Beim Aushub der Seilerstraße wurden auch rund um die Kastanie Giftstoffe gefunden. Foto: Otto-H. Häusser

Der Steinenbronner Gemeinderat muss tief in die Kasse greifen. Bei der Sanierung der Seilerstraße wird mehr verseuchtes Erdreich zu Tage gefördert als erwartet. Die zusätzlichen Kosten werden auf 187 000 Euro beziffert.

Steinenbronn - Die Gemeinderäte zeigten sich bei ihrer Sitzung am Dienstag frustriert. Die Sanierung der Seilerstraße in Steinenbronn erfordert deutlich mehr Geld als gedacht. In den für die Sanierung der Straße veranschlagten 1,624 Millionen Euro sind nun zusätzliche 187 000 Euro enthalten, die für die Entsorgung das Aushubs gebraucht werden.

Der Grund für die Mehrausgaben ist der Fund von Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) im Aushub der Straße. Die Erde ist mit dem als krebserregend geltenden Stoff mit rund 50 Milligramm je Kilogramm kontaminiert. Sie kann nicht auf eine normale Erddeponie gefahren werden. „Wir waren über die Konzentration in dieser Höhe überrascht“, sagte Bauleiter Gebhard Kilgus vom Ingenieurbüro Pirker und Pfeifer.

5700 Tonnen Erdaushub

Es seien zwar Bohrungen gemacht worden. Die hätten jedoch vor allem das Ziel gehabt, die geologische Beschaffenheit des Untergrunds zu erkunden. Bisher habe man Tausend Tonnen Erdaushub entsorgt. Insgesamt sei mit einem Aushub von 5700 Tonnen zu rechnen. Im zweiten Bauabschnitt der Straßensanierung gehe man nach Bohrungen von einer geringeren Belastung aus. Es wurden allerdings jetzt die Entsorgungskosten für den schlimmsten Fall kalkuliert. Sie betragen 290 000 Euro. Mit einem Teil davon hatte man bereits bei der Ausschreibung gerechnet, sodass nun voraussichtlich ein Restbetrag 187 000 Euro über Kredite zusätzlich finanziert werden muss.

Die Gemeinderäte hatten die Hiobsbotschaft bereits in einer früheren Sitzung vernommen. Sie waren deutlich hörbar frustriert und löcherten den Bauleiter mit ihren Fragen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Frank Schweizer wollte wissen, woher diese Giftstoffe kommen können. „Dafür haben wir auch keine Erklärung“, sagte Gebhard Kilgus. Der früher verwendete Straßenteer gelte zwar als PAK-trächtig. Er könne aber nicht als alleinige Ursache gelten. „Wenn es dort in früheren Zeiten einen Brand gegeben hätte, könnte dieser als Ursprungsherd gelten“, sagte der Bauleiter. „Aber ein solcher Brand hätte sich doch nicht über die ganze Straße erstreckt“, fügte er hinzu.

Probebohrungen mangelhaft?

Maren Marino (Offene Grüne Liste) konnte nicht fassen, weshalb die Giftstoffe nicht bereits bei den Probebohrungen entdeckt worden seien. Dies erkläre sich dadurch, dass nur punktuell Bohrungen gemacht worden seien, sagte Kilgus. Das ganze Ausmaß der Belastung sei dann erst beim Aushub entdeckt worden.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Dieter Menzel wollte die Firma haftbar machen, die für die Probebohrungen verantwortlich ist. „Die haben nichts falsch gemacht“, erwiderte Bauleiter Kilgus. Man könne sie deshalb nicht für die Mehrkosten belangen. Die Fraktionschefin der Freien Wählervereinigung, Gitta Obst, legte großen Wert darauf, dass bei künftigen Straßensanierungen intensivere Probebohrungen stattfinden. „Man hätte ja eigentlich auch schon bei der Seilerstraße, einer der ältesten Straßen von Steinenbronn, gewarnt sein müssen“, sagte sie.

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