Unter diesem Baum auf dem Steinenbronner Friedhof haben bereits vier Tote in Urnengräbern ihre letzte Ruhe gefunden. Foto: Malte Klein

Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Die Urne hat den Sarg überholt. Die Gründe sind meist praktischer und finanzieller Natur. Ein Pfarrer aus Steinenbronn erklärt, warum sich Grabpflege für Hinterbliebene trotzdem lohnen kann

Steinenbronn - Immer mehr Hinterbliebene bestatten Verstorbene in Urnen. Und immer häufiger an Orten, die nicht gleich an ein Grab erinnern. Dieser Trend zu neuen Grabformen zeigt sich nicht nur in Städten, sondern zunehmend auch in kleineren Gemeinden – wie Steinenbronn. Der evangelische Pfarrer Marc Stippich hat bisher zwei Beerdigungen begleitet, bei denen die Toten in Urnen unter einem Baum in einem neuen Grabfeld ihre letzte Ruhe fanden. Für diese Entwicklung gibt es aus seiner Sicht mehrere Gründe: „Immer mehr Kinder leben entfernt von den verstorbenen Eltern. Das können schon mal 300 Kilometer sein.“ Da sei es schwierig mit der Grabpflege. „Außerdem geht es in vielen Fällen ums Geld“, sagt der Pfarrer. Urnenbestattungen sind meist günstiger.

67 Prozent entscheiden sich für die Urne

Stippichs Eindruck deckt sich mit den Zahlen der Gemeinde Steinenbronn. Im Jahr 2010 sind 53 Prozent der Verstorbenen in einem Sarg beigesetzt worden. „Im vergangenen Jahr haben sich die Angehörigen von 67 Prozent der 24 Verstorbenen für eine Feuer- und 33 Prozent für eine Erdbestattung entschieden“, sagt Sonja Kaiser, die in der Gemeinde für den Friedhof zuständig ist.

Die Gemeinde hat aus dieser Entwicklung, die es zunächst in Städten gab, bereits 2016 Schlüsse gezogen und den Friedhofsberater Joachim Ebinger engagiert. Er sollte sich Gedanken machen, wo Urnengräber eingerichtet und wie der Friedhof stärker an den veränderten Bedarf der Menschen angepasst werden könnte. Heißt: zum Beispiel mehr Urnengemeinschaftsgräber, pflegeleichtere Rasengräber und die Bestattung unter Bäumen.

Es gibt noch 28 freie Plätze auf dem neuartigen Gräberfeld

Inzwischen hat sich der Steinenbronner Friedhof diesbezüglich gewandelt, und die Besucher sehen die ersten neuen Grabformen. Im hinteren Teil ist rund um einen Baum ein Gräberfeld entstanden. „Dort werden die 32 Urnen in zwei Kreisen um den Baum herum bestattet“, sagte Wolfgang Bohn, der Hauptamtsleiter von Steinenbronn, in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Er zeigte auch ein Bild davon. Auf dem Rasen sind Blumen zu sehen. „Das Grab ist ganz frisch“, sagte Bohn. Die Besucher könnten auch am Baumstamm Blumen für die Verstorbenen ablegen.

„Vier Grabstellen sind schon belegt“, berichtet Sonja Kaiser. Nun stehen noch 28 zur Verfügung. Ein sogenanntes Kolumbarium, also eine Urnenwand, gibt es in Steinenbronn nicht. „Wir haben uns für ein Gestaltungsgrabfeld entschieden, weil das bepflanzt werden kann“, sagt Kaiser. Daneben soll noch eine Bank für die Hinterbliebenen aufgestellt werden. „Das Feld ist noch nicht belegt“, sagt sie. Ein Vorteil der Urnenbestattung sei für die Hinterbliebenen, dass die Gräber nur eine Laufzeit von 15 Jahren haben. „Das kommt vor allem älteren Menschen entgegen, die sich die Frage stellen, wer nach dem Grab schaut, wenn sie nicht mehr leben.“ Auf dem Friedhof gibt es nun auch ein Wahlrasengrab, in dem der Sarg unter den Rasen eingelassen wird.

Kirchenvertreter haben nicht gegen Einäscherung

Aus kirchlicher Sicht spreche nicht gegen eine Einäscherung, sagt der Pfarrer Stippich. „Wir Christen glauben, dass wir nach dem Tod einen neuen Leib bekommen und dass dieser mit dem alten nicht mehr verbunden ist.“ Das gehe aus den Paulus-Briefen hervor. Der Pfarrer findet es auch positiv, dass die Asche der Toten in Deutschland auf einem Friedhof beerdigt werden muss und die Angehörigen sie nicht mit sich herumtragen dürfen.

Der Pfarrer sieht übrigens einen durchaus positiven Aspekt an der Grabpflege – für den, der sie zu erledigen hat: „Die Hinterbliebenen, die Gräber pflegen müssen, kommen öfter auf den Friedhof, um zu trauern“, sagt Stippich. „Das tut ihnen gut.“

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