Sie ist 16 Meter hoch und 800 Meter lang: Die Lärmschutzwand, die um ein DHL-Betriebsgelände in Köngen gebaut wird, soll auf 10 000 Quadratmetern Pflanzen eine Heimat geben.
Die Ausmaße sind gewaltig: Im Zuge der Erweiterung des Köngener Postfrachtzentrums im Neckartal zieht die DHL aktuell eine Lärmschutzwand um ihr Firmengelände. Bis zu 16 Meter hoch und über 800 Meter lang wird das gigantische Bauwerk – aktuell ragen einige bereits teils mit Erde verfüllten karge Betonteile in die Höhe, später soll die Steilwand begrünt werden – und zugleich neue Lebensräume für Natur und Artenvielfalt schaffen.
Die Lärmschutzwand ist nötig, da das im Vorfeld erstellte Schallschutzgutachten aufgezeigt hat, dass die Lärmemissionen trotz weiterer Optimierung der Betriebsabläufe zu hoch wird. Grund für die Erweiterung ist der seit Jahren zunehmende Online-Handel: Laut DHL sind die Grenzen der Leistungsfähigkeit des Paketzentrums bereits überschritten, was eine Kapazitätserhöhung in der Logistik nötig mache. Ein alternativer Standort kam nicht in Betracht: Die Erweiterung des Köngener Paketzentrums sei zwingende Voraussetzung für die nachhaltige und dauerhafte Versorgung der Region Stuttgart mit Paketdienstleistungen, ließ das Unternehmen im Frühjahr verlauten.
Steilwand wird bepflanzt
Das Lärmschutzwandsystem basiert auf einer hochtragfähigen Bohrpfahlgründung mit Fundamentdurchmessern von bis zu 88 Zentimetern. Auf diesen Sockeln werden die Betonfertigteile millimetergenau montiert. Allein die Steilwandfläche umfasst knapp 10 000 Quadratmeter. „Mit diesem Bauwerk setzen wir ein Zeichen: Hier wird Logistik mit modernstem Anwohnerschutz vereint. Es handelt sich nicht um eine einfache Wand, sondern um das bepflanzbare AW4-Lärmschutzwandsystem, das durch Ingenieurskunst, Präzision und ökologische Mehrwerte überzeugt“, sagt Jörg Henke, Vice President „Immobilien Sortierung“ bei der DHL.
Besonderes Merkmal sei die Bepflanzbarkeit des Steilwallsystems: Durch die Massivität und die große Menge an Erde, die innerhalb der Tröge liegt, wird nicht nur eine Begrünung, sondern eine echte Bepflanzung mit heimischen Pflanzen möglich. „Dadurch entstehen vielfältige ökologische Vorteile für Arten- und Naturschutz. Zudem ist eine vollflächige Begrünung in kürzester Zeit gewährleistet“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Verbaut wird das System bereits seit über 30 Jahren im gesamten Bundesgebiet. Es zeichnet sich nicht nur durch seine Langlebigkeit aus, sondern benötigt auch keine künstliche Bewässerung. Laut DHL ist das AW4-Lärmschutzwandsystem in Köngen damit nicht nur ein technisches Bauprojekt, sondern gleichzeitig ein architektonisches und ökologisches Statement, das zeige, wie moderne Logistik mit Rücksicht auf Umwelt und Bevölkerung realisiert werden könne.
In Sachen Erweiterung steht demnächst die Änderung des Flächennutzungsplans sowie des „vorhabenbezogenen“ Bebauungsplans an. Der Köngener Gemeinderat hat bereits auf seiner jüngsten Sitzung seine einhellige Zustimmung dafür erteilt. Den endgültigen Beschluss treffen die Vertreter aus Köngen und Wendlingen Mitte Oktober bei der Sitzung des Gemeindeverwaltungsverbands Wendlingen (GVV) am Neckar, der für das auf beiden Gemarkungsflächen gelegene Gelände zuständig ist.
Wenig Rückmeldung auf die öffentliche Auslage der Pläne
Nach der öffentlichen Auslage der Pläne kamen nur wenige Rückmeldungen, wie Stadtplaner Robert Schneider vom beauftragten Büro ARP Stuttgart erklärte. Vom Polizeipräsidium Reutlingen kam nochmals die Bitte, zu prüfen, ob ein zusätzlicher Anschluss an die B 313 eigens für das Postfrachtzentrum nicht doch in Betracht käme. „Aber das ist seitens des Regierungspräsidiums nicht gewünscht“, sagte Schneider – schließlich habe man die Ausfahrt Köngen-Nord damals eigens wegen des Frachtzentrums gebaut.
Auch die Stadt Wernau hat erneut Bedenken wegen der zusätzlichen Belastung der weiter östlich gelegenen B 313-Anschlussstelle Wernau und hier insbesondere des stark befahrenen Knotens Kirchheimer, Plochinger und Köngener Straße geäußert. „Allerdings sind die Defizite bereits jetzt vorhanden und werden sich nicht weiter dramatisch verschlechtern, zumindest nicht im direkten Zusammenhang mit der Erweiterung des Postfrachtzentrums“, so Schneider. Unterm Strich sei nun rechtlich alles aus dem Wege geräumt, um die Änderungen des Bebauungs- und Flächennutzungsplans in die Wege zu leiten.