Der Anhänger der DLRG-Gruppe Steinenbronn steht vor der von der Stadt angekauften Scheuer an der Schafgartenstraße. Foto: Malte Klein

Die Gemeinderäte in Steinenbronn streiten darüber, ob ein Neubau besser ist als die Sanierung einer denkmalgeschützten Scheune an der Schafgartenstraße. Und auch der DLRG-Ortsverein hat eine Meinung dazu.

Steinenbronn - Für die einen ist das Haus mit der Adresse Schafgartenstraße 3 in Steinenbronn ein historisches Juwel im Ortskern, das saniert gehört. Andere sprechen darüber hinter vorgehaltener Hand von „Baden-Württembergs teuerster Garage“, weil darin bald ein Fahrzeug und ein Anhänger Platz finden sollen. Zwischen diesen extremen Positionen bewegen sich die Meinungen im Ort. Das wurde auch in der Debatte des Gemeinderats am Dienstag deutlich. Die Gemeinde hat das Haus gekauft und will einen Teil davon, die frühere Scheune, sanieren. Hintergrund ist, dass es durch die Ortskernsanierung Zuschüsse gibt und Steinenbronn nur 49 Prozent zahlt. Dafür muss die Nutzung später dem Gemeinwohl dienen.

Und das ist mit der Garage und dem Lagerraum, die die Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) nutzen wird, der Fall. Die geschätzten Kosten für die Arbeiten belaufen sich auf 472 000 Euro. Darin ist nur die Sanierung der Scheune enthalten. Was mit dem Wohnhaus geschehen soll, ist unklar. Die Gemeinderäte votierten mit elf Ja- und vier Nein-Stimmen dafür, dass sie die Kostenschätzung zur Kenntnis nehmen, die Schadenskartierung und die Tragwerksplanung in Auftrag geben und die Verwaltung das Baugesuch erstellt. Der Architekt Friedrich Ruoff beschrieb die Arbeiten: „Wir werden einen Schuppen abreißen, der nicht unter den Denkmalschutz fällt.“ Das Zwerchhaus, also eine Art Giebel, soll ebenfalls abgebrochen werden, weil es desolat sei. Der Westgiebel und das Fundament sind marode und müssen gemacht werden.

Die Sanierung sei Flickschusterei

Während der Sitzung sah es erst nicht so aus, dass es einen positiven Beschluss geben würde. Zu umstritten ist die Sanierung der Scheune. „Ich habe während der Klausurtagung 2016 darum gebeten, die Kosten für einen Neubau hinter der jetzigen Fassade zu errechnen. Ich habe bisher keine Infos bekommen“, sagte Otto Elsäßer (Freie Wähler) erbost. Der Charme bliebe so erhalten „Das wäre vermutlich billiger. Die Sanierung ist eine Flickschusterei.“ Bürgermeister Johann Singer sagte, dass das nicht möglich sei: „Wir würden keine Zuschüsse bekommen, wenn wir neben das Heimathaus ein neues Gebäude stellen.“

Elsäßers Fraktionskollegin Gitta Obst, stellte klar, dass die Denkmalbehörde dazu eine deutliche Meinung habe: „Der Erhaltung und Restaurierung ist Vorrang zu geben.“ Sie sehe zwar, dass die Antwort auf Elsäßers Nachfrage fehle. „Wir hätten dann aber keine andere Situation. Ich denke, dass wir das Richtige tun.“ Für sie gehe es um die Rettung des Gebäudes. Es sei sehr gut, dass die Gemeinde die Unterstützung der DLRG als künftigen Nutzer habe und diese 80 000 Euro zahle.

Die Vereinsmitglieder wollen mithelfen

Reinhard Höhn, der Vorsitzende des DLRG-Bezirks Glems-Schönbuch, freut sich auf die Nutzung der Scheune. „Für uns ist das eine Erleichterung“, sagte er. Denn das bedeutet, dass die Ehrenamtlichen ihre Fahrzeuge und Materialien an einem und nicht mehr an fünf Orten haben. „Jetzt müssen wir viel hin- und herfahren.“ Mit dem Fahrzeug und einem Anhänger fahren sie als Strömungsretter zu Einsätzen. Dafür brauchen sie Kletter- und Seilzeug, Neoprenanzüge und ein Schlauchboot. Die Vereinsmitglieder wollen bei der Sanierung mithelfen. Dazu gehören etwa der Boden, der Sanitärbereich sowie die Gas-, Wasser- und Elektroarbeiten.

Rainer Reddehase (CDU) sah die Sanierung kritisch: „Wir sanieren eine Hälfte des Hauses für knapp 500 000 Euro. Wenn wir das gesamte Haus sanieren, kostet das einen siebenstelligen Betrag.“ Aus seiner Sicht sei ein Neubau das wirtschaftlich Beste. „Es ist Geldvernichtung, wenn eine Hälfte leer steht“, erläuterte Reddehase. Singer sagte, er könne diesen Begriff nicht akzeptieren. Die Sanierung sei eine gute Investition. „Negativrenditen sind immer Geldvernichtung“, hielt Reddehase dagegen. Denn letztlich stehe ein Teil des Gebäudes leer und bringe keine Einnahmen.

Roland Kißling (Freie Wähler) sagte, dass im Ort viel über die Sanierung der Schafgartenstraße gesprochen werde. „Manche sagen, dass das so viel Geld sei und wir einen Wahnsinn betreiben.“ Aus seiner Sicht sei der Kauf aber in Ordnung. „Es ist das älteste Haus Steinenbronns und ist erhaltenswert“, sagte er. Außerdem bekomme die Gemeinde ja Zuschüsse.

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