Das Start-up Immerhelden in Stuttgart-Vaihingen hat im vergangenen Jahr seine Arbeit aufgenommen. Foto: dpa/Uwe Anspach

Vier Freunde verwirklichen mit einem 24-Stunden-Pflegedienst eine Geschäftsidee. Sie sehen großen Bedarf.

Vaihingen - Wenn Jungs, die sich vom Kicken her kennen, ein Start-up gründen, erwartet man Craft-Bier, Autofelgen oder Sportartikel. Aber eher keine Pflegedienstvermittlung. Benjamin Schiffner (34) hat gemeinsam mit seinen Kumpels Nikolaj (27) und David Bogucki (32), Thomas Schweiger (34) und Armin Maanavi (35) aber eben eine solche gegründet. Immerhelden heißt ihre Firma, die in Vaihingen sitzt und Pflegevermittlung seriöser machen will.

Es ist eine ungewöhnliche Geschichte aus der Welt des Fußballs: Benjamin Schiffner, damals Spielertrainer beim VfL Kaltental, und David Bogucki, Trainer des TSV Rohr, sitzen nach einem Spiel beim Bier zusammen und philosophieren. „Wir haben überlegt, wie man die Welt besser machen könnte“, erinnert sich Schiffner. Er ist zu diesem Zeitpunkt einer von zwei Chefs einer Personalmanagement-Firma für Pflegekräfte. Die Marktlücke war ihm während der Arbeit für einen Intensivpflegedienst aufgefallen. Die Firma vermittelt Fachkräfte von Leinfelden-Echterdingen aus an rund 3000 Firmen in ganz Deutschland.

Die Plätze in Pflegeheimen sind knapp

2015 hatte er mit seinem Geschäftspartner und Freund Thomas Schweiger außerdem die Alltagshelden ins Leben gerufen, ein zeitweiser Betreuungsdienst für Senioren im Raum Stuttgart. Hieraus entsteht auch die Idee, die er nun mit seinem Fußballkollege David austüftelt: Ein 24-Stunden-Pflegedienst, der von Vaihingen aus auf seriösem Weg Pflegekräfte aus Polen nach Deutschland holt.

Anfragen nach 24-Stunden-Pflege habe es von den Kunden der Alltagshelden oft gegeben, erzählt Schiffner. Ältere Menschen kämen häufig nicht ohne Rund-um-die-Uhr-Betreuung aus. Die Plätze in Pflegeheimen seien knapp. Viele Portale im Netz seien aber unseriös und gaukeln günstige Betreuung vor, die sich dann als unwürdig für die Arbeitskräfte und schlecht für die Senioren herausstelle.

Nur deutschsprachige, gut ausgebildete Pflegekräfte

Die Ansprüche der Immerhelden waren deshalb: nur deutschsprachige, gut ausgebildete Pflegekräfte, enger Kontakt zwischen Arbeitskräften und Agentur sowie ein vorzeitiges Kennenlernen der Senioren und Pflegerinnen. David und sein Bruder Nikolaj Bogucki übernahmen die Suche nach einer polnischen Pflegeagentur. Ihre eigenen polnischen Wurzeln helfen bis heute bei der Kommunikation mit Agentur und Pflegekräften. Thomas Schweiger macht den organisatorischen Teil, Armin Maanavi das Marketing, und Benjamin Schiffner ist für die Kunden der Erstkontakt und Berater. So hat jeder der Freunde seine Aufgabe. Die Trennung von Arbeit und Freundschaft funktioniere seit dem Start im Sommer 2020 super. „Zwischen 9 und 18 Uhr geht es hier im Büro nicht um Fußball, und danach geht es nicht mehr ums Büro“, erklärt Schiffner.

Dass es umstritten ist, dass nur osteuropäische Pflegekräfte den Job für das Geld rund um die Uhr machen, ist Schiffner bewusst. „So geht das System. Das können wir nicht aufhalten“, meint er. Stattdessen könnten er und seine Kollegen gewährleisten, dass die Pfleger – anders als in deren Heimat – gutes Geld bekommen und glücklich seien.

Die Vermittler fragen gemeinsame Interessen ab

Was die Pflegerinnen genau bekommen, kann er derweil nicht sagen – das mache die Agentur in Polen. Täglich arbeiteten sie acht Stunden. Die Pflegerinnen müssten rund um die Uhr verfügbar sein, auch nachts. Ein Tag in der Woche ist frei. Damit sie Privatsphäre haben, müssen sie ein eigenes Zimmer bekommen und arbeiten oft mit einem Babyfon, um im Notfall einsatzbereit zu sein. „Und wir schauen, dass es zwischen Pflegerin und zu Pflegendem passt“, erklärt Schiffner.

Gemeinsame Interessen würden deshalb abgefragt, und nach ein paar Tagen gebe es eine Rücksprache ob beide Seiten zufrieden seien. Wenn es sich eingespielt habe, wechseln sich meist drei Pflegerinnen ab, die jeweils ein bis zwei Monate bleiben. Das Ganze koste für den Kunden rund 2600 Euro im Monat, wobei ein Großteil mit Pflegegeldern bezahlt werden könne. Bei Schiffner und seinen Kollegen landen davon 49 Euro.

Weil der Aufwand recht hoch sei, haben die Immerhelden derzeit nur elf Kunden. Sie wollen ihr Unternehmen erst mal klein und regional halten, sagen sie. „Alles rund um die Pflege kann man nicht aus der Ferne regeln, da muss man nah am Menschen sein“, sagt Schiffner. Wenn es aber Anfragen aus der nahen Umgebung gebe, wollen die vier Unternehmer helfen.

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