Allein bei dem schweren Unfall in Esslingen-Weil starben 2024 drei Menschen. Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreis Esslingen steigt. Besonders auffallend: 2024 sind mehr als dreimal so viele Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen wie im Vorjahr. Tragödien wie in Weil und Nürtingen belasten nicht nur Bürger, sondern auch die Polizei.

Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Kreis Esslingen nimmt seit 2020 kontinuierlich zu. Das vergangene Jahr stellt dabei keine Ausnahme dar. 2024 gab es im Landkreis 14 879 Unfälle und damit 475 mehr als im Vorjahr. Dies geht aus dem Verkehrsunfallbericht für 2024 hervor, den das Polizeipräsidium Reutlingen am Montag veröffentlicht hat.

 

„Diese Entwicklung ist ganz normal“, sagt Andrea Kopp, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums. Die steigenden Zahlen seien auch in anderen Regionen zu beobachten. Sie hätten damit zu tun, dass die Verkehrsdichte zunehme. Kopp weist darauf hin, dass zahlreiche Unfälle gar nicht in der Statistik auftauchen. Denn: „Wenn es nur zu kleineren Sachschäden kommt, werden die häufig nicht bei uns gemeldet.“

Schwere Unfälle in Esslingen-Weil und Nürtingen

Womit sich die Polizei 2024 jedoch deutlich öfter als zuvor befassen musste, waren schwere Unfälle. So hat sich die Zahl der tödlich Verunglückten im Kreis Esslingen gegenüber 2023 mehr als verdreifacht. Sie stieg von fünf auf 17. Große öffentliche Aufmerksamkeit erregte vor allem ein Unfall im Esslinger Stadtteil Weil. Dort wurden im Oktober des vergangenen Jahres eine 39-jährige Frau und ihre beiden drei und sechs Jahre alten Kinder von einem Auto erfasst. Alle drei erlagen noch vor Ort ihren Verletzungen. Warum es zu dem Unfall kam, steht bislang noch nicht fest.

Im Juni 2024 fuhr ein 54-Jähriger in Nürtingen mit seinem Auto in eine Menschengruppe. Foto: Andreas Rosar/ Fotoagentur-Stuttgart

Auch die Ermittlungen zu dem schweren Unfall im Juni 2024 in Nürtingen dauern weiterhin an. Damals kamen eine 27-Jährige und eine 28-Jährige ums Leben, nachdem ein 54-Jähriger an einer Ampel mit seinem Auto in eine Menschengruppe gefahren war. Der Fahrer selbst erlitt ebenfalls schwere Verletzungen, überlebte jedoch. Nach Angaben von Kopp ist inzwischen klar, dass der Mann Cannabis konsumiert hatte und zum Unfallzeitpunkt unter Drogen stand. „Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob das auch die Ursache war“, stellt die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums klar. Das abschließende Gutachten zu dem Fall liege noch nicht vor.

Massive Belastung für Polizei im Kreis Esslingen

„Allein sieben der insgesamt acht im Präsidiumsbereich getöteten Fußgänger verloren im Landkreis Esslingen ihr Leben, dazu kommen zwei Autofahrer und eine Beifahrerin, drei Motorradfahrer und jeweils zwei Rad- und Pedelecfahrer“, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. Kopp zufolge bedeutet das aber nicht, dass die Straßen in der Region besonders gefährlich wären. „Da gibt es viele Unwägbarkeiten, mit den einzelnen Orten hat das nichts zu tun“, sagt sie und ergänzt: „Den Faktor Mensch darf man dabei nie außer Acht lassen.“ Zu diesen Aussagen passt, dass die Zahl der Verkehrstoten über die vergangenen fünf Jahre hinweg nicht kontinuierlich anstieg, sondern ständige Schwankungen aufweist.

Dennoch sei es stets notwendig, sich die Orte der schweren Unfälle genauer anzuschauen, sagt Kopp. Manchmal fasse man dann den Beschluss, dort etwas ändern zu müssen. Ein Beispiel ist das Tempolimit, das die Esslinger Verwaltung nach dem Unfall in Weil einführte. Seit Dezember gilt in der Weilstraße auf Höhe des dortigen Sportparks eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde.

Nach Tragödien wie in Weil und Nürtingen benötigen Augenzeugen, Betroffene, Angehörige und Schaulustige häufig seelischen Beistand. Die schweren Unfälle können sich aber auch auf die Psyche der Polizistinnen und Polizisten, die dort im Einsatz sind, auswirken. „Die hohe Zahl spüren wir in der Belastung der Kolleginnen und Kollegen massiv“, sagt Kopp. Für betroffene Beamtinnen und Beamten gibt es beim Polizeipräsidium Reutlingen eine psychosoziale Beratungsstelle. In besonders schweren Fällen betreuen ihre Mitarbeitenden die Einsatzkräfte bereits vor Ort.