teigende Preise erhöhen die Nachfrage nach dem Brennstoff – auch jenseits des Rechts. Foto: dpa

Brennholz ist so beliebt und teuer wie nie zuvor. Kein Wunder, dass sich in den Wäldern des Landes viele Langfinger zu schaffen machen. Waldbesitzer haben meist das Nachsehen.

Stuttgart - Gut, man kann seinen Besitz auch auf dem Silbertablett servieren. So wie jener Waldbesitzer aus dem Raum Stuttgart, der seine frisch geschlagenen Buchen am Wegesrand, nicht weit entfernt von einem Parkplatz, platziert hatte. Wenig später waren die Diebe da – und das Holz weg. Mit einer Motorsäge hatten sie die Stämme in ein Meter lange Stücke geteilt und bequem abtransportiert. Unerkannt natürlich.

 

Ein Einzelfall? Mitnichten. Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg verzeichnet für das vergangene Jahr 807 Fälle von Holzdiebstahl. Das ist zwar etwas weniger als in den Jahren zuvor, als jeweils zwischen 900 und 1000 Diebstähle zur Anzeige gebracht wurden. Doch die Statistik hat nur bedingt Aussagekraft. Die Dunkelziffer ist hoch, nicht jeder Eigentümer stellt gleich eine Strafanzeige. Außerdem sagen die Zahlen nichts darüber aus, ob ganze Stämme oder nur ein paar Rugel geklaut wurden.

Nach Ansicht von Jerg Hilt hat sich das Kriminalitätsproblem mit der wachsenden Nachfrage verschärft. Der Preis steige seit Jahren, vor allem beim Brennholz, und mit ihm „automatisch sämtliche Nebenwirkungen“, wie der Geschäftsführer der Landesforstkammer sagt. Geklaut werde im Prinzip alles – vom Klassiker Fichte bis zur Buche, die sich wegen ihres hohen Brennwerts besonders gut zum Heizen eignet.

Meist Einzeltäter

Diebe haben im Wald meist leichtes Spiel. Da die Reviere immer größer werden, gibt es kaum noch Wegschranken. Zwar ist das Befahren von Waldwegen grundsätzlich verboten, doch wer hält sich schon daran – und wer kontrolliert es? Der frisch geschlagene Rohstoff ist kaum zu sichern. Bisweilen liegt er für mehrere Wochen an Ort und Stelle. „Die Waldwirtschaft arbeitet noch nicht so just in time, dass sie das Holz fällen, verarbeiten und gleich abtransportieren kann“, erklärt Jerg Hilt.

Meist handelt es sich um Einzeltäter, etwa um Nachbarn, die wissen, wo gerade Bäume geschlagen wurden. Bandenmäßigen Diebstahl schließt die Polizei im Südwesten bislang aus. Anders in Norddeutschland und in Nordrhein-Westfalen, wo bereits der Begriff von der Holzmafia die Runde macht. Dort sind Coups von Banden bekannt, die mit dem Lkw ganze Stämme aus dem Wald abtransportiert haben. Bundesweit soll der Schaden jährlich in die Millionen gehen.

Die Waldbesitzer haben bereits Gegenmaßnahmen ergriffen. So werden Peilsender eingesetzt, mit denen das Diebesgut verfolgt werden kann. Andernorts wird mit künstlicher DNA experimentiert, um die Stämme zu markieren. Oder das Holz wird mit Spezialfarben markiert. Allein, die großen Erfolge haben sich noch nicht eingestellt. Es wird weiter geklaut.

Pelletheizungen und Holzöfen, eine einzige Erfolgsgeschichte

Die Gründe liegen auf der Hand. Pelletheizungen und Holzöfen in deutschen Wohnstuben sind eine einzige Erfolgsgeschichte. Der Brennholzverbrauch hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdreifacht. Mit der Zahl der verkauften Öfen stieg auch der Preis – von 33 Euro pro Festmeter im Jahr 2005 auf mittlerweile 61 Euro.

Im Vergleich zu Heizöl ist das immer noch günstig: Die Kilowattstunde Energiegehalt für Brennholz liegt bei zwei Cent, beim Öl kostet sie knapp neun Cent. Dennoch verschafft der gestiegene Preis – unter allen Sorten war der Anstieg nirgendwo so drastisch wie beim Brennholz – offenbar zusätzlich Anreiz zum Holzklau.

14 Prozent beträgt im Übrigen der Anteil von Heizholz am gesamten Einschlag – Tendenz ebenfalls steigend. Insgesamt wächst aber mehr nach, als gerodet wird. Und wer Wert auf heimischen Konsum legt, kann beruhigt sein: Das meiste hier verkaufte Brennholz stammt auch von hier.