Knast-Atmosphäre (das Symbolfoto vom 27.03.2007 zeigt einen von vier Gefangenenflügeln der Justizvollzugsanstalt Bruchsal) Foto: dpa

Viele Gefangene kommen drogensüchtig in den Knast und bleiben auch während der Haft abhängig. Im Jahr 2008 wurden 6519 Gefangene 17.257 Mal auf Drogen getestet.

Stuttgart - Viele Gefangene kommen drogensüchtig in den Knast und bleiben auch während der Haft abhängig. Im Jahr 2008 wurden 6519 Gefangene 17.257 Mal auf Drogen getestet. Positiv fiel der Test bei 1217 Häftlingen aus. Laut Justizministerium kommen die Drogen auf unterschiedlichem Wege in den Knast. "Dies geschieht durch Schmuggel von Gefangenen oder deren Besuch, aber auch per Brief oder Paket oder durch Mauerwürfe", sagte Ministeriumssprecher Stefan Wirz. Der Landesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten, Ernst Steinbach, sprach von einer "Bankrotterklärung".

Selbst Omas und Babys im Kinderwagen werden nach den Worten von Steinbach missbraucht, um Heroin in die Gefängnisse zu schmuggeln. "Eine Ganzkörperkontrolle durch die Polizei ist nur bei einem begründeten Verdacht möglich." Dieser liege nicht oft vor. In Einzelfällen sind bei der Beschaffung von Drogen laut Justizministerium aber auch Justizbeamte beteiligt. "Das führt für den Bediensteten zu strafrechtlicher Verfolgung und hat außerdem disziplinarrechtliche Konsequenzen, die - je nach Vorwurf - zur Entfernung aus dem Dienst führen."

Post und Pakete würden mit modernster Röntgen-Technik überwacht, sagte Wirz. "In Bezug auf Mauerwürfe wurden und werden, soweit möglich, Kameras installiert, um die Vorfeldbereiche besser überwachen zu können." Auch Rauschgiftspürhunde würden eingesetzt.

Im Jahr 2009 wurden für die medizinische Versorgung der Gefangenen im Südwesten rund 22 Millionen Euro ausgegeben - das sind rund 8 Euro pro Gefangenem und Tag. "Viele Gefangene kommen mit einer hohen gesundheitlichen Belastung in den Vollzug", sagte Justizminister Ulrich Goll (FDP).

Zum Gebrauch verschiedener Drogen liegen laut dem Stuttgarter Ministerium folgende Schätzwerte vor (Stand: März 2008): 82 Prozent sind Raucher, 39 Prozent sind abhängig von Cannabis, 23 Prozent von Heroin oder sonstigen Opiaten. Alkoholabhängig sind 14 Prozent, 9 Prozent konsumieren Crack/Kokain und jeweils 6 Prozent Amphetamine und Ecstasy. "Der relativ geringe Wert bei Alkohol und der relativ hohe Wert bei Heroin überraschen. Dem müssen wir nachgehen", sagte Ministeriumssprecher Wirz.

Im Südwesten gibt es 17 Justizvollzugsanstalten mit 28 Ärzten, das Gefängniskrankenhaus Hohenasperg hat 16 Ärzte. In den Justizvollzugsanstalten gibt es 310 Krankenhausbetten, darunter 94 psychiatrische Krankenhausbetten.

Doch nicht nur Drogen machen den Gefangenen und Ärzten zu schaffen. Im Berichtsjahr wurden auch zahlreiche schwere Infektionskrankheiten gezählt. So gab es zum Stichtag 31. März 2008 insgesamt 544 Hepatitis-B-Fälle und 964 Fälle von Hepatitis C. Diese Krankheiten verlaufen meist chronisch. Hepatitis B wird durch Körpersekrete und Blut übertragen, Hepatitis C meist über Nadeln, weswegen Heroinsüchtige besonders häufig betroffen sind. "Eine kostenlose Hepatitis-B-Impfung ist möglich für alle Strafgefangenen, insbesondere für Risikogruppen", sagte Wirz. Die Zahl der HIV-Fälle zum Stichtag bezifferten die Anstalten auf 93.

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