VRS-Chefplaner Thomas Kiwitt hat rund 200 Zuhörer über das laufende Verfahren zu einer möglichen Erweiterung des Steinbruchs informiert. Foto: Werner Kuhnle

Bei einer Infoveranstaltung in Rielingshausen wird eine mögliche Erweiterung des örtlichen Steinbruchs scharf kritisiert und der Bedarf dafür angezweifelt.

Gemeinderat, Ortschaftsrat und Stadtverwaltung haben sich bereits mehrfach gegen eine abermalige Erweiterung des Steinbruchs in Rielingshausen ausgesprochen. Eine Bürgerinitiative (BI) wehrt sich ebenfalls mit Händen und Füßen dagegen, dass eine neue, rund neun Hektar große Fläche im Regionalplan für den Gesteinsabbau freigehalten wird. Die Vertreter des Verbands Region Stuttgart (VRS) um Chefplaner Thomas Kiwitt wagten sich am Dienstag also gewissermaßen in die Höhle des Löwen, als sie in der örtlichen Gemeindehalle vor rund 200 Besuchern aus freien Stücken zum Stand des Verfahrens Stellung bezogen.

 

Zweifel am Bedarf

Und tatsächlich nutzten die Rielingshäuser die Bühne, um ihren Unmut über die Überlegungen kundzutun. Allen voran BI-Sprecherin Carmen Kiesele griff den VRS und insbesondere den Steinbruch-Betreiber, die Firma Klöpfer, scharf an. Sie habe nicht mehr den Eindruck, dass das Verfahren tatsächlich ergebnisoffen sei, sagte sie in Richtung der Planer der Region – die genau das immer beteuern. Außerdem bezweifelte sie, dass es den Bedarf für eine Erweiterung gebe. Man habe keinen Rohstoffengpass, solle auf den wertvollen Flächen lieber Getreide an, statt Gestein abbauen. Die Auswirkungen auf Mensch und Natur wären gravierend. „Hier ist also eine Abwägung zu treffen: Ist die Gier – gut versteckt in das Mäntelchen der Rohstoffsicherung – eines Unternehmens höher zu bewerten als die Lebensqualität?“, fragte Kiesele rhetorisch in die Runde.

Diskussion um Gutachten

Teils ungläubig beäugten Bürger auch den Umweltbericht, den Christof Helbig zu dem Verfahren der Regionalplanänderung beigesteuert hat. Für die Anwohner seien durch die Erweiterung keine „erheblichen Beeinträchtigungen“ zu erwarten, meinte er und stützte sich dabei unter anderem auf bereits vorliegende Gutachten. Thomas Kiwitt deutete an, dass besagte Expertisen, wie von einigen Fragestellern im Publikum durch die Blume auch angemahnt, von der Firma Klöpfer in Auftrag gegeben worden waren. „Die Gutachten werden immer vom Investor bezahlt“, erklärte Kiwitt. Doch die Fachleute seien dabei zur Neutralität verpflichtet.

Industrieverband verweist auf stillgelegte Steinbrüche

Kiwitt versicherte zudem, dass die Würfel in der Sache keineswegs gefallen seien. Alle Stellungnahme würden erfasst und aufgearbeitet. Am Ende entscheide die Regionalversammlung, ob die Erweiterungsfläche für den Abbau vorgehalten werden solle oder nicht. Lothar Benzel vom Industrieverband Steine und Erden würde wohl mit Ja votieren. Er gab unter anderem zu bedenken, dass Steinbrüche in Bietigheim-Bissingen und Cannstatt stillgelegt worden seien, die Abbaumengen müssten kompensiert werden.

Klöpfer verweist auf kurze Transportwege

Benjamin Hoffmann von der Firma Klöpfer hebt auf Nachfrage ebenfalls die Notwendigkeit einer Erweiterung hervor: „Die Firma Klöpfer deckt den Bedarf von mehr als 150 000 Menschen an Zuschlagsstoffen für hochwertige Betone. Ohne die Erweiterung am Standort Rielingshausen sinkt die Eigenversorgungsquote der Region noch weiter. Gelebte Nachhaltigkeit und kurze Transportwege gehören einfach zusammen.“