Bernd Ebersberger, Ralph Gäbler und Andreas Kuckertz (von links) zeigen, wie der Raum künftig aussehen könnte. Foto: Jacqueline Fritsch

Lang ist überlegt worden, was aus der Ex-Buchhandlung am Campus werden könnte. Nun ist es klar.

Hohenheim - Innovation Greenhouse“ heißt künftig der Raum auf dem Hohenheimer Universitätscampus, über dem früher der Schriftzug „Wittwer Uni-Buch“ hing und den man seit der Filialschließung im Sommer 2018 nur noch den „ehemaligen Wittwer“ nennt. Kreative Studenten sollen dort voraussichtlich von Ende des Jahres an bei der Entwicklung von Ideen und Start-up-Gründungen unterstützt werden. Die Universität bekommt für das Projekt eine Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums.

Im Oktober wird der offizielle Startschuss fallen – dann beginnt die Universität mit dem Umbau des einstigen Wittwers. In den derzeit leer stehenden Raum kommen dann gepolsterte Bänke, Stehpulte, Whiteboards und Klapptische – alles beweglich, damit man es umstellen und bei Bedarf zur Seite schieben kann. Zahlreiche Grünpflanzen sind ebenfalls vorgesehen. „Wir wollen mit dem Greenhouse eine Begegnungsstätte schaffen, die zeigt, was wir an der Uni tun“, sagt Andreas Kuckertz, Professor für Unternehmensgründung. Und mit den Pflanzen ist dann auch die agrarwissenschaftliche Richtung der Uni abgedeckt.

Angebot richtet sich an Freiwillige

Sobald der Raum umgestaltet ist, kann er „mit Leben gefüllt werden“, wie die beiden Professoren Kuckertz und Bernd Ebersberger sagen. Sie hatten im Namen der Lehrstühle für Unternehmensgründung und Innovationsmanagement die Idee des Innovation Greenhouse bei einem uni-internen Wettbewerb eingereicht. Damals setzten sie sich gegen sieben Ideen zur künftigen Nutzung des ehemaligen Buchladens durch. „Viele Ansätze der anderen haben wir dann mit in unser Konzept aufgenommen“, sagt Kuckertz. Nun wird der Raum überwiegend Studenten zur Verfügung gestellt, die sich außerhalb der Vorlesungen für Start-up-Gründung interessieren. „Es könnte aber auch ein schönes Labor für alternative Lehrveranstaltungen sein, damit wir nicht immer im Vorlesungssaal sind“, sagt Bernd Ebersberger.

Das Innovation Greenhouse soll gründungsfreudigen Uni-Angehörigen nicht nur den notwendigen Platz schenken, sondern ihnen auch Experten an die Seite stellen. So ist geplant, dass erfahrene Gründer regelmäßig von der Uni aus arbeiten und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Außerdem soll es einen sogenannten Outreach-Manager geben, der sich um die Vernetzung über den Campus hinaus kümmert, Partner gewinnt und Events organisiert. Ein zweiter Vollzeitmitarbeiter soll sich um die uni-interne Kommunikation kümmern und Studenten für das Projekt gewinnen. „Es gibt leider viele Studierende, die hier weggehen und nie mitbekommen haben, dass wir Unternehmensgründung unterstützen“, sagt Kuckertz. Der Raum mit den großen Glasfronten sei deshalb eine gute Möglichkeit, das sichtbarer zu machen und so mehr Studenten zu erreichen.

Studenten hätten sich eine Bar gewünscht

„Gründungsförderung gehört einfach zu einer modernen Hochschule dazu“, sagt Ebersberger, „und wir haben irgendwo auch die verpflichtung, etwas in die Gesellschaft zurückzugeben“. Bisher gebe es an der Uni verschiedene Initiativen, die sich mit dem Thema beschäftigen. „Das Problem ist, dass das sehr zersplittert ist“, sagt Kuckertz, „deshalb ist das jetzt eine gute Möglichkeit, alle an einem Ort zu bündeln“.

Nachdem die ehemalige Wittwer-Filiale einige Monate leer stand, äußerten viele Studenten den Wunsch nach einer Bar oder einem Ort zum Beisammensein. Eine gastronomische Nutzung hatte die Universität aber von Anfang an ausgeschlossen, da dafür ein umfangreicher Umbau nötig gewesen wäre, und der hätte einen weiteren Leerstand von zwei Jahren bedeutet.

Wenn am 1. Oktober nun mit dem Umbau begonnen wird, wird der Raum insgesamt knapp 2,5 Jahre leer gestanden haben. Mit der Idee der Gründungsförderung hat sich die Uni im vergangenen Jahr um die Förderung „Exist-Potentiale“ des Bundes beworben und mittlerweile die Zusage erhalten. Deutschlandweit werden 142 Hochschulen damit unterstützt. Nach Hohenheim fließen über einen Zeitraum von vier Jahren vom Projektbeginn an insgesamt rund 1,6 Millionen Euro.

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