Nach dem Supercup ist vor dem Bundesligastart – und dabei zeigt sich, dass der Trainer Sebastian Hoeneß dem bewährten Personal vertraut. Doch beim VfB gibt es auch junge Herausforderer, die nach vorne drängen.
Eines steht fest: Sebastian Hoeneß wird am Samstag zum Bundesliga-Auftakt eine Startelf aufbieten, die verdächtig an die Überraschungsmannschaft der vergangenen Saison erinnert. In der Herangehensweise, in der Spielidee und in Sachen Personal. Es wird der zuletzt bekannte und beliebte VfB Stuttgart sein, der in Freiburg aufläuft. Nicht nur erkennbar am Trikot mit dem Brustring. Denn nach allem, was sich erahnen lässt, vertraut der Trainer vor allem den Fußballprofis, die schon vor Juli da waren.
Zeitweise drohte rund um den Wasen ja der Ausverkauf des Vizemeisters. Gekommen ist es anders, auch wenn drei Spitzenkräfte gegangen sind: Waldemar Anton, Hiroki Ito und Serhou Guirassy. Zwei davon wurden zumindest in ihren Rollen eindeutig ersetzt durch Jeff Chabot in der Abwehr und Ermedin Demirovic im Angriff. Chabot präsentiert sich bereits als „Turm in der Schlacht“, wie der Trainer sagt. Den dritten vakanten Posten nach den Transfers nimmt aktuell Anthony Rouault ein. Aber wohl auch nur, weil noch kein Innenverteidiger (mit starkem rechten Fuß) gefunden wurde, der Hoeneß’ Qualitätsansprüchen genügt und gleichzeitig finanzierbar ist.
Zwei Positionen ohne große Konkurrenz
Ähnlich wie mit Rouault verhält es sich mit Pascal Stenzel. Der Routinier besetzt die Position des Rechtsverteidigers. Gewohnt solide und im Moment ungefährdet, da Josha Vagnoman nach einer langwierigen Verletzung an seinem Comeback arbeitet und Leonidas Stergiou mit hartnäckigen Rückenproblemen zu kämpfen hat. Beide Nationalspieler sind wesentlich schneller als Stenzel und allein deshalb für den Außenposten prädestiniert. Ohne sie ergibt sich jedoch ein klarer Anfangsverdacht auf eine Anfangsformation.
Natürlich würde der Chefcoach das zu Wochenbeginn nie bestätigen, da es noch eine Reihe von Trainingseinheiten abzuwarten gilt – und diese können Einfluss nehmen. Siehe Supercup. Da fanden sich in Leverkusen plötzlich Spieler auf der Bank wieder, die zuvor überzeugt und gefallen hatten. Manche wähnten sich als Gewinner der Vorbereitung. Wie Silas Katompa, Justin Diehl und Frans Krätzig. Ein alter und zwei neue Herausforderer. Doch dann waren da Enzo Millot, Chris Führich und Maximilian Mittelstädt, die gegen den Doublesieger von Bayer-Coach Xabi Alonso den Vorzug erhielten.
Nationalspieler, von denen Hoeneß weiß, was er bekommt. Vertrauen erhält auch der lange verletzte Dan-Axel Zagadou. Der Innenverteidiger befindet sich nach einem Kreuzbandanriss auf einem guten Weg, einsatzfähig ist der Franzose mit Führungsanspruch aber noch nicht. So ergibt sich zunächst eine VfB-Elf mit wenigen Fragezeichen: Nübel im Tor, davor Stenzel, Rouault, Chabot und Mittelstädt in der Abwehrviererkette, Karazor und Stiller im defensiven Mittelfeld, davor Millot und Führich als Kreativkräfte sowie Undav und Demirovic im Angriff. „Die Partie in Leverkusen war ein guter Pflichtspielanfang“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth, „wir wissen jetzt besser, wo wir stehen.“
Nach wie vor bildet der VfB eine Mannschaft mit Automatismen und Abläufen. Trotz der Niederlage nach Elfmeterschießen gegen den rheinischen Rivalen (5:6). „Es war wichtig, dass wir nach dem Platzverweis für Bayers Martin Terrier die Kontrolle behalten haben, und das ist uns mit der Führung durch Deniz Undav zeitweise gut gelungen“, sagt Hoeneß. Dann ging sie verloren, die schöne Kontrolle – und damit der Titel. Hoeneß will dabei nicht gelten lassen, dass dies in erster Linie mit Stillers Auswechslung zu tun hatte (der Mittelfeldspieler hatte Gelb und fühlte sich über die Woche nicht wohl). Denn unmittelbar danach wurde die Führung erzielt und erst die vom Bayer-Team provozierte Schlusshektik brachte die Wende.
Die Reihe der Potenzialspieler
Dennoch war zu sehen, dass der VfB seinen Kader zwar in der Breite verstärkt hat, in Spitzenbegegnungen aber Topkräfte benötigt werden. Um sie zu entwickeln, braucht es Zeit, wie Hoeneß betont. Er will sie den Spielern trotz der Zusatzbelastung durch die Champions League geben. Das trifft sowohl auf Justin Diehl wie auch auf Nick Woltemade und Yannik Keitel zu, die bereits über Bundesliga-Erfahrung verfügen. Frans Krätzig und Ramon Hendriks gehören grundsätzlich ebenfalls in die Kategorie der Potenzialspieler. Sie sind alle jedenfalls jung genug, um weiter zu reifen.
Diesen Prozess hinzubekommen, ist dann Trainerarbeit. Genauso wie einen Platz in der Mannschaft für Fabian Rieder zu finden. Der Schweizer EM-Teilnehmer soll zu den Kandidaten gehören, die im Offensivbereich den Konkurrenzdruck auf die Platzhirsche Führich, Millot und Undav erhöhen. Aber Rieder bildet ebenso eine Alternative zu den bisherigen Nachrückern Jamie Leweling, Silas und Woo-yeong Jeong. Hoeneß bezeichnet den Mittelfeldmann als „guten Fußballer“, was es für Jeong zusätzlich schwer macht. Der Südkoreaner kommt auch im zweiten Jahr nicht in Schwung und könnte noch abgegeben werden. Zumal in El Bilal Touré (Atalanta Bergamo) ein Angreifer dazu geholt werden könnte. Doch an der Stammformation ändert das erst einmal nichts.