Ein neugeborener Junge aus dem Kreis Böblingen kann auf ein fast 81 Jahre langes Leben hoffen. Foto: /factum / Andreas Weise

Nur in einem Landkreis Baden-Württembergs haben Männer eine höhere Lebenserwartung als im Kreis Böblingen – rechnerisch.

Böblingen - Zeit lässt sich doch kaufen. Das Statistische Landesamt formuliert vorsichtig, dass „nicht zuletzt das Bildungsniveau und die daraus resultierende Einkommenssituation“ entscheidend für ein langes Leben seien. Schlicht ausgedrückt: Reiche leben länger.

Im Kreis Böblingen – einem der reichsten bundesweit – schlägt sich dies bei Männern mit der zweithöchsten Lebenserwartung aller Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs nieder. Ein Junge, der heute geboren wird, darf mit statistischen 80,8 Lebensjahren rechnen. Nur der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald liegt darüber, allerdings mit lediglich fünf Wochen Vorsprung. Mädchen aus dem hiesigen Kreis prophezeien die Statistiker 84,6 Lebensjahre, was in der landesweiten Tabelle Platz fünf bedeutet.

Mannheimer verdienen am wenigsten und sterben am frühesten

Der Zusammenhang zwischen Geldmangel und einem frühen Tod lässt sich am einfachsten anhand der Stadt Mannheim herstellen. Deren Bewohner haben unter allen Städten im Land das geringste Einkommen und mit 77,3 Jahren bei Männern beziehungsweise 82,5 bei Frauen die mit Abstand geringste Lebenserwartung.

Die großstadt-typischen Gesundheitsbelastungen scheinen hingegen eine untergeordnete Rolle zu spielen. Die Stuttgarter Männer stehen auf Platz elf, die Frauen auf Platz fünf, damit beide deutlich besser als der Landesschnitt. Bewohner beschaulicher Landkreise wie Tuttlingen oder Waldshut finden sich hingegen im unteren Viertel der Tabelle. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele, und sogar die Statistiker selbst mahnen, dass ihre Statistik zur Sterblichkeit mit Vorsicht zu interpretieren sei.

Die mathematische Ursache für ein langes Leben ist der frühe Tod

Ein einfaches Beispiel für Fehldeutungen ist die mit den Jahrzehnten sprunghaft gestiegene Lebenserwartung. In den 1970er-Jahren lebte der mathematisch gemittelte Baden-Württemberger knapp 69 Jahre, die Baden-Württembergerin knapp 75 Jahre lang. Heute verheißen die Berechnungen rund zehn Jahre mehr. Mit der tatsächlichen Durchschnittslänge eines Lebens hat diese Zahl aber nichts zu tun, sondern mit einem sehr frühen Tod. Vor 50 Jahren starben noch 20 von 1000 Neugeborenen im ersten Lebensjahr, inzwischen sind es noch drei von 1000.

Fest steht hingegen, dass die Baden-Württemberger deutlich länger leben als der Durchschnittsdeutsche. Denn so ist es seit 50 Jahren unverändert.

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