Leith Tlemçani hat ein kleines Unternehmen aufgebaut. Er verschickt getrocknete Kräuter von Tunesien in alle Welt. Foto: Thomas Imo/photothek

Mit deutscher Starthilfe hat Leith Tlemçani in Tunesien ein Unternehmen für Bio-Kräuter aufgebaut. Aus dem kleinen Start-Up ist nach kurzer Zeit ein veritables Unternehmen geworden.

Bouarada - Es ist die Zeit der Mandelblüte. Zartrosa leuchten die Bäume im Sonnenlicht in Reih und Glied entlang der Landstraße C47, immer wieder unterbrochen vom satten Grün der schier unendlichen Olivenhaine. Schon die alten Römer priesen die große Fruchtbarkeit dieses Stücks Erde, das vor rund 2000 Jahren die Provinz Africa genannt wurde und heute Tunesien heißt. Die kleine Stadt Bouarada ist am Horizont bereits in Sichtweite, da taucht ein kleines Fabrikgebäude links am Rand der Straße auf. Im Hof wachsen in mehreren kleinen Beeten Kräuter und Gemüse. Petersilie, Thymian, Bohnen, Fenchel.

Das Unternehmen aus dem Nichts aufgebaut

Willkommen bei Herbiotech Aroma“, sagt Leith Tlemçani, ein junger Mann mit einem gewinnenden Lächeln und einem festen Händedruck. In den nächsten drei Stunden wird er erzählen, wie er als Geschäftsführer und seine Partner aus dem Nichts in wenigen Jahren dieses kleine Unternehmen aufgebaut haben. Gehandelt wird mit getrockneten Kräutern, die vor allem nach Deutschland verschickt werden. „Alles 100 Prozent organisch, rein und natürlich“, sagt Tlemçani, der nebenbei auch an einer Privat-Universität in Tunis unterrichtet. Er redet mir weit ausladenden Gesten, die Freude an der Arbeit und am Erfolg des einst kleinen Start-Up-Unternehmens ist ihm anzumerken.

Bevor es in die laute Produktionshalle geht, zeigt Leith Tlemçani auf einen großen grünen Kräuterhaufen hinter der Halle. „Heute verarbeiten wir Petersilie“, sagt der 35-Jährige und erklärt in kurzen Worten den Ablauf. Die Kräuter werden getrocknet, gehäckselt, fein geschnitten und schließlich für den Versand verpackt. Dazwischen werden sie mehrere Male gewaschen. Das hört sich einfach an, ist aber eine logistische Herausforderung, wenn bis zu 15 Tonnen Kräuter am Tag verarbeitet werden.

Von Frankreich nach Tunesien

Mit dem ursprünglichen Beruf von Leith Tlemçani hat die Herstellung von Trockenkräutern nur indirekt etwas zu tun. Er hat in Frankreich studiert und danach für Biotech-Firmen gearbeitet, wo er Bakterien und Biomoleküle produzierte. Doch er wollte zurück in seine Heimat Tunesien. Zuhause angekommen machte er sich 2011 auf die Suche nach einer Geschäftsidee. „Naturnah und ökologisch sauber sollte es sein“, sagt er. Schnell erkannte er, dass in Tunesien sehr viele Kräuter wachsen, die verarbeitende Industrie aber nicht sehr weit entwickelt und die Qualität der angebotenen Ware schlecht ist.

Doch Leith Tlemçani war kein Geschäftsmann. Hier kam die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) ins Spiel. Über die Organisation konnte er an einem Projekt teilnehmen, das Mentoren aus Deutschland nach Tunesien schickt, um junge Unternehmensgründer zu schulen. Er lernte Business-Pläne zu machen, Kosten zu kalkulieren, Marktanalysen – das kleine Einmaleins der Geschäftswelt. „2015 war ich dann noch einen Monat in Köln bei einem Managing-Kurs“, erzählt der 35-Jährige. „Dort konnte ich sehr viele Kontakte zu Unternehmen knüpfen, die nun zu meinen Kunden zählen“. Der allergrößte Teil der Produktion von Herbiotech Aroma geht inzwischen nach Deutschland.

Von Ölivenöl auf Kräuter umgestellt

Leith Tlemçani musste allerdings auch mit Rückschlägen zurechtkommen. Am Anfang hat die Firma noch bis 2013 vor allem Olivenöl produziert. „Doch der Markt ist sehr schwierig und von der Konkurrenz aus Italien und Spanien besetzt.“ Also schwenkte er ein Jahr später um auf Bio-Kräuter und traf offenbar eine Marktlücke. Hauptprodukte des Unternehmens sind nun vor allem getrocknete Olivenblätter, Dill, Petersilie und Pfefferminze, aber auch Basilikum, Koriander und Thymian

Ein Problem war auch die Finanzierung der Anlagen. Auf die tunesischen Banken sei wenig Verlass, erzählt der Jungunternehmer. „Sie denken nur an den schnellen Profit.“ Also lieh er sich sein Startkapital von verschiedenen Investoren zusammen. Sein Vorteil: „Wenn Leute in Tunesien in lokale Firmen investieren, zahlen sie keine Steuern“, erklärt Leith Tlemçani.

Millioneninvestition in die Anlagen

Nach der Konzentration auf die Kräuterproduktion lief das Geschäft schnell an und die Firma musste immer wieder expandieren. Inzwischen stecken weit über eine Million Euro in den Anlagen. „2015 haben wir unseren Produktionsstandort mit einer computergesteuerten Trocknungsanlage ausgestattet“, erklärt Leith Tlemçani und zeigt auf ein Gewirr von dicken Aluminiumröhren. „Die frisch geernteten Kräuter werden rasch und schonend verarbeitet, damit das Endprodukt ein Maximum an Geschmack und Geruch beibehält.“ Inzwischen beschäftigt Herbiotech Aroma 27 permanente Arbeitskräfte, zu denen während der Erntesaison noch einmal rund 80 Arbeiterinnen hinzu kommen.

Lächelnd erzählt Leith Tlemçani vom Geheimnis seines Erfolges. „Wir haben sehr gute Beziehungen zu unseren Kunden“, sagt er. „Gerade im Bio-Geschäft ist Vertrauen die Basis der Zusammenarbeit.“ Besonders stolz ist der Geschäftsführer, dass zu seinen Kunden seit wenigen Wochen auch die deutsche Bio-Firma Lebensbaum zählt, deren Qualitätsstandards besonders hoch sind. Das erhöht natürlich auch den Erfolgsdruck. „Die Verträge können im Grund jederzeit gekündigt werden, wenn die Qualität nicht mehr stimmt“, sagt Leith Tlemçani.

Die Qualität der Kräuter ist die Basis

Der junge Mann ist kein Kontrollfreak, aber er weiß, dass das über lange Zeit aufgebaute Vertrauen durch einen einzigen Fehler schnell zerstört werden kann. Aus diesem Grund will er in Zukunft auch alle Kräuter selbst anbauen, um die Qualität ständig unter Kontrolle zu haben. Bisher wurden viele Pflanzen zugekauft. Zudem werde das Qualitätsmanagement weiter ausgebaut.

Schließlich zeigt Leith Tlemçani noch auf einen mittelgroßen Metallkasten in der Ecke der Fabrikhalle. „Das war unsere erste Trocknungsanlage“, sagt er und schüttelt versonnen lächelnd den Kopf. Hinter ihm schlängeln sich viele Meter hoch die Röhren der neuen Anlage. Wegwerfen will er den alten Metallkasten nicht. Zu sehr erinnert er ihn an die ersten Gehversuche - einer unsicheren Zeit mit vielen Zweifeln und großen Hoffnungen, von denen sich nun viele erfüllt haben.

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