Politik zwischen Caipi und Hugo: Stefan Mappus beim Neujahrsempfang der Stuttgarter Jungen Union. Foto: dpa

Der Ex-Ministerpräsident kokettiert gern mit seinem Comeback, doch eigentlich will er nur ab und zu übers große Ganze reden.

Stuttgart - Will er nun oder will er nicht? Plant Stefan Mappus tatsächlich sein politisches Comeback? Der frühere Ministerpräsident genießt es sichtlich, wenn Journalisten ihm diese Frage stellen. Mit lachender Miene blickt er sie dann an und sagt Sätze wie: „Natürlich juckt es noch.“ Oder: „Bei mir ist noch gar nichts abgeschlossen, ich bin ja erst 50.“

Auch am Donnerstagabend hörte sich das so an, als der CDU-Mann beim Neujahrsempfang der Stuttgarter Jungen Union als Gastredner auftrat. „Wir sind gespannt, welchen Blick er jetzt auf die Politik hat“, sagte JU-Kreisvorsitzender Maximilian Mörseburg.

Die Bar an der Theodor-Heuss-Straße war rappelvoll, und auch ältere Semester schauten neugierig vorbei: Alexander Kotz zum Beispiel, der CDU-Fraktionschef im Gemeinderat. Hier eine Umarmung, dort ein Küsschen: Wer glaubt, der frühere Regierungschef sei wegen seiner Wahlniederlage oder seines Schiffbruchs beim Kauf der EnBW-Aktien nur noch bei Pforzheims Christdemokraten eine Größe, der täuscht sich. Aber ein Comeback?

Mehr als Koketterie steckt wahrscheinlich nicht dahinter. Der Mann aus Mühlacker war viel zu lange in der Politik, um nicht zu wissen, dass alles seine Zeit hat – gerade auf dieser Bühne. Und dann sitzt der studierte Wirtschaftswissenschaftler ja beruflich auch wieder fest im Sattel. Der Vorstandsjob beim Münchener IT-Unternehmen pmOne mache ihm jedenfalls Spaß, sagt er. Und doch: Mal soeben die Weltlage skizzieren und einem lauschenden Publikum erklären, wohin das deutsche Schiff steuert, das ist für einen homo politicus wie Mappus schon ein besonderer Genuss. Deswegen wird er auch nie von dieser Droge loskommen.

Also holte der Christdemokrat aus und erklärte eine Dreiviertelstunde lang, warum Europa wieder enger zusammenrücken müsse. Dass dabei auch Deutschland Kompromisse eingehen müsse, zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik. Und dass das Asylrecht keine Obergrenze verträgt. Eine Zahl nannte er dann trotzdem: 50 000 bis 60 000 Flüchtlinge aufzunehmen, dürfe ja kein Problem sein. Grenzenlos sei die Integrationsfähigkeit aber auch nicht.

Dass er mit seinem Schicksal nicht mehr hadert, lässt sich auch am Umstand ablesen, dass sich Mappus demnächst malen lassen will. Es hat lange gedauert, bis er einwilligte, ein Porträt für die Galerie der Ministerpräsidenten in der Villa Reitzenstein anfertigen zu lassen. Einen „sehr bekannten Künstler“ habe er dafür ausgesucht, sagte Mappus. Jetzt müsse noch das Staatsministerium zustimmen. Dann kann der Mann auf Pforzheim Modell sitzen.

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