Für Ministerpräsident Stefan Mappus gibt es trotz der anhaltenden Proteste nichts zu rütteln an Stuttgart 21. Foto: dpa

Wie der Ministerpräsident versucht, in Mannheim die Bedenken wegen S 21 zu zerstreuen.

Mannheim - Parteifreunde können gemein sein. Da müht sich der Ministerpräsident um sein schönstes Lächeln für das gemeinsame Foto - und die rheinland-pfälzische CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner ruft: "Herr Mappus, denken Sie an Stuttgart 21!" Er lacht trotzdem, denn dem Thema entgeht er ohnehin nicht. Wo auch immer Mappus in diesen Tagen hinkommt - Stuttgart 21 ist schon da.

Vor dem Kulturhaus Mannheim-Käfertal warten wenigstens keine Parkschützer. "Ich hupe für den Atomausstieg", bekundet ein Häuflein Demonstranten, ansonsten blickt er in die Augen von Gleichgesinnten. Die örtliche CDU, im roten Mannheim eher schwachbrüstig, hat zum Frühstück geladen. Stadtteilsanierung, Bildung, Migranten, solche Themen kommen hier aufs Tapet und würden wohl den Vormittag füllen - gäbe es da nicht jenes Bahnhofsprojekt.

Mappus steigt gleich selbst damit ein und greift jene Sorge auf, die Stuttgart 21 auch den Kurpfälzern suspekt macht: dass der Superbahnhof andere Vorhaben kannibalisiert. Windige Argumente seien das, sagt er und warnt, die Regionen würden gegeneinander ausgespielt. Es gebe drei zentrale Bahnprojekte im Südwesten, nicht nur eines - und dazu zähle auch die geplante Schnellbahnstrecke Frankfurt - Mannheim.

"Hier ist keiner emotional befangen"

Hinten im Saal steht Klaus Seiler und wiegt bedenklich den Kopf. Er ist extra aus Seckenheim hergefahren, um mal den Ministerpräsidenten zu sehen, und sagt: "Draußen in Friedrichsfeld haben sie die Arbeiten an einer Brücke gestoppt, weil sie Geld für Stuttgart 21 abziehen." So ganz verfangen Mappus' Argumente also noch nicht.

"Hier ist keiner emotional befangen, die Menschen lassen mit sich reden", sagt derweil Georg Wacker, Kultusstaatssekretär und Abgeordneter aus der Region. Seine Schriesheimer oder Ladenburger machen ihr Wahlkreuz bestimmt nicht von Stuttgart 21 abhängig, davon ist er überzeugt.

Und was die jüngste Umfrage angeht, in denen CDU und FDP zusammen nur noch 40, Grün-Rot aber 48 Prozent haben, meint Wacker: "Das wird unsere konservativen Wähler mobilisieren." Wenn die Gefahr drohe, dass ein Grüner Ministerpräsident werde, gingen auch die Wahlmüden wieder zur Urne.

Kurs halten

"Gute Politik besteht darin, auch bei einem schweren Start Kurs zu halten", schmettert Mappus vorne ins Mikrofon. Und damit auch den Ängstlichen die Hosen nicht mehr flattern, ruft er den Schutzheiligen der Konservativen an: Helmut Kohl. "Ein Bürger, der unweit von hier wohnt", nennt ihn der 44-Jährige. Habe der nicht in der Nachrüstungsdebatte der 80-er Jahre den Protest von Zehntausenden ertragen, damit aber den Niedergang des Ostblocks beschleunigt? Soll heißen: Aus diesem harten Holz sei auch er, Mappus, geschnitzt. Solche Typen imponieren ihm.

Heinz Scheidel ist so einer. Der Chef des Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzerns hat mehr als 2000 Menschen in Lohn und Brot und ist das, was man einen Patriarchen nennt. Mappus sitzt im Konferenzraum und hört staunend, wie sich das Familienunternehmen gegen alle Wirtschaftskrisen behauptet hat. Unter anderem mischt das Unternehmen auch bei Mannheim 21 mit - ein städtebauliches Großprojekt südlich des Hauptbahnhofs. Als Mappus das hört, fragt er scherzhaft: "Und, alles glatt gegangen bei 21?" Da ist es wieder, das Marschgepäck des Ministerpräsidenten. Scheidel lacht und sagt: "Bei uns - ja."

Mappus merkt auch auf, als der Firmenchef bei einem Projekt bemerkt, man baue elf Meter tief im Grundwasser. "In Mannheim gibt es offenbar keine Löcher, in denen Häuser verschwinden", bemerkt der Regierungschef sarkastisch. Das Thema treibt ihn mehr um, als er sich anmerken lässt. Bauen im Grundwasser? "Anspruchsvoll, aber beherrschbar", sagt Scheidel. Genauso sieht Mappus wohl auch die CDU-Situation mit Bick auf die Landtagswahl.

"Wir geben jetzt so richtig Gas"

Auf der MS Kurpfalz im Neckarhafen erwartet ihn nicht nur seine rheinland-pfälzische Parteifreundin Julia Klöckner, die am 27. März 2011 Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ablösen will, sondern auch mehrere dutzend Unternehmer und andere hochmögende Persönlichkeiten. Vor zwei, drei Jahren wären sie sicher nicht zu dieser Vorwahlkampftour gekommen, denn die Mannheimer CDU hatte sich mit internen Querelen ins Abseits manövriert. Doch unter ihrem neuen Chef Claudius Kranz ist Ruhe eingekehrt, außerdem geht es am 27. März um etwas. "Wir geben jetzt so richtig Gas", feuert Mappus die Runde an, macht seinen Pfälzer Parteifreunden Honneurs und malt ein Bild vom Wahlabend, an dem "die Säulen endlich mal wieder steigen".

War da nichts was? "Es wäre schön, wenn wir ein anderen Thema fänden", bemerkt Dietmar von Hoyningen-Huene, früherer Rektor der Mannheimer Hochschule, "aber das ist nicht so einfach." In Stuttgart selbst, so meinen viele, lasse sich die Anti-CDU-Stimmung kaum mehr drehen. Also komme es auf andere Regionen an. Zum Beispiel auf die Kurpfalz. Mappus klopft ihnen beim Gehen auf die Schulter, und es klingt wie ein Befehl, als er sagt: "Ihr kämpft!"

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