Der Kreisverkehr ist das Nadelöhr. Im Berufsverkehr ist kein Entkommen aus dem Gewerbegebiet. Foto: Sandra Hintermayr

Morgens staut es sich rein, abends raus aus dem Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost. Vertreter ansässiger Firmen fordern die Stadt auf, schnelle Lösungen für die Verkehrsproblematik zu finden. Eine Idee ist die zeitweise Sperrung des Kreisverkehrs.

Fasanenhof - Einig sind sich alle darin, dass etwas geschehen muss. „Die Verkehrssituation ist untragbar“, sagt Rolf Zinser von der Firma Vahle am Zettachring bei einem Zusammentreffen von Beschäftigten im Gewerbegebiet ansässiger Firmen. „Der Verkehr bricht komplett zusammen“, ergänzt Henry Heck von der Kfz-Werkstatt, die am Eingang zum Gewerbegebiet liegt. Vor allem im Berufsverkehr geht oft gar nichts mehr. Wie die Beschäftigten berichten, reihen sich die Autos nachmittags zwischen kurz vor 16 Uhr bis oft weit nach 18 Uhr an der Schelmenwasenstraße und am Zettachring aneinander – „unabhängig davon, ob auf der Autobahn Stau ist oder nicht“, sagt Zinser.

Das Problem ist der Kreisverkehr – die einzige Zu- und Abfahrt zum Gewerbegebiet wird zum Nadelöhr. „Ich sehe das jeden Tag von meinem Büro aus. Die Leute, die von der B 27 kommen und in den Kreisverkehr einfahren, lassen niemanden vom Schelmenwasen rein“, sagt Heck. Zudem blockierten die Autofahrer, die aus den Parkhäusern im Gewerbegebiet kommen, den Verkehrsfluss.

ÖPNV und Fahrrad bringen nur wenigen Beschäftigten etwas

Die Situation ist der Stadt bekannt; ein Lösungsansatz war ein Ampelversuch, der allerdings scheiterte. Seither hat sich nichts an der Lage geändert. Einige Firmenvertreter im Gebiet haben das Gefühl, von der Stadt und dem Regierungspräsidium mit ihren Problemen auf dem Schelmenwasen allein gelassen zu werden. Sie fordern die Stadt auf, schnelle Maßnahmen zu ergreifen, die den Verkehr nachhaltig verflüssigen. „Viele Gewerbetreibende hier leben von Kundschaft, die zu- und abfährt“, sagt Zinser. Die unattraktive Verkehrssituation sei mitunter geschäftsschädigend.

Dass auch die meisten Beschäftigten mit dem Auto kommen, habe verschiedene Gründe. Einige haben einen weiten Anfahrtsweg, auf den öffentlichen Nahverkehr oder auf das Fahrrad auszuweichen, sei somit keine Lösung, sagt Thomas Kittel. Er arbeitet bei Integrata und fährt jeden Tag aus Mössingen zum Fasanenhof. „Mit dem Fahrrad geht das nicht“, sagt er. Ein weiterer Punkt ist, dass viele Beschäftigte im Außendienst tätig seien. Rolf Zinser spricht von „etwa der Hälfte“ der Arbeitenden im Gebiet. „ÖPNV oder Fahrgemeinschaften sind dafür keine Lösung.“

Eine „Ehrenrunde“ durchs Gewerbegebiet

Weil das Gebiet weiter wächst, müssen dringend Lösungen her. „Die Situation wird mit neuen Ansiedlungen nicht besser, sondern dramatischer“, warnt Zinser. Eine Idee könnte die zeitweise Sperrung des Kreisverkehrs sein. Autofahrer, die von der B27 kommen, sollen während dieser Zeit nicht in den Kreisverkehr einfahren, um Richtung Körschtal und Möhringen zu gelangen, sondern eine „Ehrenrunde“ durch das Gewerbegebiet drehen. So könnte der Verkehr von der Schelmenwasenstraße besser über den Kreisel abfließen.

Dieser Planfall 5 (PF5) sei beschlossen, sagt Alfred Kiess vom gleichnamigen Innenausbau-Unternehmen. „Das wäre eine gute Lösung, weil sie schnell umgesetzt werden kann“, sagt Kiess. Er plädiert dafür, den Verkehrsversuch erst einmal abzuwarten und so lange keine weiteren Maßnahmen bei der Stadtverwaltung zu forcieren, weil diese dem PF5 in die Quere kommen könnten. Bei einem Runden Tisch auf Einladung der Wirtschaftsförderung mit Firmenvertretern, Baubürgermeister Peter Pätzold sowie Vertretern der Verwaltung im Dezember habe man sich auf den Versuch mit der „Ehrenrunde“ durch das Gewerbegebiet verständigt. „Uns wurde zugesichert, die Maßnahme im Frühjahr 2019 umzusetzen“, sagt Kiess.

Firmen wünschen sich zweite Zufahrt zum Gebiet

„Das bringt sicher eine Erleichterung, aber eine vollumfängliche Lösung ist das nicht“, sagt Henry Heck. „Besser als nichts“, attestiert Rolf Zinser dem Vorschlag. „Aber wir bräuchten eine zweite Zufahrt zum Gebiet“, sagt Zinser. „Hier arbeiten mehrere Tausend Leute. Dieses Pensum über nur eine Zufahrt zu führen, ist nicht akzeptabel.“

Die Firmen wollen zudem eine Plattform schaffen, auf die alle Firmen im Gewerbegebiet zugreifen können. Dort sollen beispielsweise Entscheidungen wie die für den PF5 eingestellt und über Entwicklungen sowie Termine informiert werden. Man wolle versuchen, diese Plattform an die IHK oder die Handwerkskammer anzudocken, denn diese seien schließlich die Interessensvertreter der Firmen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: