Das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus am Stauffenbergplatz in Stuttgart. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die vier Steinquader am Stauffenbergplatz in Stuttgart erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus. Zum Ärger der Stadt wird das Mahnmal allerdings nicht nur als Ort des Gedenkens genutzt.

Stuttgart - Als der Künstler Elmar Daucher 1970 aus vier tonnenschweren Steinquadern das Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Stuttgart formte, ordnete er die Würfel mit je zwei Metern Kantenlänge so an, dass zwischen den Kuben eine Art Hohlraum entsteht. Drei Quader stehen leicht versetzt zueinander, der vierte Würfel liegt in der Mitte obendrauf, darunter der besagte Raum. Die Stadt Stuttgart schreibt auf ihrer Homepage zur weiteren Erklärung: „Auf einer in den Boden eingelassenen schwarzen Granitplatte zwischen den Blöcken ist der Text von Ernst Bloch eingemeißelt. Nur der Betrachter, der sich zwischen die Blöcke wagt, kann den Text lesen.“

Beißender Gestank nach Urin und Fäkalien

Ob der Verfasser des Internetbeitrags ahnte, wie richtig er mit dem Wort „wagen“ hier liegt, auch wenn einem der oben aufliegende Steinwürfel natürlich nicht auf den Kopf fallen kann? Das eigentliche Wagnis ist ein anderes, weniger ein psychologisches als ein olfaktorisches: Wie unser Leser Albrecht Ernst der Redaktion vergangenen Woche mitteilte, sei ein Besuch des Mahnmals auf dem Stauffenbergplatz anlässlich des Jahrestages des Kriegsendes vor 75 Jahren für ihn diesbezüglich „erschütternd“ gewesen. Was war passiert? „Ein beißender Gestank nach Urin und Fäkalien“, schreibt er uns, „ließ mich rasch und beschämt umkehren.“ Auf das Wagnis, den Hohlraum zu betreten, um Blochs Worte zu lesen, verzichtete er unter dem Eindruck, dass das Mahnmal manchem wohl auch als Abort dient.

Mahnmal wird täglich gereinigt

Beim Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS), die auch für die Straßenreinigung zuständig zeichnet, weiß man um das Problem. Der Umstand, dass das Mahnmal von „Wildpinklern“ missbraucht werde, sei bekannt, lässt Udo Hofmeister, Leiter der Abteilung Straßenreinigung bei der AWS, wissen. „Dies ist umso ärgerlicher, da in der Markthalle und auf der Planie öffentliche Toiletten zur Verfügung stehen.“ Die Stadtreinigungsbehörde versichert, dass das Mahnmal „täglich mit einem Kleinwasserwagen“ gereinigt werde und zusätzliche ein bis zweimal in der Woche „eine Reinigung mit Hochdruck“ erfolge. Auch die weitere Umgebung des Mahnmals werde jeden Tag gesäubert und vom Müll befreit.

Das Resultat dieser Maßnahmen: Dem Gestank ist nicht beizukommen. Auch am 8. Mai, als rund 300 Teilnehmer rund um das Mahnmal den Opfern des Faschismus gedachten, stank der Hohlraum zwischen den Steinquadern zum Himmel. Es war, mit den Worten unseres Lesers Albrecht Ernst formuliert: beschämend.

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