Der Fahrstuhl lässt sich nur von eingewiesenen Mitarbeitern bedienen. Foto: Malte Klein

Im Rathaus in Steinenbronn gibt es einen Aufzug für Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer. Blöd nur, dass sie für jede Fahrt eine Hilfsperson brauchen. Aus dem Gemeinderat kommen kritische Stimmen. Dabei hatten sie den Aufzug selbst bestellt.

Steinenbronn - Immer mal wieder kommen Menschen ins Rathaus Steinenbronn, die nur mit Mühe Treppen steigen können, oder solche, die im Rollstuhl sitzen. Wenn sie, wie erst neulich geschehen, zum Ortsbauamt in den ersten Stock möchten, können sie den Lift nutzen. Doch das ist nicht so einfach. Denn sie brauchen für die Aufzugfahrt einen eingewiesenen Bediensteten. Das bedeutet, dass der- oder diejenige zunächst jemanden finden muss, der den Lift aufschließen und bedienen kann. Das gilt sowohl für die Fahrt hinauf als auch hinab.

Der Gemeinderat wollte den Aufzug so haben

Der Gemeinderat Dieter Menzel (SPD) hätte gerne, dass dieses Prozedere vereinfacht wird und die Gäste den Fahrstuhl selbst bedienen können. Bürger haben ihn darauf angesprochen. Darum stellte er im Gremium eine Anfrage dazu. In der vergangenen Sitzung bekam er dann die Antwort vom Ortsbaumeister Tobias Buck: „Der Architekt hat extra darauf hingewiesen, dass es kein selbstfahrender Aufzug ist.“ Denn dieser hat keine Schachtgrube und keine Tür, die sich von innen schließt. Das ist so ähnlich, wie bei Lastenaufzügen, die von innen keine Türen zur Wand haben.

Buck, der damals noch nicht im Amt war, hat sich die alten Unterlagen angesehen. Daraus gehe hervor, dass der Aufzug Ende 2011 in Betrieb gegangen ist und der damalige Gemeinderat diesen offenbar so haben wollte, wie er nun im Rathaus eingebaut ist, teilt Buck auf Anfrage mit. Aus den Unterlagen von Februar 2011 über den Fahrstuhl gehe auch hervor, dass Mitarbeiter der Verwaltung und Gemeinderäte sich vor dem Einbau einen solchen Lift bei einer Firma im Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt angesehen hätten. „Die Ausführung wurde somit von der Verwaltung mit Abstimmung des damaligen Gemeinderates nach der Besichtigung so gewünscht“, sagt Buck.

Ein anderes Modell wäre teurer gewesen

Eine Bauweise, bei der etwa Rollstuhlfahrer diesen selbst hätten bedienen können, hätte nach Einschätzung von Buck mehr Geld gekostet. Dafür wäre nämlich eine Schachtgrube im Boden nötig gewesen, damit etwa Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen mit Rollatoren ebenerdig einsteigen können. Um in den Fahrstuhl im Rathaus zu gelangen, müssen die Rollstuhlfahrer über eine Rampe einige Zentimeter hochfahren. Was der Einbau eines anderen Lifts bedeuten würde, beschreibt Buck so: „Da der vorhandene Boden in der Eingangshalle des Rathauses kein Erdboden, sondern eine Zwischendecke ist, wären eventuell weitere Zusatzmaßnahmen im Untergeschoss nötig gewesen, um die Last abzufangen.“

Das sei ihnen so einfach nicht klar gewesen

Dieter Menzel war zur Zeit des Liftkaufs zwar schon im Gemeinderat. Doch er kritisiert, dass die Verwaltung ihm und seinen Kollegen damals nicht klar gemacht habe, dass man immer jemanden als Fahrstuhlführer braucht. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht dafür gewesen“, sagt er auf Anfrage. Nun möchte er wissen, was eine Umrüstung auf einen Selbstfahrbetrieb kosten würde. Zumindest hätte Menzel gerne, dass außen am Fahrstuhl ein Knopf angebracht wird, auf den Rollstuhlfahrer bei Bedarf drücken können. „Sonst sucht man sich ja im Rathaus dumm und dämlich“, sagte er in der Sitzung.

Bürgermeister Johann Singer versprach im Gemeinderat, dass die Verwaltung prüfen werde, was getan werden könnte, damit die Bürger nicht erst einen Fahrstuhlführer im Rathaus suchen müssen.

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