Die Asiatische Tigermücke, hier ein weibliches Exemplar, ist mittlerweile auf der ganzen Welt heimisch. Foto: dpa/James Gathany

Die Stechmücke taucht auch im Strohgäu in Korntal-Münchingen auf. Bürger sollen dem Eindringling zu Leibe rücken und Brutstätten trockenlegen. Eine Gefahr für die Gesundheit stellt das Insekt aber nicht dar, beruhigt das Gesundheitsamt.

Korntal-Münchingen - Mitte August hat es in Korntal-Münchingen Alarm gegeben: Die Asiatische Tigermücke sei gesichtet worden, warnte die Umweltstelle in einem Flugblatt, das sie unter anderem in Hausbriefkästen verteilte. Das sechs Millimeter große Fluginsekt steche nicht nur fies, sondern übertrage gefährliche Krankheiten, lässt die Stadtverwaltung zusätzlich auf ihrer Internetseite die Bevölkerung wissen.

Sie forderte Bewohner im Bereich Charlottenstraße im Ortsteil Korntal auf, wo erste Exemplare gesichtet worden waren, „kleinste Wasseransammlungen“ trockenzulegen oder abzudecken, um mögliche Brutstätten zu „eliminieren“. Betroffene in der Gefahrenzone können ihre Regentonne oder andere Wasserbehältnisse mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel von Mückeneiern befreien, das die Stadt bis heute kostenlos in Tablettenform verteilt. Der Wirkstoff wird aus einem Bodenbazillus gewonnen, der zum Bespiel im Baumarkt bei den Schädlingsbekämpfungsmitteln frei käuflich ist.

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Trotz allgemeiner Verunsicherung durch das Coronavirus habe es nach dieser Nachricht keine überbesorgten Anrufe gegeben, berichtet Inga Häuser von der städtischen Umweltstelle. Auf sie geht die Aktion zurück. Insgesamt 75 Reaktionen habe es in den vergangenen fünf Wochen aus der Bevölkerung gegeben. Jeder einzelnen werde nachgegangen, versichert sie. Mancher Einwohner schickt Fotos erlegter oder noch lebender Mücken ins Technische Rathaus nach Korntal. Andere geben ihre Insektenbeute persönlich ab, um sich aus Expertensicht die Echtheit der Aedes albopictus bestätigen zu lassen.

Mücke übertragt kein Coronavirus

Neben ihrer Größe sind eine Schwarz-Weiß-Färbung und fünf weiße Streifen an den Hinterbeinen weitere Auffälligkeiten an der Asiatischen Stechmücke.

Wer nur die Überschrift der städtischen Meldung „Asiatische Tigermücke - Verbreitung verhindern!“ wahrgenommen hat, könnte daraus ableiten, dass eine tatsächliche Bedrohung aus der asiatischen Insektenwelt kommt. Doch wer den Text liest, stößt im zweiten Abschnitt auf eine Entwarnung: Die Mücken übertragen Krankheiten, die „bei uns zum Glück nur selten auftreten“, steht da. Als Beispiel nennt Häuser das Denguefieber, den Chikungunya- oder Zika-Virus. Die Übertragung solcher Tropenkrankheiten sei „äußerst unwahrscheinlich“, beruhigt die Stadt ihre Bewohner. Das Coronavirus werde auf diese Art sowieso nicht übertragen. Da die Tigermücke im Gegensatz anderer heimischer Mücken auch tagsüber steche und ziemlich aggressiv sei, werde sie jedoch schnell zur Plage, auch wenn keine unmittelbare Krankheitsgefahr von dem Insekt ausgehe.

Tropenkrankheiten kein Thema – noch

Im Gesundheitsamt, das beim Landratsamt Ludwigsburg angesiedelt ist, sieht man ebenfalls keine besondere Gefahrenlage: Dass im Landkreis die Asiatische Tigermücke aufgetaucht ist, sei dem Gesundheitsamt bekannt, gibt ein Sprecher Auskunft. Das Vorkommen der Mücke allein sei nicht meldepflichtig. Die Erkrankung an einer Tropenkrankheit nach dem Infektionsschutzgesetz dagegen schon. Doch im Unterschied zu Covid-19 sind dem Gesundheitsamt keine tropenerkrankten Personen bekannt. Der Sprecher stellt fest: „In Deutschland besteht für die Mücken bislang sehr wenig bis gar keine Möglichkeit, an erkrankten Personen aufzutanken.“ Dies bedeute aber nicht, dass „wir nicht in naher Zukunft mit dem Thema Übertragung von tropischen Infektionskrankheiten konfrontiert werden“, so der Landkreis-Sprecher weiter.

Fernreisen während des Urlaubs sind in diesem Jahr die Ausnahme geblieben. Daher geht die Korntal-Münchinger Umweltstellenleiterin nicht davon aus, dass die Asiatische Tigermücke in nächster Zeit größeres Unheil als brennende Stiche auf der Haut anrichten wird. Die Aktion versteht Inga Häuser auch als Prophylaxe. Denn wo keine Stechmücken sind, gibt es keine surrenden Krankheitsüberträger.

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