Ein in Stuttgart vertretenes Start-up setzt darauf, dass Bargeld weiterhin populär bleibt. Foto: dpa-Zentralbild

Bei der zweiten Runde der Fintech Days in Stuttgart suchten Gründer aus dem Bereich der Finanztechnologie nach Partnern und die Finanzbranche nach Ideen.

Stuttgart - Zum zweiten Mal haben die Börse Stuttgart und die Finanzplatzinitiative „Stuttgart Financial“ Start-ups aus dem Bereich der Finanzinnovationen nach Stuttgart geholt – die so genannten Fintechs. Wie bei der Premiere im Vorjahr präsentierten sich in der L-Bank-Rotunde ein knappes Dutzend junge Unternehmen vor knapp 200 Investoren, potenziellen Kunden – und womöglich künftigen Konkurrenten.

„Vielleicht ist Stuttgart noch nicht der Fintech-Standort Nummer eins. Aber wir haben zahlreiche Finanzdienstleister vor Ort, die Kooperationsmöglichkeiten anbieten. Hier gibt es Kunden, Investoren, Partner“, sagte Michael Völter, Chef der Stuttgarter Börse. Die hat sich etwa über ein in diesem Jahr eingeführtes Start-up-Portal „Venture Zphere“ und eine neue Tochtergesellschaft „Digital Ventures“ verstärkt in diesem Bereich engagiert. „Auch unsere Forschungsquote ist überdurchschnittlich“, sagte Völter.

Jury mit lokalen Branchengrößen

Von elf eingeladenen Start-ups stammten diesmal drei aus Baden-Württemberg. Von den acht Auserwählten fürs Finale waren es zwei. Wie wichtig die lokale Finanzbranche das Thema nimmt, zeigte die Besetzung der Jury: Mit Allianz Leben, LBBW, SV-Sparkassenversicherung, W&W waren wichtige Namen vertreten. Das Gewinnerteam des letztjährigen, parallel zur Start-up-Präsentation stattfindenden Ideenwettbewerbs wurde übrigens prompt vom Banken- und Versicherungskonzern W&W angeheuert. Dieser will so Innovationen im eigenen Haus voranbringen. Das Themenspektrum für Fintechs ist breit. Das zeigten schon die ersten zwei Finalteilnehmer, beide aus Berlin. Das 2013 gegründete Unternehmen Barzahlen.de glaubt auch im Zeitalter des Online-Banking an eine Marktnische. Diese besteht darin, mittels einfacher E-Mail-Technologie und einem Gutscheinsystem etwa die Auszahlung von Bargeld an der Supermarktkasse zu vereinfachen oder das vollkommen anonyme Bezahlen von Onlinebestellungen zu ermöglichen. Im Visier sind dabei auch Menschen, die etwa wegen mangelnder Kreditwürdigkeit oder gesperrtem Konto Probleme beim Bezahlen haben.

Arm und Reich als Kundengruppen

Die exakt gegenteilige Kundengruppe hat hingegen das Start-up Elinvar im Blick. Hier will man das beratungsintensive Vermögensmanagement für betuchte Kunden ins Internet bringen. Potenzielle Anwender sind hier exklusive Privatbanken, die damit die Vermögensberatung verbessern.

Ein bodenständiges Problem versuchte hingegen das erste Start-up auf der Liste zu lösen, das aus dem Land stammt. Steuerbot aus Stuttgart will die Steuererklärung per App und Chat-Roboter vereinfachen. Das Geschäftsmodell: Wer ganz dringend das Geld aus der vorausberechneten Steuererstattung braucht, der kann sich das sofort vorschießen lassen. Das Start-up nimmt dafür eine Gebühr von rund zehn Prozent – während die App sonst kostenlos ist. Für 4,99 Euro übernimmt man da aber auf Wunsch zumindest den Versand der Steuererklärung.

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