Oliver Strebe schafft hier seit mehr als 20 Jahren, es ist seine „Tanke“. Foto:  

Sprit gibt es an den Zapfsäulen an der Hauptstraße keinen mehr. Ein Treffpunkt ist es aber allemal. Warum die Stammkunden nach wie vor kommen, steht hier.

Steinenbronn - Jeder, der regelmäßig auf der alten B 27 zwischen Tübingen und den Fildern pendelt, kennt sie: die Tankstelle mit dem roten Dach an der Stuttgarter Straße in Steinenbronn. Sie liegt direkt an der Hauptstraße. Autowaschanlage, Staubsauger, alles ist da, doch was hier auf den ersten Blick wie eine Tankstelle wirkt, ist es schon eine ganze Weile nicht mehr. Wo die Zapfsäulen einst standen, sind nur noch die Sockel vorhanden. „Dennoch kommen manchmal Leute und fragen, ob man hier denn nicht tanken kann“, erzählt Oliver Strebe.

Er hatte noch versucht, die Tankstelle zu halten

Er arbeitet seit 21 Jahren in diesem Betrieb. „Es sieht alles noch nach Tankstelle aus. Und wir besitzen alles, was dazugehört, außer Sprit eben“, sagt der gelernte Automechaniker. Nach seiner Ausbildung arbeitete er bei verschiedenen Tankstellen. „Ich tat es meinem Vater gleich“, erzählt Strebe. 1998 verschlug es ihn nach Steinenbronn, weil dort eine Tankstelle zur Pacht angeboten worden ist. 60 Jahre lang war sie im Besitz und unter der Leitung einer Familie, es war die erste Tankstelle im Ort. Im Alter von 24 Jahren übernahm Oliver Strebe dann die Tankstelle an der Stuttgarter Straße. Später wurde er Eigentümer. Zudem war eine Autowerkstatt angegliedert.

Neun Jahre später lief der Vertrag mit dem Ölkonzern Esso aus. Strebe hat lange versucht, Esso zu überzeugen, die Kooperation fortzuführen, ohne Erfolg. Damit waren die Tage der echten Tankstelle gezählt. „Einen neuen Partner zu finden, hätte sich finanziell nicht rentiert“, erklärt Strebe. „Somit konnten wir uns aber verstärkt auf die Arbeit in der Werkstatt konzentrieren.“

Der Verlust sei schmerzhaft gewesen

Wenig später wurden die Zapfsäulen und der Preismast abmontiert, der Rest, also die Waschanlage, der Staubsauger, ein Laden mit Zeitungen, Zigaretten, Motoröl und Getränken und eben die Werkstatt blieb an Ort und Stelle. „Als ich wusste, dass meine Kunden hier bald nicht mehr tanken können, musste ich sie nach und nach informieren“, sagt er. Zu seinen Kunden zählten auch große Firmen, die Gemeinde und die Feuerwehr. „Dieser Verlust war natürlich schmerzhaft.“

Bei den Pendlern ist das Aus nicht gleich angekommen. Immer wieder seien Leute im Laden gestanden und hätten Yasmin Stier, Strebes Frau, gefragt, ob es denn hier keinen Sprit mehr gebe. Das passiert übrigens heute noch, wenn auch etwas seltener. „Das kommt vielleicht viermal im Jahr vor“, erzählt sie. Ihr Mann fügt hinzu: „Das rote Dach ist eben ein Markenzeichen.“ Dort ist das Logo des Esso-Konzerns zwar überklebt worden, der Schriftzug „Selbst Tanken“ ziert dennoch weiterhin die Fassade und hat Wiedererkennungswert. Strebe hat überlegt, das zu ändern, mag aber andererseits den Charme. Ansonsten hält Strebe wenig von Reklame, ihm reicht die Mund-zu-Mund-Propaganda. Das ist sicherlich eine weitere Erklärung dafür, weshalb viele Leute erst auf den zweiten oder dritten Blick erkennen, dass es sich hier nicht mehr um eine echte Tankstelle handelt.

Er ist auf die Vorlieben der Stammkunden eingestellt

Wer indes bei Oliver Strebe angehalten hat, um Kippen oder Zeitungen zu kaufen, der wird fündig. Der Laden wird fortgeführt, als gäbe es die Tankstelle noch. Es seien vor allem bekannte Gesichter, die bei ihm hereinschneien, sagt er. „Der Eine holt jeden Morgen seine Zeitung, der Nächste seinen Energydrink. Auch Zigaretten und Bier verkaufen wir, wie es früher eben immer war.“ Das Sortiment ist begrenzt, angeboten wird nur, was auch sicher verkauft wird. Sie sind auf die Vorlieben ihrer Stammkunden eingestellt. „Früher haben Kinder hier Süßigkeiten gekauft, die Gleichen kommen heute mit dem Auto angefahren“, sagt Yasmin Stier.

Manche Kunden saugen nach wie vor ihr Auto an der alten Tanke in Steinenbronn. Und sie werden den Wunsch nicht los, dort auch wieder Sprit zapfen zu können, und wer weiß? Strebe kann zwar nichts versprechen, hat aber Ideen im Kopf. „Ich überlege, ob man nicht irgendwann Ladestationen für Elektroautos einbaut“, sagt er. Allerdings vermutet er, dass das erst in fünf bis 15 Jahren von Bedeutung sein wird.

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