknüpfung der Knotenpunktarme nicht plausibel“, wenn die Straßen unterschiedlich bedeutsam seien.
Das aber könnte Auslegungssache sein, wie etwa die vor nicht allzu langer Zeit vollbeampelte Abzweigung der L 1100 zur Ludwigsburger Straße in Marbach zeigt.
Eine erste Entscheidung trifft die Kommission einer Verkehrsschau. Sie besteht aus der Polizei, der Verkehrsbehörde und dem Straßenbauamt des Landkreises. „Die Kreuzung wird von uns nicht als Unfallschwerpunkt angesehen“, erklärt Peter Widenhorn, Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Er verweist auf die Unfallstatistik (siehe unsere Grafik). Zwar ereigneten sich Zusammenstöße, aber nicht genügend, damit die Behörden eingreifen müssten (siehe Infokasten). „Die Strecke ist frei einsehbar, das Tempo auf der Kraftfahrstraße ist auf 70 Stundenkilometer reduziert“, sagt Peter Widenhorn.
An diesem Punkt hakt der Grünen-Stadtrat Rainer Breimaier ein. „Ganz ungefährlich ist die Landesstraße nicht“, sagt der Fraktionsvorsitzende und verweist auf die beiden tödlichen Unfälle, die sich in den vergangenen zehn Jahren etwas weiter nördlich, an der Abzweigung nach Höpfigheim, ereignet haben. „Da wird nicht immer 70 gefahren“, hat Breimaier festgestellt. Besonders aus Richtung Großbottwar, aus der die Autofahrer mit 100 Stundenkilometern auf Steinheim zurasten. „Ich komme mir mit 70 da fast als Verkehrshindernis vor“, moniert der Grüne und plädiert dafür, alle drei Steinheimer Einmündungen zur L 1100 untersuchen zu lassen.
So weit würde Timo Renz, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler in Steinheim, nicht gehen. Zwar beobachtet auch er Raser: „Die ausgeflaggte 70 wird oft überschritten, da wird häufig mit 100 durchgefahren“. Doch könnte dem mit Geschwindigkeitskontrollen beigekommen werden. Eine hundertprozentige Sicherheit vor Unfälle gebe es nicht. Kreisverkehre hielte er auch ökologisch für wenig förderlich: „Das Stoppen und Anfahren verursacht mehr CO2- Ausstoß.“
Keinen Handlungsbedarf an der Abzweigung der L 1100 zum Kaufland sieht Manfred Waters, Fraktionschef der Steinheimer CDU. Er habe sich nach dem Unfall gefragt, „wie tief man schlafen muss”, um an einer solch „weit und breit übersichtlichen Stelle“ einen so schlimmen Unfall zu verursachen. „Gegen solche Verkehrsteilnehmer ist man machtlos, was man auch immer tut!“ Er sehe keinen Bedarf für Umplanungen oder technische Aufrüstungen.
Das Feld den Verkehrsexperten überlassen – dafür plädiert Regina Traub, Fraktionsvorsitzende der SPD in Steinheim. Grundlage für eine Entscheidung müssten die Unfallzahlen sein. Das Risiko an der Kreuzung stufe sie als „nicht so dramatisch“ ein. Jeder müsse sich an das Tempo des Verkehrs anpassen. Die L1100 sei als Umgehungsstraße konzipiert – Ampeln und Kreisel würden diesem Charakter widersprechen. Dauere es dort zu lange, würden mehr Autofahrer den Weg durch die Innenstadt wählen. „Es ist das Recht und die Pflicht, sich an die jeweilige Geschwindigkeit zu halten“, sagt Traub. Steinheim habe mit den Kreuzungen Steinbeisstraße/Boschstraße und Riedstraße/Murrer Straße akutere Punkte, an denen Handlungsbedarf bestehe.