Strahlende Rathauschefin: Gabriele Zull zeigt die unterschriebene Urkunde für die nächsten acht Jahre. Foto: Peter Hartung/Stadt Fellbach

Die zweiten acht Jahre Amtszeit haben offiziell begonnen: Launige Reden und außergewöhnliche Geschenke garnieren die Amtseinführung der mit 98,7 Prozent wiedergewählten Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull.

Der Auflauf hätte beim Besuch etwa eines Ministerpräsidenten kaum größer sein können: Im proppenvollen großen Fellbacher Ratssaal versammelten sich Regierungspräsidentin und Landrat, Bürgermeister, Kreisräte und Stadträtinnen, Wirtschaftsbosse, Vereinsvorsitzende und Elder Statesmen der Lokalpolitik – und natürlich auch etliche Bürgerinnen und Bürger.

 

Seit 2016 Rathauschefin in Fellbach

Anlass war die rein formal als Sondersitzung des Gemeinderats anberaumte Verpflichtung von Gabriele Zull auf ihre zweite Amtszeit. Seit 2016 lenkt die gelernte Juristin die Geschicke der zweitgrößten Stadt im Rems-Murr-Kreis. Vor gut sieben Wochen, am 15. September, wurde sie als einzige Aspirantin mit fulminanten knapp 99 Prozent der Stimmen wiedergewählt.

Wie der Erste Bürgermeister Johannes Berner in seiner Begrüßung hervorhob, gehört Fellbach mit Zulls Wiederwahl weiterhin zu jenen lediglich sieben der 95 Großen Kreisstädte im Land, die eine Frau an der Spitze haben. Darauf hob auch die Stuttgarter Regierungspräsidentin Susanne Bay ab: „Als Oberbürgermeisterin, liebe Frau Zull, halten Sie im Sprengel unseres Regierungsbezirks diesbezüglich die Stellung – Sie sind die einzige Frau in dieser OB-Runde.“

Das Wahlkampfmotto lautete: „Dranbleiben für Fellbach“

Unter dem Motto „Dranbleiben für Fellbach“ hatte Zull ihren Wahlkampf geführt. Allerdings unter erschwerten Bedingungen, da ihr Ehemann Martin Zull im Frühjahr schwer an Krebs erkrankte. In der Bevölkerung war großes Verständnis für die Zurückhaltung bei öffentlichen Auftritten spürbar, was sich auch in dem „grandiosen Wahlergebnis“ (Bay) ausdrückte. Dass ihr Ehemann und der Sohn Paul der Zeremonie beiwohnten, „ist für mich ein echtes Geschenk“, bekannte Gabriele Zull in ihrer Rede. „Der große menschliche Zuspruch, der uns in dieser schwierigen Zeit aus ganz Fellbach erreichte, hat uns sehr berührt.“

Rems-Murr-Landrat Richard Sigel erkannte bei der Oberbürgermeisterin und Duz-Freundin (im Rems-Murr-Zirkel sind fast alle amtlichen Würdenträger per Du), „dass du messerscharf analysierst und schnell handelst“.

Apropos messerscharf: Da Sigel sich dank enger Verbindungen nach Skandinavien selbst als eine Art Wikinger fühlt, hatte er ein Geschenk in einer „Winnender Messerschmiede“ besorgt – als schnittiger „Begleiter in der Küche“. Thomas Bernlöhr aus Welzheim, Sprecher des Bürgermeister im Landkreis, wartete mit „Selbsterzeugtem aus dem Schwäbischen Wald“ als nahrhafte Wegzehrung für die „Kappelberg-Kapitänin“ auf. Martin Brinkmann, Personalratsvorsitzender im „Team Rot“, wie sich die Stadtverwaltung selbst mit Verweis auf die Fellbacher Farben bezeichnet, lobte die faire Zusammenarbeit mit der Verwaltungschefin: „Wir finden immer ein offenes Ohr.“

Der dienstälteste Stadtrat Ulrich Lenk, für die offizielle Verpflichtung Zulls zuständig, wies auf die gemeinsame Zielsetzung hin, „dass Fellbach eine blühende, selbstständige, liebens- und lebenswerte Stadt vor den Toren der Landeshauptstadt bleibt“.

Das „wunderbare Fellbach“ weiterentwickeln

Die alte und neue Oberbürgermeisterin erinnerte daran, wie sie und ihre Familie vor mehr als acht Jahren „alles auf eine Karte gesetzt“ hätten. „Zwei Jahre später haben wir unsere alte Heimat Göppingen endgültig hinter uns gelassen, sind nach Fellbach gezogen und haben hier unsere neue Heimat gefunden.“ Ihr Wahlslogan sei „mein Anspruch und Wunsch“ auch für die nächsten acht Jahre: „Ich möchte mit Ihnen dranbleiben an der Weiterentwicklung unseres wunderbaren Fellbachs.“