Im Burgenlandzentrum bricht das stationäre Wohnen weg. Foto: Evangelische Altenheimat

Die Pflegeeinrichtung ist verkauft worden. Ende Oktober soll der Auszug abgeschlossen sein.

Stuttgart-Feuerbach - Seit wenigen Tagen ist es offiziell: Die Evangelische Altenheimat verkauft ihre Räumlichkeiten im Feuerbacher Burgenlandzentrum an der Sankt-Pöltener-Straße. Ende Oktober schließt somit das Richard-Bürger-Heim. Die Entscheidung sei nach langer intensiver Prüfung und nach Rücksprache mit der Stadt und dem Bezirksamt Feuerbach gefallen.

„Aufgrund der Landesheimbauverordnung, die seit September 2019 nur noch Einzelzimmer in der stationären Pflege erlaubt, können inzwischen nur noch 42 von ursprünglich 60 Pflegeplätzen im Richard-Bürger-Heim vergeben werden“, heißt es in einer Presseerklärung. „Da die Pflegeplätze infolgedessen nicht mehr refinanzierbar sind, kann die Einrichtung nicht mehr betrieben werden.“ Das sei wirklich sehr schade, betont die Vorsitzende des Vorstands der Evangelischen Altenheimat, Gabriele Blume, denn es fehle in Stuttgart an stationären Pflegeplätzen: „Wir könnten jeden unserer Plätze eigentlich weitere drei Mal belegen. So groß ist die Not und der Bedarf.“ Die Vorgaben der Landesheimbauverordnung und die Konsequenzen daraus seien leider nicht immer passgenau und würden das Problem verschärfen.

Derzeit sind noch alle 42 Plätze der Einrichtung in Feuerbach besetzt. „Alle Angehörigen sind über die Veränderungen informiert. Wir stehen im regen Austausch mit ihnen und versuchen, die Bewohner dort unterzubringen, wo sie sich das wünschen. Wir helfen auch gerne beim Umzug“, sagt die Pressesprecherin der Evangelischen Altenheimat, Inge Deborre. „Leider können wir aber nicht garantieren, dass alle Bewohner an ihrem Wunschort unterkommen.“ Man werde aber das Möglichste versuchen.

Der neue Eigentümer wird in den nächsten Tagen vorgestellt

Auch an die aktuell rund 35 Mitarbeiter hat die Evangelische Altenheimat gedacht. „Jeder konnte sich äußern, wohin er möchte. Und klar ist, wer bei der Evangelischen Altenheimat bleiben möchte, bekommt auch einen neuen Job“, sagt Einrichtungsleiterin Sandra Zeitler. Begünstigend wirke sich aus, dass der Träger im Oktober 2020 ein neues Pflegeheim in Denkendorf eröffnet, ergänzt Deborre. Und auch im Stuttgarter Norden soll sich in den nächsten Jahren wieder etwas tun. „Erfreulich ist, dass die Evangelische Altenheimat zu einem späteren Zeitpunkt ein ,neues Richard-Bürger-Heim‘ – wie bisher vorrangig für Menschen mit Demenz – zu eröffnen plant“, heißt es in der Presseerklärung weiter. Gabriele Blume wird auf Nachfrage etwas konkreter: „Wir haben ein Grundstück im Auge, auf dem ein Pflegeheim entstehen soll. Derzeit läuft da noch eine Machbarkeitsstudie.“ Es werde aber noch mindestens vier bis sechs Jahre dauern, ehe die neue Einrichtung eingeweiht werden könne, falls das Projekt überhaupt realisiert werden kann.

In Weilimdorf könne es dagegen schneller gehen. Man habe schon eine Baugenehmigung für ein Pflegeheim, müsse aber erst noch die Finanzierung des Projekts in trockene Tücher bringen, ehe man weitere Details bekannt geben möchte. „Aber grundsätzlich könnten wir in eineinhalb bis zwei Jahren das neue Gebäude einweihen“, sagt Blume. Beide Einrichtungen sollen vor allem Menschen mit Demenz ein Zuhause bieten – wie es auch das Richard-Bürger-Heim tat.

Wer die Räumlichkeiten an der Sankt-Pöltener-Straße erworben hat, kann offiziell noch nicht verkündet werden. „Es ist ein bekannter und beliebter Träger aus Stuttgart. Die Vertragsverhandlungen sind abgeschlossen. Ich denke, dass der neue Eigentümer nächste Woche an die Öffentlichkeit geht“, sagt Blume. Klar sei aber, dass barrierefreies Wohnen für Senioren und vielleicht auch Menschen mit Unterstützungsbedarf angeboten wird – allerdings nur noch ambulant und nicht mehr stationär.

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