Schauspielkunst trifft Magie: Stefan Sieberts Leidenschaft ist die Zauberei. Foto: s-t-e-f-a-n.de/

Der in Sindelfingen aufgewachsene Stefan Siebert studiert Schauspiel in München. Sein zweites Standbein ist die Zauberei, mit der er beachtliche Erfolge feiert. Sein Traum: Beide Leidenschaften mit einander verbinden.

Die Bühne ist dunkel und leer. Nur ein großer Karton steht auf einem Podest in der Mitte. Aus den Boxen wummert treibende Musik. Ein junger Mann betritt die Spielfläche. Mit gewinnendem Lächeln hebt er die Arme und klatscht fürs Publikum den Rhythmus vor. Mit dynamischen Schritten geht er auf den Karton zu. Er macht ein paar beschwörende Gesten. Plötzlich beginnt der Karton zu wackeln und scheint dann wie auf Kommando frei zu schweben. Schließlich öffnet sich der Deckel und eine junge Frau kommt zum Vorschein. Lächelnd lässt sie sich von dem Zauberkünstler herausheben, der sie nach einer eleganten Tanzdrehung auf der Bühne absetzt.

 

Kandidat für eine ARD-Serienhauptrolle

Der junge Mann, der hier im Theaterhaus Stuttgart mit großem Applaus gefeiert wird, ist Stefan Siebert. Der Sindelfinger ist von Kindesbeinen an fasziniert von der Zauberei, wurde schon als elfjähriger in den Magischen Zirkel aufgenommen, hat als 19-Jähriger bei den Norddeutschen Meisterschaften der Zauberkunst den ersten Preis in „Allgemeiner Magie“ gewonnen und ist Preisträger bei den Deutschen Meisterschaften 2022.

Der Tanz mit dem schwebenden Karton im Theaterhaus im Rahmen der Nachwuchszaubergala „Next Generation of Magic“ liegt bereits zwei Jahre zurück. Im Moment bereitet sich der heute 23-Jährige auf einen ganz anderen Auftritt vor: „Am 12. Juni habe ich Premiere mit unserem Abschlussstück am Akademietheater“, sagt Siebert. Der in Sindelfingen aufgewachsene Schauspielstudent steht kurz davor, seinen Bachelor an der Theaterakademie August Everding in München zu machen. Danach hofft er, ein Engagement für ein Profi-Ensemble an einem Theater zu bekommen. Auch eine TV- oder Filmrolle erscheint in Reichweite: „Zuletzt war ich in der Endrunde für die Hauptrolle einer neuen ARD-Serie“, erzählt der junge Mann, „aber das wäre nicht gegangen, weil das Studium noch zu viel Zeit beansprucht“, sagt Siebert.

Auf vielen Bühnen daheim

Wirklich traurig ist er darüber nicht. „Ich bin in einer Schauspielagentur“, erzählt er. Dort rechne man sich gute Chancen aus, dass sich schon bald neue attraktive Rollenangebote für ihn auftun. Wirklich verwunderlich wäre das nicht. Auf seinen PR-Fotos sieht Stefan Siebert aus, als könnte er neben Shawn Mendes und Harry Styles im Zimmer eines schwärmenden Teenagers hängen.

Die Fähigkeit, sein Publikum zu verzaubern – ob weiblich oder männlich, ob mit Zaubertricks oder Schauspielkunst – zeigte sich schon früh bei Stefan Siebert. Am Sindelfinger Goldberg-Gymnasium, wo er vor fünf Jahren sein Abitur gemacht hat, war er fester Bestandteil der Musical-AG. Im Jahr 2012 stand er unter der Regie von GGS-Chorleiterin Monika Roos bereits in dem Musical „Die sieben Raben“ auf der Bühne. Vier Jahre später, als 16-Jähriger, spielte er in der GGS-Aula die Hauptrolle in „Die Schöne und das Biest“. Für die Adaption des Disney-Musicals wurde der GGS-Oberstufenchor mit dem Lotto-Musiktheater-Preis ausgezeichnet.

Regie führte damals Ingo Sika, der seine Schauspielleidenschaft ebenfalls am GGS entdeckt und entwickelt hat. Mit ihm arbeitete Stefan Siebert bereits bei der stadthistorischen Inszenierung „Sindolfs Traum“ im Rahmen des Sindelfinger 750-Jahr-Jubiläums und den folgenden Biennale-Festivals zusammen. Hier spielte er in dem von Frank Martin Widmaier inszenierten „Sindelfinger Jedermann“ (2015) sowie im Biennale-Musical „Bühne der Träume“ (2017) mit.

Der Gesangsunterricht nützt ihm auch auf der Theaterbühne

Ein Jahr später, Siebert steckte gerade mitten im Abi-Prüfungsstress, wirkte er zum bisher letzten Mal in einer lokalen Produktion mit. Die als Plattform für Nachwuchsförderung von Ingo Sika und Siegfried Barth begründete Junge Bühne Sindelfingen debütierte im Theaterkeller mit dem Musical „Next to Normal“. Wie schon bei seinen vorherigen Bühnenerfahrungen kam Siebert hier zugute, dass er zu seinem schauspielerischen auch gesangliches Talent mitbringt.

Bereits als Grundschüler sang er bei den Sindelfinger Martinsfinken, dem Kinderchor des Martinskirchenkantorats. Am GGS war er vom Unter- über Mittelstufen bis zum Oberstufenchor mit dabei. Zudem nahm er Gesangsunterricht bei einem Opernsänger. „Das hilft mir bis heute“, sagt der Schauspieler, der so die Stimmbildung auch bei Sprechrollen umsetzen kann.

Aus seiner Zeit bei den Martinsfinken kennt Siebert übrigens die Hanke Brothers. Gemeinsam mit der vierköpfigen Bruder-Band hat er eine Musik- und Magic-Show auf die Beine gestellt. Mit Erfolg: Zuletzt stellten die Chor-Freunde aus Kindertagen das Programm vor ausverkauften Rängen im Sindelfinger Zirkuszelt von Möbel Hofmeister vor. „Mit der Zauberei finanziere ich mein Studium. München ist ja nicht gerade günstig“, sagt Siebert. Weil der Bachelor eine volle Aufmerksamkeit fordert, bleibe fürs Zaubern allerdings gerade wenig Zeit. Dabei hat damit seine Bühnenleidenschaft wohl überhaupt erst angefangen.

„Als ich fünf war, hat mein Opa mir einen Zaubertrick gezeigt, bei dem er eine Münze verschwinden ließ“, erinnert sich der 23-Jährige an seine Anfänge. Als er den Trick nach langem Üben schließlich selbst beherrschte, führte er ihn seinen staunenden Eltern vor. „Diese Gesichter werde ich nie vergessen“, strahlt er noch heute beim Gedanken an diese erste Zaubervorstellung. Sie legte den Grundstein für eine beeindruckende Entwicklung, bei der die Aufnahme in den Magischen Zirkel Stuttgart im Jahr 2011 als damals jüngstes Mitglied nur eine von vielen Stationen war.

Seine Vision: ein eigenes Theaterstück über Zauberkunst

Weil im Moment das Studium Priorität hat, muss das Kaninchen im Zylinderhut beziehungsweise die hübsche Assistentin vorerst im Karton ausharren. Auf lange Sicht träumt Stefan Siebert aber davon, seine beiden Leidenschaften miteinander zu kombinieren. „Meine Vision ist ein eigenes Theaterstück, in dem es um Zauberei geht“, sagt Siebert. Es soll darin um den Wettstreit zweier Zauberkünstler gehen.

Klingt nach einer magisch-guten Idee.