Connor Power (links) und Linus Linder haben die App Teleportr. Foto: privat

Das Start-Up Teleportr will eine Lücke füllen: Päckchen dann ausliefern, wenn die Kunden zu Hause sind.

S-West - Bücher, Kleider, Elektrogeräte, Weihnachtsgeschenke – im Internet gibt es alles. Deshalb bestellen immer mehr Menschen lieber dort, statt in einen Laden zu gehen. Und es wird direkt ins Haus geliefert. Eigentlich. Denn eben nur, wenn man auch zu Hause ist.

Kürzlich hat die Postbank die Schließung der Postfiliale an der Böblinger Straße im Süden angekündigt, in der Filiale an der Senefelderstraße braucht es oft viel Geduld, die Schlange ist stets lange. Das Start Up Teleportr mit Sitz im Stuttgarter Westen, ebenfalls an der Senefelderstraße, will den Internet-Bestellern diesen Wartestress nun ersparen. Das Unternehmen bringt Päckchen und Pakete nach Hause. Dafür sei die gleichnamige App Teleportr entwickelt worden, sagt der Gründer und Geschäftsführer Linus Linder.

Die Kunden lassen sich ihre Päckchen zu einem Kiosk liefern

Der 39-Jährige und sein Geschäftspartner Conner Power haben vor einem halben Jahr für diese Idee ihre Jobs gekündigt. „Es kann doch nicht sein, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch bei der Post in der Schlange stehen müssen“, sagt Linder bei einem Treffen im Stuttgarter Westen. Dort haben sie auch ihr Projekt gestartet. „Die ganzen Internethändler machen das Bestellen so einfach, eine Zahnbürste hat man in 20 Sekunden, und dann steht man doch wieder in der Senefelderstraße an.“

Das liegt auch daran, dass die Deutsche Post immer mehr Filialen schließt, in den letzten verbliebenen ist zu Spitzenzeiten oft die Hölle los. Nun wollen Linder und sein Kollege keineswegs Postdienstleister wie die BW Post oder DHL ersetzen.

Ihr Geschäftsmodell ist ein ganz anderes: Die Kunden lassen sich ihre Pakete und Päckchen von den gängigen Dienstleistern gar nicht erst zu sich nach Hause bringen, sondern zu Kiosken oder Paketshops, die mit dem Start Up Teleportr kooperieren.

Von dort holen deren Lieferanten, oft ist das bisher noch Linder selbst, die Pakte ab und liefern die Pakete aus, wenn die Kunden zu Hause sind – und das zu Fuß oder mit dem Lastenrad. Ein bisschen umweltfreundlich ist es also auch.

Woher sie wissen, wann jemand daheim ist? Auch dabei wollten es die zwei ITler ihren Kunden so einfach wie möglich machen. Ihre App arbeitet mit Geofence – das zeigt an, wenn sich das Handy in einem bestimmten Radius befindet, in dem Fall das zu Hause des Bestellers. „Man muss nicht selbst Bescheid geben, wenn man wieder daheim ist, sondern wir wissen das automatisch“, sagt Linder. Und das ist für manche vielleicht ein Haken: Man muss seinen Standort preisgeben. Doch Linder betont, man wisse nicht, wo die eingeloggten Kunden sich in der restlichen Zeit befinden.

Für die App muss man seinen Standort freigeben

Um die Daten gehe es ihnen nicht. „Wir geben nichts weiter, wir brauchen die wirklich nur für die Paketzustellung“, sagt er. Man gebe die Informationen an die Auslieferer auch erst kurzfristig raus, nirgends werde eine Übersicht geführt, wer wann und wo zu Hause ist, sagt er und ergänzt: „Jedes soziale Netzwerk weiß da mehr.“

Bisher beschränkt sich das Geschäftsgebiet von Teleportr auf die drei Stadtbezirke West, Süd und Mitte. In Kürze haben sie aber wohl genug Interessenten zusammen, dass sich auch Stuttgart-Ost lohnt. Pro Auslieferung kostet der Service von Teleportr die Besteller 1,99 Euro. Rund 400 Pakete haben sie in den letzten Monaten schon ausgeliefert. Bisher ist es also wohl kein Konzept, mit dem die beiden schnell reich werden. Gefördert werden sie als Start Up vom Land mit einem Innovationsgutschein in Höhe von 25 000 Euro, von der European Space Association (ESA) haben sie 50 000 Euro erhalten. Die ESA investiert in Start Ups, die mit Geofence arbeiten.

„Wir leben bisher von Luft und Liebe“, sagt Linder. Tatsächlich mehr von ein bisschen Gespartem. „Wir verzichten bisher auf Gehälter.“ Langfristig sei das Ziel aber, ihre Dienstleistung nicht nur in Stuttgart anzubieten. „Dieses Produkt ergibt für Stuttgart alleine keinen Sinn“, sagt er. Ihr Traum? „Die Weltherrschaft natürlich“, sagt er und lacht.

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