Der Körpersprache-Experte Stefan Verra zündet am Donnerstagabend ein Feuerwerk, das schlau und Spaß macht. Man könnte auch sagen: Er hat ein Rezept für eine bessere Welt.
Der berühmte erste Eindruck – es gibt ihn. Es muss ihn geben, weil wir als Menschen soziale Wesen sind und uns sonst nicht orientieren können. Natürlich braucht es den zweiten Blick: den auf das, was in uns steckt. Aber – und das betont der österreichische Körpersprachenexperte mehr als einmal am Donnerstagabend im Sparkassenforum Böblingen: Wir wirken mit unserer Körpersprache, und wir werden daran blitzbeurteilt. Egal, ob das nur die halbe Wahrheit ist.
„Das tut manchmal weh“, sagt Verra. Dann, wenn man anders wahrgenommen wird, als man ist. Wenn das Temperament, das angeboren ist, eher ein stilles ist und man, weil man es eben nicht besser weiß, ständig wie ein nasser Sack ohne Profil und Energie wahrgenommen wird. Und umgekehrt natürlich: Wenn jemand, der seinen ganzen Körper als Stimme nutzt, reduziert wird auf Spaßgranate ohne Tiefgang. In mehr als zwei Stunden auf der Bühne brennt er ein Feuerwerk von klugen Analysen, feinsten Beobachtungen und sehr viel Freude ab.
Der kleine Österreicher ist auf der Bühne ein ganz Großer. Das ist ganz wörtlich gemeint. 1,60 Meter misst er, macht gern selbst Witze darüber. Er hat die Bühnenpräsenz von diesem „Rainer, 1,85 Meter groß“, aber im Gegensatz zu Verra ist der Hüne leider sehr unsympathisch. Echt passiert, in Frankfurt auf einem Business-after-irgendwas-Treffen. Der Riese macht alles falsch: Er geht langsam auf die Fremden seiner Veranstaltung als Chef von 1000 Leuten zu, der Arm bleibt beim Handgeben an den Körper gepresst, als ob er Sekundenkleber unter der Achsel hätte, die eine Hand klemmt in die Hosentasche und die andere landet als „toter Fisch“ beim Gegenüber.
„Freude weist immer nach oben“
Der Kleine macht alles anders. Er saust über die Bühne, geht vor, zurück, reißt Arme, Augenbrauen und Mundwinkel hoch und das Publikum mit – „Freude weist immer nach oben“. Verra ist schnell, quirlig, redet viel. Ja, sagt er, das sei sein Temperament. Alles andere sind Gewohnheiten, die sich der Körper quasi merkt zwecks Faulheit: Wenn einer dauernd die Stirn in Falten legt, denkt sich der Körper, dann will der das so. Und so schaut man eben auch aus.
Zig solcher Fehlwahrnehmungen und Fehleinschätzungen wiederholt Verra mit vielen anschaulichen Beispielen und oft auch wissenschaftlichen Erklärungen. Der letzte im voll besetzten Saal versteht es am Ende: Du bist, was Du zeigst. Mehr sieht Dein Gegenüber zunächst nicht. Und anders herum: Lasst Euch nicht von Worten blenden. Erst durch die Mimik, Gestik, Emotion in der Stimme wird das Gesagte zur Botschaft. Er gibt Tipps, wie man das jetzt sofort anwenden kann, wenn man will. Wir wollen sympathisch wirken, meinen, dass wir das auch seien, dabei: „Lauf mal durch die Fußgängerzone und schau den Leuten ins Gesicht.“ Der gebürtige Tiroler sagt zwar dauernd „Du musst das so machen“, aber das ist nicht als Befehl gemeint. Das sei nur eine Einladung und halt Tiroler Gewohnheit.
Er nämlich hat eine tiefe Botschaft dabei: Wir müssen (Tirol, gell) erstmal geben, bevor wir nehmen können. Wenn wir angelächelt werden wollen, müssen wir erstmal selbst lächeln. Wenn wir ankommen wollen, müssen wir zuerst losgehen. Und zwar jetzt sofort.
Besser wirken
Seminar
Der Körperspracheexperte gibt bundesweit Seminare unter der Überschrift „Einfach.Besser.Wirken“. Auch in Stuttgart gastiert er regelmäßig. Der nächste Termin ist am 6. Dezember. Alle Termine und mehr unter: www.stefanverra.com.