In der digitalen Welt sind die Schüler mit Robotern auf du und du. Foto:  

Roboter im Operationssaal, selbstfahrende Autos: mit welchen Technologien das funktioniert, können Schüler im mobilen Expeditionsbus kennenlernen. Siebtklässler aus dem Stuttgarter Königin-Katharina-Stift haben die Vorreiter gemacht – und der Kultusministerin gezeigt, wie es geht.

Stuttgart - Abde Elouahani wischt souverän über die Multimedia-Wand, die beinahe die gesamte Länge des Expeditionsbusses umfasst. Der Siebtklässler aus dem Königin-Katharina-Stift gehört zu den Ersten, die das Programm der Bildungsinitiative expedition d am Eröffnungstag auf dem Stuttgarter Schlossplatz ausprobieren dürfen. Das „d“ steht für Digitalisierung. Abde und seine Mitschüler haben sich mit dem Thema autonom fahrende Autos beschäftigt.

Zwölfjährige zeigen der Kultusministerin, wie das mit den Sensoren geht

„Wir haben uns mit Sensoren befasst und mit den Technologien, die dazu passen“, erklärt Abde. Mit „Coding“ zum Beispiel. Was das bedeutet? „Na, dass man das halt programmiert“, sagt der Zwölfjährige. Eine Mitschülerin zeigt der Kultusministerin Susanne Eisenmann, „wie das mit den Sensoren geht“ – den induktiven und den Balkensensoren, und wie man die Werte beeinflussen kann.

„Sowas habt ihr im Unterricht nicht, oder?“, fragt die Ministerin. Nö, antworten die Schüler. „Würde euch das helfen?“ fragt Eisenmann weiter. Darauf Abde: „Wenn wir mit Sensoren arbeiten, schon.“ Mit dem Tablet QR-Codes scannen und sich per Touchscreen-Bildschirm durch die Digitalaufgaben zu navigieren, dafür brauchen die Siebtklässler keinen großen Anlauf. Und es macht ihnen sichtlich Spaß.

Schüler haben Ideen für digitalisierten Unterricht der Zukunft

Aber sie lernen auch einiges dabei. So erklärt einer von Abdes Mitschülern, dass im Unterricht der Zukunft solche Technologien wie „Coding“ oder „Augmented Reality“ – was so viel heißt wie computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung – sehr hilfreich sein könnten: „Man könnte in der Biologie Tiere sezieren, ohne ein Tier lebend zu opfern.“

Zwei Stunden dauert der Workshop in dem doppelstöckigen 40-Tonner-Bus. 11 000 Schülern aus ganz Baden-Württemberg pro Jahr bietet er Einblicke in die digitale Arbeitswelt. Das Angebot ist gefragt – der Truck sei bis weit ins nächste Schuljahr ausgebucht. Auch 15 Schulen aus Stuttgart sind dabei.

Veranstalter der Bildungsinitiative sind die Baden-Württemberg Stiftung und als Partner Südwestmetall und die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Das Ziel: So sollen Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz oder kollaborative Robotik nicht nur Schülern, sondern auch Lehrern verständlich und begreifbar gemacht werden.

Ein Bäcker erklärt, weshalb digitale Technologien unverzichtbar sind

Bei der Eröffnungsveranstaltung im Kunstmuseum erklärten Betroffene, weshalb das nötig sei. So machte der Bäckermeister Jochen Baier deutlich, dass die Digitalisierung längst ins Bäckerhandwerk eingezogen sei. Das bedeute, die Mehlbestände würden automatisch dem Müller gemeldet, auch die Einzelheiten des Rezepts kenne der Computer, das nehme viel Stress von der Nachtarbeit. Aber, so Baier: „Die Brezel wird nach wie vor von Hand geschlungen.“ Und: „Wir suchen ganz dringend Fachkräfte – wenn Sie noch welche wissen?“, fragte er ins Publikum.

Eleonore Dietrich, Sprecherin der Informatiklehrerinnen BW, lobte die Aufwertung der Informatik im Bildungsplan. Aber: „30 mal 45 Minuten Unterricht sind zu wenig – das muss definitiv mehr werden.“ Und: „Wir können es uns nicht leisten, die Mädchen nicht zu erreichen.“ Deshalb müsse das verpflichtend sein. Martin Thum, Ausbildungsleiter bei Mahle, sagte: „Wir müssen stärker die Lehrer erreichen, um eine Verzahnung zur Wirtschaft zu bekommen.“ Stefan Wolf, Vorstand Südwestmetall, drang auf Eile: „Unsere Industrie steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Wenn wir nicht ganz schnell sind in Baden-Württemberg, in Deutschland, werden wir der Entwicklung in der Welt nicht standhalten können.“

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