Steillagen im Landkreis Ludwigsburg Mehr Geld für die Rettung der Steillagen

Von Philipp Obergassner 

Pressetermin am Wurmberg: auch die Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen und Fabian Gramling legen Hand an die Trockenmauern. Foto: factum/Granville
Pressetermin am Wurmberg: auch die Landtagsabgeordneten Daniel Renkonen und Fabian Gramling legen Hand an die Trockenmauern. Foto: factum/Granville

Grün-Schwarz will den Winzern in den Steillagen helfen und stellt eine Million Euro Fördergelder für den Erhalt von Trockenmauern in Aussicht. Die Wengerter hatten sich das jedoch anders vorgestellt.

Kreis Ludwigsburg - Die Steine dürfen nicht gautschen“, gibt Reinhold Reuschle als Losung für den Tag aus. Der 70-jährige Wengerter bewirtschaftet den Weinberg am Wurmberg, in dem an diesem Montag die Landtagsabgeordneten Fabian Gramling und Daniel Renkonen ein Praktikum als Maurer machen. Ihre Botschaft: Grün-Schwarz tut etwas für die Wengerter und stellt im Haushalt 2017 eine Million Euro bereit, um Winzer in Steillagen mit 3000 Euro pro Hektar unter die Arme zu greifen.

Das Förderprogramm sei „ein Etappensieg“ sagt Renkonen (Grüne), der Beweis dafür, „dass man es nicht bei der Vereinbarung belässt, sondern auch zur Geltung bringt“, sagt Gramling (CDU). Doch gautscht, also wackelt es bei den Plänen, wie Winzer beklagen: Noch vor einigen Wochen standen drei Millionen Euro auf der Agenda. Da habe jedoch das grüne Finanzministerium nicht mitgemacht, heißt es.

Es soll nicht so aussehen wie ein Bewirtschaftungszuschuss

Auch noch unklar ist, welche Richtlinien das Ministerium für den ländlichen Raum für das Programm festlegen wird. Man will nämlich den Eindruck vermeiden, es sei ein reiner Bewirtschaftungszuschuss für den Weinbau in Steillagen, denn da hätte die EU etwas dagegen. Koppelt man es hingegen an die Pflege der Trockenmauern, würden wohl gar nicht alles Geld abgerufen, denn Trockenmauernmuss man nur alle zehn bis 15 Jahre erneuern. Werner Bader, der Geschäftsführer des Weinbauverbands Baden-Württemberg, nennt den Vorstoß „einen guten Anfang, aber das reicht noch nicht aus“.

Die Initiative zum gemeinsamen Termin an der Mauer kommt von Claus-Peter Hutter, dem Leiter der Akademie für Natur- und Umweltschutz in Stuttgart. Seit Jahren geht es ihm darum, das „Machhu Picchu vom Neckartal“ zu erhalten. Die Steinmauern seien zum Teil 1000 Jahre alt. Hutter hat sich die Mühe gemacht, und ausgerechnet, was alle Trockenmauern von Esslingen bis Horkheim, über Kocher, Jagst, Enz und Rems aneinandergereiht an Länge ergeben: er kommt auf knapp 2000 Kilometer. Das Landratsamt schätzt den Wert der Anlagen allein im Kreis Ludwigsburg auf 500 Millionen Euro. Mit knapp 365 von 800 Hektar verfügt der Landkreis in Baden-Württemberg über knapp die Hälfte aller bedrohten Anlagen.

Man fürchtet den Abgang der Wengerter in flachere Lagen

Der Weinbau hat das Problem, dass viele Traditions-Wengerter, die ihren kleinen Weinberg im Nebenerwerb bewirtschaften, aufgeben, weil die Pflege der Steillagen zu intensiv ist: während ein Hektar in normalen Weinanbaugebieten im Jahr etwa 250 Stunden Pflege benötigt, sind es in terrassierten Steillagen bis zu 1200 Stunden. Hinzu kommt, dass es von Seiten der EU seit diesem Jahr die Möglichkeit gibt, Pflanzrechte in flachere und somit lukrativere Lagen zu übertragen.

Bislang gibt es für die Trockenmauern einen Zuschuss von der EU: 900 Euro pro Hektar. Hinzu kommen vom Land geförderte kommunale Zusammenschlüssein „Integrierte ländliche Entwicklungskonzepte“, beispielsweise an der Neckarschleife, wo zehn Kommunen insgesamt 120 000 Euro Hilfen beisteuern. Die Weinstadt Besigheim verfügt über ein eigenes Förderprogramm für Trockenmauern.

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