Welche Kasse ist die richtige für mich? Die Stiftung Warentest rät: Besonders Geringverdiener sollten sehr wohl auf die Leistungen achten, die eine Kasse ihren Versicherten anbietet. Foto: dpa

Kurz vor Weihnachten kündigen die Krankenkassen oft höhere Beiträge an. Die Stiftung Warentest hat bei 82 Kassen nachgefragt und sagt, für wen sich der Wechsel lohnen könnte.

Stuttgart - Kurz vor Weihnachten kündigen die Krankenkassen oft höhere Beiträge an – doch 2018 gibt es da wenig Bewegung, wie die Stiftung Warentest berichtet. Sie hat bei 82 Kassen nachgefragt und sagt, für wen sich der Wechsel dennoch lohnen könnte.

Wie stehen die Aussichten, dass die Beiträge im Jahr 2018 nicht erhöht werden?
Obwohl das Jahresende naht, haben sich noch längst nicht alle gesetzlichen Krankenkassen entschieden, ob sie den Beitragssatz stabil lassen oder verändern. „Rund ein Viertel der 82 Kassen, die wir angeschrieben haben, beschließen dies erst in der Woche vor Weihnachten“, sagt die Projektleiterin Sabine Baierl-Johna von der Stiftung Warentest. Es wird aber für viele Versicherte etwas günstiger werden, so Baierl-Johna. Auch das Bundesgesundheitsministerium prognostiziert, dass der durchschnittliche Zusatzbeitrag für 2018 um 0,1 Prozentpunkte auf ein Prozent sinkt. Der Grund ist die gute Finanzlage der Kassen.
Wie groß sind die Schwankungen bei den Kassen tatsächlich?
Bislang gaben sieben Kassen an, im kommenden Jahr weniger zu verlangen – etwa die schon jetzt günstige Metzinger BKK, die plant, von 14,9 Prozent auf 14,6 Prozent zu gehen und somit den Zusatzbeitrag zu streichen. Auch die Techniker Krankenkasse hat veröffentlicht, den Beitragssatz zu senken. „Drei Kassen kündigten bereits an, ihren Beitragssatz definitiv zu steigern“, sagt Baierl-Johna. Darunter beispielsweise auch die BKK Scheufelen, die ihren Beitragssatz von 15 Prozent auf 15,2 Prozent anheben wird – womit sie dann immer noch zu den sehr günstigen Kassen gehört.
In welchen Bereichen werden die Kassen Leistungen kürzen, an welcher Stelle wird das Angebot eher erweitert?
Auch bei dieser Frage rückten die Vertreter der jeweiligen Krankenkassen nicht so ganz mit der Sprache heraus: „Etwa ein Viertel der Befragten hat angegeben, dass sie die Satzung ändern werden“, sagt Baierl-Johna. Allerdings geht die Warentesterin eher davon aus, dass die Versicherten von dieser Entwicklung profitieren werden. Ein Trend, der sich beispielsweise fortsetzen wird, ist, homöopathische und naturheilkundliche Behandlungen in das Leistungsspektrum aufzunehmen. „Viele Kassen bezuschussen Behandlungen“, sagt Baierl-Johna. Wenn auch nicht beim Wunscharzt der Versicherten: „Meist gibt es die Behandlung nur bei den naturheilkundlichen Ärzten, die mit der Krankenkassen einen Versorgungsvertrag abgeschlossen haben.“
Wie findet man die passenden Leistungen?
Große Unterschiede gibt es zwischen den einzelnen Kassen nicht. „Die medizinisch notwendigen Leistungen, die etwa 95 Prozent des Angebots ausmachen, sind bei allen gleich“, sagt Baierl-Johna. Die Stiftung Warentest empfiehlt daher bei der Auswahl folgende Faustregel: je mehr man verdient, desto mehr lohnt es sich, auf den Beitragssatz der Kasse zu achten. Denn umso höher ist die Ersparnis bei einem Wechsel zu einer günstigen Kasse. Das gilt auch für alle, die keinen Wert auf Extras und Geschäftsstellen legen. Am günstigsten ist für die Versicherten in Baden-Württemberg bislang die Metzinger BKK mit einem Beitragssatz von gerade mal 14,9 Prozent. Sie wird aber aller Voraussicht nach auch im kommenden Jahr bundesweit die einzige Kasse sein, die keinen Zusatzbeitrag erheben wird.
Besonders Geringverdiener sollten aber sehr wohl auf die Leistungen achten, die eine Kasse ihren Versicherten anbietet. Denn je weniger man verdient, umso mehr fällt es ins Gewicht, wenn die Kasse teure Extras bezahlt, auf die man Wert legt. Um die zu finden, hilft nur der Vergleich: Entweder man liest auf den Webseiten die einzelnen Satzungen der Kassen durch. Oder aber man nutzt die Datenbank, in der alle Extraleistungen der Kassen von der Stiftung Warentest in einem Produktfinder aufgelistet sind: test.de/Krankenkassen.
Wie viel lässt sich mit einem Wechsel sparen?
Was bei einem Kassenwechsel unterm Strich an Ersparnis herauskommt, hängt vom Einkommen des Versicherten ab und von dessen Besteuerung. Die Stiftung Warentest hat dazu folgende Beispielrechnung: „Verdient jemand monatlich 3000 Euro brutto, spart er durch Wechseln von der teuersten in die günstigste Kasse etwa 33 Euro im Monat, rund 400 Euro im Jahr.“ Wer mit seinem Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze liegt – also mehr als 4425 Euro im Monat verdient – kann ebenfalls sparen. Aber: Da nach dem Wechsel mehr Bruttolohn zu versteuern ist, bleibt von der Ersparnis nicht viel.
Wie gelingt der Wechsel?
Wer in eine andere Krankenkasse wechseln möchte, sollte bei seiner bisherigen mindestens 18 Monate lang Mitglied gewesen sein. Erhöht die Kasse ihren Zusatzbeitrag, gibt es zudem das Sonderkündigungsrecht. Für solche Fälle hat der Verbraucherzentrale Bundesverband einen Musterbrief erstellt, der auf der Homepage verbraucherzentrale.de zu finden ist. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate zum Monatsende. Ist die Kündigung erfolgt, stellt die Kasse eine Kündigungsbestätigung aus. Diese wird zusammen mit dem Mitgliedsantrag bei der neuen Kasse eingereicht. Bis zur Aufnahme muss diese eine Mitgliedsbescheinigung ausstellen, die beim Arbeitgeber eingereicht wird. Grundsätzlich gilt: Keine Kasse darf gesetzlich Versicherte ablehnen, sofern sie keinen regionalen oder beruflichen Beschränkungen unterliegt.
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