Alleinerziehende sind finanziell meist schlechter gestellt (Symbolbild). Foto: dpa

Alleinerziehende stehen finanziell schlechter da, stemmen den Familienalltag überwiegend allein, haben es schwerer, Beruf und Kinder zu verbinden – und dennoch nimmt diese Familienform weiter zu. Die Bundes-Statistiker präsentierten aktuelle Zahlen.

Berlin - Alleinerziehende haben es schwerer als andere Familien - und ihre Zahl steigt. Das Statistische Bundesamt stellte am Donnerstag in Berlin aktuelle Daten vor, wonach jede fünfte Familie in Deutschland ein Alleinerziehenden-Haushalt ist. Das Armutsrisiko ist für Ein-Eltern-Familien immer noch doppelt so hoch wie in der übrigen Bevölkerung. Fast zwei Drittel der alleinerziehenden Eltern (63 Prozent) haben nicht die Mittel, unerwartete Ausgaben in Höhe von 1.000 Euro zu bestreiten.

Finanziell stünden Alleinerziehende „nach wie vor oftmals schlechter da als Menschen, die in anderen Familienformen leben“, sagte der Präsident des Statistikamtes, Georg Thiel, bei der Vorstellung der Studie „Alleinerziehende in Deutschland 2017“. Demnach ist jeder dritte Alleinerziehenden-Haushalt armutsgefährdet. Im Bevölkerungsdurchschnitt liegt die Quote bei 16 Prozent.

In Deutschland leben 1,5 Millionen Eltern allein mit einem oder mehreren Kindern im Haushalt und gelten damit als alleinerziehend - auch wenn sie sich die Erziehung beispielsweise mit dem Ex-Partner oder einem neuen Partner teilen. Vor 20 Jahren gab es 200.000 Alleinerziehende weniger. Diese Familienform wächst damit gegen den Trend: In derselben Zeitspanne hat die Zahl der Familien mit minderjährigen Kindern um 1,2 Millionen auf 8,2 Millionen abgenommen. Neun von zehn Alleinerziehenden sind Mütter.

Unterschiede zwischen alleinerziehenden Vätern und Müttern

Knapp ein Drittel (27 Prozent) dieser Mütter hat keine Arbeitsstelle - mehr als die Hälfte würden aber gern berufstätig sein. Mit Blick auf die Abhängigkeit von Hartz-IV-Leistungen hat sich die wirtschaftliche Situation der Alleinerziehenden in den vergangenen zehn Jahren leicht verbessert. Als mögliche Gründe nannte Behördenchef Thiel den Ausbau der Kinderbetreuung, flexiblere Arbeitszeitmodelle wie Home Office und die insgesamt gute wirtschaftliche Lage.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) erklärte, es sei eine Aufgabe der Gesellschaft, alleinerziehende Eltern zu unterstützen. Sie stemmten den Alltag mit Familie allein, was große Wertschätzung und Anerkennung verdiene. Finanziell habe sich die Lage vieler Familien durch die Reform des Unterhaltsvorschusses verbessert, der inzwischen bis zum 18. Lebensjahr eines Kindes gezahlt wird. 300.000 Kinder profitierten zusätzlich davon, sagte Giffey, insgesamt seien es 700.000.

Große Unterschiede fanden die Statistiker zwischen alleinerziehenden Männern und Frauen beim Umgang mit der Job-und-Kinder-Frage. Väter arbeiten zu 88 Prozent Vollzeit, Mütter zu 42 Prozent. Eine Erklärung könnte sein, das alleinerziehende Väter sich unverändert vor allem um ältere Kinder kümmern, während Kleinkinder bei den Müttern sind.

Unverändert halten sich auch die regionalen Unterschiede: Die meisten Alleinerziehenden leben in den Großstädten, allen voran Berlin. In Ostdeutschland ist ein Viertel aller Familien (25 Prozent) die einer oder eines Alleinerziehenden, im Westen sind es 17 Prozent. Der hohe Anteil und die stärkere Zunahme im Osten erklärt sich aus der sinkenden Zahl von Ehepaaren mit Kindern in diesen Bundesländern. Sie hat sich in zehn Jahren auf 820.000 nahezu halbiert.

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