Kenth Joite ist der Liebe wegen von Braunschweig nach Steinenbronn gezogen. Nächstes Jahr will er heiraten. So schöne Aussichten hatte er nicht immer Foto: Corinna Pehar

Als Kenth Joite geboren worden ist, gaben ihm die Ärzte gerade einmal zwei Jahre. Heute ist er 28 Jahre alt, trotz seines Herzfehlers. Und er hat seine Mission gefunden.

Steinenbronn/Degerloch - Am Anfang geht es gleich zur Sache. „Sorry, dass ich zu spät bin, ich hab’ in der letzten Stunde Blut gehustet“, sagt Kenth Joite. Das Interview deshalb verschieben? „Quatsch, es geht mir schon besser, und außerdem ist es ja für eine gute Sache“, sagt der junge Mann im Café bei Ritter Sport in Waldenbuch. Bei einer Cola beginnt er zu erzählen, dass er eigentlich nur zwei Jahre alt hätte werden sollen. Wegen eines Herzfehlers. „Die Ärzte haben meinen Eltern wenig Hoffnung gemacht“, sagt er. „Doch sie haben gekämpft.“ Kenth Joite ist inzwischen 28 Jahre alt. „Ich rechne ihnen hoch an, dass sie mich wie einen normalen Jungen haben aufwachsen lassen, ich durfte im Matsch spielen, toben und auch mal hinfallen.“

 

Genau das rät er Eltern von Kindern mit Herzfehler. „Es bringt nichts, sie in Watte zu packen, sie wollen doch auch einfach nur leben“, sagt er. Jedes hundertste Kind sei betroffen, jedes fünfte davon schwer. „Viele kann man nur durch Operationen oder ein Spenderherz retten“, erklärt Kenth Joite, der getreu seinem Motto „halbes Herz, volles Leben“ verschiedene Projekte, Vereine und Kliniken unterstützt – unter anderem den Verein Herzkind und die Nachsorgeklinik Tannheim. Diese Klinik hat in mehrfacher Hinsicht sein Leben verändert: In der Reha hat er seine Freundin kennengelernt, die an Mukoviszidose leidet. Für sie ist er vor einem Jahr von Braunschweig nach Steinenbronn gezogen – im Frühjahr wird er sie heiraten. Das sind schöne Aussichten.

Vor sieben Jahren war er ganz unten angekommen

So war es nicht immer. Vor etwa sieben Jahren war Kenth Joite ganz unten angekommen: „Nach der großen Freude auf die Liste für ein Spenderherz zu kommen, wurde mir nach zahlreichen Untersuchungen gesagt, dass mein Herzfehler zu komplex ist.“ Kein neues Herz, Lebenserwartung: zwei Jahre. Er zog sich zurück, hatte Depressionen und verschuldete sich. Es folgte der komplette Zusammenbruch.

Erst in Tannheim hat der junge Mann seinen Kampfgeist wieder gefunden: „Das habe ich meinem Betreuer zu verdanken, er hat mich Vorträge über Sport bei Herzfehlern halten lassen. So habe ich gemerkt, dass ich auch als Palliativpatient noch etwas bewirken und nachfolgenden Generationen helfen kann.“ Schon immer sei es auch der Sport gewesen, der ihn am Leben gehalten habe, vor allem der Fußball: „Die Ärzte hatten aber immer Angst, dass ich den Ball aufs Herz gedonnert bekomme, deshalb bin ich einfach Schiedsrichter geworden.“ Heute pfeift er bei den Stuttgarter Kickers in der Kreisliga und als Assistent in der Landesliga.

Dank seiner guten Kontakte in die Sportwelt ist es ihm immer wieder möglich spannende Aktionen ins Leben zu rufen, wie zum Beispiel ein Benefizturnier für den Verein Herzkind, bei dem unter anderem Betriebsmannschaften der Feuerwehr Steinenbronn und der Polizei Ludwigsburg teilnahmen. Am 2. März steht das nächste Turnier in seinem Heimatort an.

Der siebenjährige Elias kann leider nicht dabei sein

Bereits am Freitag findet die nächste besondere Aktion zugunsten des Vereins statt: Der Eishockeyclub Stuttgart Rebels wird im „Spiel der Herzen“ gegen die zweite Mannschaft des EHC Freiburg antreten. Im Vorfeld hatten alle Spieler ein Trikot unterschrieben, dass Kenth Joite dem siebenjährigen Elias bereits überreicht hat. Den Jungen aus der Schweiz, der ebenfalls mit einem schweren Herzfehler geboren wurde, lernte er in Tannheim kennen und steht bis heute in regem Kontakt mit der Mutter. „Weil es ihm wieder etwas schlechter geht, kann er leider nicht wie geplant zum Eishockeyspiel kommen, er hätte bestimmt wieder gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd“, sagt er.

Ein Tag nach dem Interview für diesen Bericht musste Kenth Joite den Notarzt rufen. Der Husten war zu schlimm. Jetzt liegt er im Krankenhaus.

Spiel für einen guten Zweck

Das „Spiel der Herzen“ ist am Freitag, 14. Dezember, 20 Uhr, in der Eiswelt in Degerloch. Die Stuttgart Rebels spielen gegen den EHC Freiburg. Die Erlöse des Eishockeyspiels gehen an den Verein Herzkind. Ebenso an den Verein gehen die Einnahmen des Benefizturniers am 2. März 2019 in der Sandäckerhalle in Steinenbronn. Wer ein Team anmelden möchte, wendet sich an Kenth Joite. Kontaktdaten und weitere Infos zu seinem Engagement gibt es im Internet auf www.kenthjoite.com und www.herzkind.de. Eine Kontaktgruppe des Vereins in Steinenbronn ist derzeit im Aufbau, auch darum kümmert sich Kenth Joite.